Bad Staffelstein
Hobby

Die zwei Musketiere aus Franken

Zwei Männer spüren der Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs nach. Durch diese Zeitreise werden die Geschehnisse für sie anschaulicher. In originalgetreuen Uniformen nehmen sie als Musketiere an Veranstaltungen teil.
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Christian Schunke (links) und Edwin Edwin Rottenbach stellen als Musketiere der Nürnberger Stadtwache aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs das Leben der damaligen Zeit nach. Fotos: Matthias Einwag
Christian Schunke (links) und Edwin Edwin Rottenbach stellen als Musketiere der Nürnberger Stadtwache aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs das Leben der damaligen Zeit nach. Fotos: Matthias Einwag
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Viele Redensarten sind dem Krieg entsprossen. Sprachliche Floskeln, die wir heute gebrauchen ohne nachzudenken, sind häufig dem Jargon der Landsknechte entlehnt: Wenn jemand von der Pike auf gelernt hat, Lunte riecht oder hieb- und stichfest ist, war das im 17. Jahrhundert durchaus wörtlich zu verstehen. Heute ist die ursprüngliche Bedeutung in den Hintergrund gerückt.

Edwin Rottenbach und Christian Schunke versetzen sich gern in frühere Zeiten zurück. Re enactment nennt man das auf Neudeutsch; das bedeutet so viel wie zurückversetzen und nacherleben historischer Ereignisse. Dafür sind die beiden Männer bereit, für ein paar Tage auf die Annehmlichkeiten der Jetztzeit zu verzichten. Als Musketiere der Nürnberger Stadtwache, die im Dreißigjährigen Krieg auf Seiten des schwedischen Königs Gustav Adolf kämpfte, erleben sie historisierende Zeltlager und empfinden das Leben und Wirken der Menschen vor rund 400 Jahren nach.

Rund drei Dutzend Mitglieder hat der Verein "Historische Nürnberger Stadtwache". Zehn bis 15 Veranstaltungen werde pro Jahr von ihnen besucht. Dabei bieten die Reenactors ein imposantes Bild. Auf Authentizität legen sie großen Wert.

Die Musketiere tragen Hut und Koller, Muskete, Degen und Pistolen sowie um den Oberkörper ein Bandelier mit den "zwölf Aposteln", den hölzernen Pulverfläschchen. Alles ist originalgetreu nachgebildet, sogar die Haartracht und der Knebelbart entsprechen der Mode der Renaissance. Nach dem Fototermin vor den Resten der Staffelsteiner Stadtmauer setzt Christian Schunke seine Brille auf, die er zuvor nicht getragen hatte. Mit Eitelkeit hat das nichts zu tun, die Brille passt nämlich gar nicht zum historischen Outfit.

Natürlich sind die Waffen Repliken; die Dolche, Degen und Säbel sind stumpf, denn sonst kämen ihre Träger mit dem Waffenrecht des 21. Jahrhunderts in Konflikt.

Blutiger Tag der Stadtgeschichte

In Bad Staffelstein, sagt Christian Schunke, gibt es einen ernsthaften Hintergrund, an den er immer denke, wenn er in diesen Kleidern steckt: Am 7. Februar 1633 nahmen die Schweden die Stadt ein und legten die Vorstadt in Schutt und Asche. 113 Staffelsteiner Bürger wurden damals umgebracht. Ein Ereignis, an das sich die Staffelsteiner bis heute mit Schaudern erinnern.

Sich solche Dinge in Erinnerung zu rufen, ist ein Hintergrund für das Hobby des Re enactments. Ihr Interesse, sagen Edwin Rottenbach und Christian Schunke, gehe über die Lagerfeuerromantik hinaus. Die Hintergründe, warum Geschichte verlief, wie sie verlief, fasziniert sie.

Kleidung maßgeschneidert

Die Kleidung aus der Zeit des 17. Jahrhunderts, sagen die beiden Musketiere, könne man nicht von der Stange kaufen. Die Kleidungsstücke müssten einzeln angefertigt oder im Fachhandel erworben werden. Ein Vereinskollege näht zum Beispiel die ledernen Koller selbst - ganz so hieb- und stichfest wie die Originale aus Elchleder müssen sie ja nicht sein, für die heutigen zwecke genügt Rindsleder durchaus.

In den Feldlagern, die die Re enactors nachstellen, legen sie großen Wert auf historisch genaue Abläufe - ohne Strom, ohne Heizung. Licht spenden am Abend nur Kienspäne und Öllampen. Die Laternen sind nicht verglast, sondern mit Hornplatten verblendet, denn Glas war zu dieser Zeit viel zu teuer. Natürlich benutzen sie auch keine Feuerzeuge, um die Lunten ihrer Musketen zu entzünden. Wie schwierig es ist, eine Lunte bei jeder Witterung am Glimmen zu halten, um die Muskete abfeuern zu können, ist erstaunlich. Dabei gilt es zudem, das verräterische Glimmen zu verbergen und zu vermeiden, dass der Feind "Lunte riecht" - dafür hatten die Landsknechte ein eigenes Utensil, einen Lunten(ver)berger.

In Franken sind die beiden Männer an Pfingsten bei der "Cranach Historica" dabei. Seit rund 30 Jahren betreibe er dieses Hobby, sagt Christian Schunke, aber beim Einmarsch der Truppen an diesem historischen Ort laufe ihm jedesmal eine Gänsehaut auf.

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