Lichtenfels
Neuerscheinung

Die Zeitkapsel eines Lebenslaufs

Archivdirektor a. D. Josef Urban zeichnete das Leben des früheren Bamberger Weihbischofs Artur Landgraf mittels zahlreicher Quellen nach. Die Dokumentation, die er zum 60. Todestag des Prälaten herausgab, ist lesenswert.
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Dr. Josef Urban recherchierte für das Landgraf-Buch unter anderem in der Lichtenfelser Stadtbücherei.Matthias Einwag
Dr. Josef Urban recherchierte für das Landgraf-Buch unter anderem in der Lichtenfelser Stadtbücherei.Matthias Einwag
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Josef Urban ist am Obermain kein Unbekannter. Der ehemalige Leiter des Bamberger Diözesanarchivs, der in Kleinziegenfeld aufgewachsen ist, machte sich einen Namen mit der heimatgeschichtlichen Zeitschrift "Vom Main zum Jura", die er seit über 30 Jahren herausgibt. Jetzt verfasste der promovierte Theologe eine Monographie über den früheren Bamberger Weihbischof Artur Michael Landgraf (1895 bis 1958).

Das Buch über Artur Landgraf ist eine kurzweilige Lektüre für all jene, die sich für Lokalgeschichte interessieren. Josef Urban hat dafür Erinnerungen von Zeitgenossen ausgewertet und wiedergegeben. Zudem sichtete er zahlreiche Quellen, um aussagekräftige Dokumente sowie Bilder zum Leben des Weihbischofs zusammenzutragen.

Person der Zeitgeschichte

Das Kriegsende 1945 hat besondere Bedeutung im Lebenslauf von Artur Landgraf. Zum einen setzte er sich im April 1945 dafür ein, dass die Wehrmacht Bamberg und die Jura-Linie nicht gegen die herannahenden Amerikaner verteidigte. "Das schreibt er selbst, es muss aber noch genauer erforscht werden", sagt Josef Urban. Bei einem Bombenangriff auf Bamberg am 13. April 1945 wurde Landgrafs Schwester Josephine Alexandra von einem Splitter getroffen, sie verblutete. Weil die Regnitzbrücken damals bereits gesprengt waren, um die vor der Stadt stehenden US-Truppen aufzuhalten, konnte die Verstorbene nicht zum städtischen Friedhof gebracht werden. Sie wurde deshalb zunächst im großen Garten des Wohnhauses am Teufelsgraben beigesetzt und später umgebettet.

Die Idee, ein Buch über Artur Landgraf herauszugeben, war Josef Urban Ende der 1990er-Jahre gekommen. Zuvor sei eine große Briefsammlung aus dem Haus am Teufelsgraben ans Diözesanarchiv übergeben worden. Diese Briefe, sagt Urban, hätten sehr viel Auskunft über das Privatleben und das wissenschaftliche Werk Landgrafs als Frühscholastiker gegeben. Darunter seien Korrespondenzen mit Privatpersonen bis hinauf zum Papst.

In dem Buch skizziert Josef Urban zusammen mit etlichen Koautoren das Leben des Geistlichen, der "ein fleißiger Forscher" gewesen sei und dessen Arbeit für die Grundlagenforschung heute noch bedeutend sei.

"Er ist Wissenschaftler und Seelsorger", sagt Josef Urban, denn er habe sich "nicht nur eingleisig, nicht nur mit der Kirche", befasst, sondern mit vielen Bereichen des Lebens. In dem Buch versucht der Herausgeber, all diesen Aspekten gerecht zu werden, das Leben des Weihbischofs fassbar zu machen, indem aufgezeigt wird, wie dieser mit alltäglichen Dingen in schwerer Kriegs- und Nachkriegszeit zurechtkommen musste. Die Nachrufe von Professoren und Kollegen berücksichtigen dies und schildern das Leben des Prälaten in all seinen Facetten.

Am Obermain weilte Weihbischof Artur Landgraf häufig. Sei es bei der Segnung der Mainbrücken in Lichtenfels und Burgkunstadt oder bei der kirchlichen Weihe der Burgkunstadter Fünfwundenkapelle. Wallfahrten bedeuteten ihm viel, so dass er neben Altötting und Gößweinstein auch Vierzehnheiligen oft besuchte.

Was nicht im Buch steht: Als Landgraf kurz nach Kriegsende in Weismain den Männertag des Dekanats besuchte, sei er in einem so klapprigen Auto vorgefahren, dass der Weismainer Pfarrer Otto Grasmüller Mitleid hatte, erzählt Josef Urban. Prompt organisierte der Pfarrer, dass der Weihbischof bei seinem nächsten Besuch von einem besseren Fahrzeug abgeholt wurde - von einem Lastwagen der Wurstfabik Kraus.

Der Umgang mit Nachlässen

Archivare können nicht überall sein, wenn Haushalte aufgelöst, Dachböden entrümpelt werden. Josef Urban rät den Erben dazu, scheinbar wertlose Briefe, Akten oder Manuskripte nicht wegzuwerfen. "Im geistlichen Bereich ist das Diözesanarchiv der Ansprechpartner", sagt er, auf weltlichem Sektor könnten Stadt- oder Staatsarchiv angesprochen werden, dort sei man stets dankbar für solche Kovolute. Die Faustregel: Erst den Archivar fragen, denn "wegwerfen kann man's immer noch".

Der ehemalige Archivdirektor: "Die analoge Überlieferung ist etwas Zentrales in Zeiten der Digitalisierung." Die Experten grübeln freilich intensiv darüber nach, was im Original aufgehoben werden muss und was digitalisiert werden kann.

Lebenseckdaten Landgrafs und Angaben zum Buch

Lebenslauf Artur Michael Landgraf wurde am 27. Februar 1895 in Traunstein geboren und starb am 8. September 1958 in Bamberg. Er war römisch-katholischer Theologe und als Titularbischof von Eudocia von 1943 bis 1958 Weihbischof im Erzbistum Bamberg.

Das Buch "Artur Michael Landgraf - Der gelehrte Bamberger Weihbischof - Dokumentationen" wurde von Dr. Josef Urban herausgegeben. Der Band hat 456 Seiten, ist mit 140 Bilddokumenten illustriert und kostet 34,80 Euro. Erhältlich ist das Buch ausschließlich über die Forschungsstelle Bamberger Bistumsgeschichte, Dr. Josef Urban, Schillerstraße 15, 91330 Eggolsheim - sowie über E-Mail: josef.urban@yahoo.de.



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