Lichtenfels
Landwirtschaft

Die Wälder im Landkreis Lichtenfels sind in Gefahr

Trockenheit, Hitze, Borkenkäfer und Schwammspinner: Waldbesitzer müssen mit Umsatzeinbußen rechnen.
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Georg Zahn entastet vom Borkenkäfer befallene Fichten. Fotos: Andreas Welz
Georg Zahn entastet vom Borkenkäfer befallene Fichten. Fotos: Andreas Welz
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Trockenheit und Hitze setzen den Wäldern auch im Landkreis Lichtenfels heftig zu. Gleichzeitig wächst die Waldbrandgefahr, und zu allem Überfluss kommt es zu einer Borkenkäferplage. Während die Landwirte nach Ausgleichzahlungen für Ertragseinbußen rufen, bleibt es im Wald still.
Forstleuten wird erst in Jahren oder Jahrzehnten die Rechnung präsentiert. Umsatzeinbußen sind schon jetzt vorprogrammiert. Waldbesitzer, Revierpächter und Mitglieder des Forstamtes Lichtenfels machten sich in der vergangenen Woche ein Bild von den Schäden im Wald. "Die Fichte, unser wichtigster Wirtschaftsbaum, leidet besonders, weil sie so flache Wurzeln hat", stellte Forstdirektor Oliver Kröner fest.


Jungkulturen gefährdet

Weil der Boden von oben nach unten trockne, könnten Baumarten mit tiefen Wurzeln die Trockenheit besser vertragen als flachwurzelnde wie die Fichte. Besonders gefährdet seien die Jungkulturen, die erst noch Wurzeln ausbilden müssen, die in die Tiefe gehen. Wenn die ersten 20 Zentimeter durchtrocknen, sind zwei- oder dreijährige Setzlinge kaum noch zu retten. Es bestehe die Gefahr einer Massenvermehrung des Borkenkäfers, die in Zukunft weiter zunehmen werde. "Der Wald, so wie wir ihn kennen, wird mit dem Klimawandel, wie wir ihn schon sehen, nicht zurechtkommen", beschreibt Kröner die Notwendigkeit zum Umdenken. "Wir alle können dagegen etwas tun, indem wir lieb gewonnene Gewohnheiten aufgeben, zum Beispiel weite Flugreisen." Das größte Problem aber ist der Borkenkäfer. Die Witterung sei geradezu ideal für den Schädling, sagte Kröner.
Im Schafholz, ein Waldstück westlich von Unnersdorf, entastete Landwirt Georg Zahn umgesägte Fichten, die vom Borkenkäfer befallen waren. Rund 100 Festmeter hatte er dort einschlagen müssen. Revierförster Joachim Esslinger wies darauf hin, dass befallene Bäume umgehend aus dem Wald geschafft werden müssten, damit sich die Plage nicht weiter ausdehnen könne. Lob erhielt Zahn von allen Seiten, da er für die Lagerung seine Wiese zur Verfügung stellte.
Gerade hat Hannes Sonanini, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Staffelstein, den Käfer in einer riesigen Fichte entdeckt. Die Nadeln auf dem Boden zeigten an, dass der prächtige Baum nicht mehr zu retten ist, so der Revierförster. Mittels GPS-Signal holte er den Standort auf sein Laptop und stellte den Waldbesitzer fest. "Er wird von mir umgehend benachrichtigt, damit er den Baum fällt", sagte er. Der Schaden sei immens, machte Sonanini deutlich, Käferholz erziele 15 bis 20 Euro pro Festmeter weniger als gesundes Holz.


Borkenkäfer vermehrt sich

Wenn die Bäume im Wald liegen bleiben, müssten sie chemisch behandelt werden. Auch das verursache zusätzliche Kosten. "Das Ökosystem Wald reagiert auf Hitzerekorde und Trockenperioden der letzten Jahre mit geringeren Zuwächsen, sinkender Vitalität, reduzierter Abwehrfähigkeit der Bäume und einer Massenvermehrung von Borkenkäfern. Daher müssen Waldbesitzer mit zusätzlichem Aufwand beim Aufarbeiten von geschädigten Beständen und wirtschaftlichen Einbußen rechnen", fasste Forstdirektor Kröner zusammen.
An vielen weiteren Stellen wurden schadhafte Bäume entdeckt. Untrügliches Zeichen sei die Rotfärbung der Baumwipfel, machte der Förster deutlich. An manchen Bäumen schälte sich schon von unter her die Rinde, während sie weiter oben noch fest am Stamm klebe. Auch das sei in diesem Jahr ein Phänomen. Die wichtigste Maßnahme gegen den Borkenkäfer sei eine saubere Waldwirtschaft. Das bedeute, dass möglichst wenig Brutmaterial vorhanden ist, zum Beispiel geschwächte Bäume oder Holzreste, die nach der Ernte liegen bleiben.
Ein weiteres Problem der hiesigen Waldbauern ist der Schaden, den der Schwammspinner anrichtet. Er wird durch seine Raupen verursacht. Sie bleiben nach dem Schlupf erst einige Tage in Nähe des Nestes oder Schwammes. Danach beginnen sie, in die Baumkronen zu ziehen, wo sie anfangs in junge Blätter Löcher fressen. Mit zunehmendem Alter und Größe verzehren sie die Blätter nahezu vollständig. Der Schaden ist dann weithin sichtbar; bei Massenbefall sind Bäume teilweise völlig entlaubt. Sind Eichenbestände durch andere Krankheiten, Schädlinge oder durch eine Dürreperiode geschwächt, kann auch der gesamte Bestand verloren gehen.
Diese Befürchtung hatte der Vorsitzende der Waldkorporation Wiesen, Peter Schober, bei der Besichtigung eines Waldstücks oberhalb von Wiesen. Forstreferendar Robert Radke entdeckte ein altes Brutnest an einer frei stehenden Eiche. Die Larven waren bereits geschlüpft und hatten ihre zerstörerische Arbeit getan.


Raupen schlüpfen im Frühling

Schober und Kröner untersuchten mehrere Bäume und fanden weitere Brutnester. Nach der Verpuppung legen die Schmetterlinge ihre Eier in den unteren Bereichen der Bäume ab, erläuterte Oliver Kröner. Die Eier überwintern und die Raupen schlüpfen im darauffolgenden Frühling. Schwammspinner waren in den wärmeren Gebieten Europas und in Nordafrika verbreitet. "Jetzt sind sie durch den fortschreitenden Klimawandel auch bei uns zu Hause", stellte er fest. Ein Gegenmittel gebe es nicht, so der Forstdirektor. Sein Amt werde eine Prognose im Herbst erstellen. Sollte eine kritische Dichte der Eiablagen festgestellt werden, müsste man die chemische Keule einsetzen.


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