Ebensfeld
Rathaussturm 2

Ebensfelder Karneval-Gesellschaft will Öko-Quark und FFK-Strand am Baggersee

Auch in Ebensfeld haben die Narren jetzt das Sagen
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Gerangel um den Rathausschlüssel  Fotos: Monika Schütz
Gerangel um den Rathausschlüssel Fotos: Monika Schütz
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Er konnte einem fast leid tun: Erst wurde mit lautem Gebrüll sein Rathaus gestürmt, dann hat man ihm den Schlüssel abgenommen, er wurde zum Mundschenk degradiert und musste sich auch noch Kritik anhören. Aber eben nur "fast", denn am 11. 11. ist einiges erlaubt. Im Kostüm eines Marienkäfers, mit Hut und Sonnenbrille verkleidet, blieb Bernhard Storath, Bürgermeister von Ebensfeld, nichts anderes übrig, als den Narren des EKG, die Macht im Rathaus zu überlassen.

Mehrere Dutzend Jecken im blau-schwarzen  Karnevalskostüm und schadenfrohe Zuschauer eilten die Treppen hoch in den Sitzungsssaal, besetzten die Plätze, auf denen sonst nur Gemeinderäte, die Rathausverwaltung und geladene Gäste sitzen. In Vertretung des Präsidenten eröffnete Daniela Klinke die Präsidiumssitzung der Ebensfelder Karneval-Gesellschaft. "Wir schreiben das Jahr 20 nach Gründung der EKG und gleichzeitig das Jahr 12 mit Storath", begann sie die rund einstündige "Sondersitzung".

Während "Mundschenk" Storath alle Hände voll zu tun hatte, die ständig leeren Gläser der Zuhörer mit Wein zu füllen, prasselten die Tagesordnungspunkte der jecken Gesellschaft nur so auf ihn nieder.

FKK am Baggersee?

Sitzungspunkt 1 war nämlich die Forderung nach einem FKK- Baggersee. Tatsächlich gab Storath zu, dass diese Anfrage schon früher einmal gestellt wurde, nämlich vom Bademeister selbst. Gestern antwortete Storath: "Naja, vielleicht - schau'n mer mal. Eventuell von 10 Uhr nachts bis früh um 4." Und das an jedem ersten Sonntag im Monat. Ein weiterer Punkt war der neue öffentliche Nahverkehr: "Der VGN ist auch noch ein Graus - die kennen sich mit den Haltestellen nicht aus." Diskussion im Saal, Zwischenrufe nach Wein und Gebäck, ein umher eilender Mundschenk. Und eine gute Lösung für das Problem:  Das uralte ausgediente Feuerwehrauto der Gemeinde wird morgens und mittags zur Beförderung von Personen eingesetzt, in der Zeit dazwischen zum Gießen der Bäume im Wald bei Trockenheit  und zum Besprengen der Bevölkerung im Sommer. Einstimmig beschlossen.

Nächster Punkt: In Ebensfeld darf nicht mehr gebaut werden. "Überall schießen die Häuser wie Pilze aus dem Boden - doch das Bauen ist in Ebensfeld eh bald verboten. Die Gemeinde richtet sich nach der Verordnung vom Flächenfraß - doch bringt es unseren Bürgern wirklich was?" Mundschenk Storath fing leicht das Schwitzen an, oder war das wegen des ständigen Nachschenkens? In der Tat, so antwortete er, seit die Flächenerweiterung nicht so ganz einfach: eingeent durch Main, Hochwassergebiet und die Bahn und dann noch das Industriegebiet. Da bleibe nicht viel übrig.

Nächster Punkt: Der Faschingsumzug wird CO2-neutral. "Nur noch Fußgruppen sind am Start und verteilen des Bürgermeisters Öko-Quark. Zum Auswerfen gibt es nur noch regionale Äpfel und Birn'- hoffentlich treffen wir die Richtigen an der Stirn."

Weiteres Thema war der Dauerbrenner Parkplatz-Chaos in Ebensfeld: "Der neue Sheriff löst dieses Problem - doch leider kann dieser Mann nicht überall sein, drum sollte das Rathaus künftig auch Polizeistation sein", so die Forderung der EKG. Jetzt reichte es Storath: "Es gibt keinen Alkohol mehr bei den Sitzungen. Wir sollten das vertagen."

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