Lichtenfels
Haushalt

Die Stadt Lichtenfels investiert wie nie

Es ist ein Rekord-Haushalt, den der Lichtenfelser Stadtrat beschlossen hat. Das Gesamtvolumen umfasst 57,79 Mio. Euro. Hohe Investitionen sind vorgesehen.
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Die Einfahrt ins Gewerbegebiet "An der Zeil" in Schney. Die geplante Erweiterung wird größer als das bestehende Areal sein. Popp
Die Einfahrt ins Gewerbegebiet "An der Zeil" in Schney. Die geplante Erweiterung wird größer als das bestehende Areal sein. Popp
Vergleiche mit den olympischen Spielen wurden bemüht, als es im Stadtrat um den Haushalt für dieses Jahr ging. Von sportlichen Zielen war die Rede, von immer beeindruckenderen, immer höheren Zahlen, ja von einem Rekord. Und Johann Pantel, der Stadtkämmerer, habe sich mit diesem Zahlenwerk eine Goldmedaille verdient. Der wiederum übte sich in Zurückhaltung. Ausgangspunkt für seinen Etatentwurf mit einem Gesamtvolumen von 57,79 Millionen Euro seien gute Ergebnisse aus den Vorjahren mit rund sieben Millionen Euro Rücklagen. Das ermöglicht einen Ausgleich ohne Kreditaufnahme - wenn man von dem 2,5-Mio.-Darlehen der Stadtwerke einmal absieht, die gerade ein neues Betriebs- und Verwaltungsgebäude bauen. Tatsächlich ist es ein Rekord, wie Pantel bestätigen kann. Er ist immerhin schon seit 1974 bei der Stadt Lichtenfels tätig, und in dieser Zeit habe es noch keinen vergleichbaren Vermögenshaushalt gegeben. 19,5 Millionen Euro stehen bereit, plus fast 2,6 Mio. Euro Haushaltsausgabereste von 2017. "Wir investieren in die Zukunft unserer Stadt", unterstrich Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD). Es seien schon enorme Impulse in den Bereichen Gewerbe, Wohnen, weitere Infrastruktur und Kinderbetreuung gesetzt worden. Diesen Schwung gelte es aufzugreifen: "Wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen, wir müssen und wollen die nächsten Schritte einleiten."
Ein besonders großer Brocken unter den geplanten Projekten ist die Erschließung des Gewerbegebietes "An der Zeil II" (Schney) mit Kosten von rund fünf Millionen Euro. Die Tatsache, dass nach dem Beschluss über den Haushalt vier Bebauungspläne behandelt wurden, passt ins Bild einer aufstrebenden Kreisstadt. Neben dem genannten Riesenvorhaben in Schney entsteht noch ein vier Hektar großes Gewerbegebiet in Seubelsdorf entlang der Reundorfer Straße, außerdem ein neues Wohngebiet in Reundorf mit 48 Bauplätzen, und auch in Isling ("West III") können sich Leute niederlassen. Einen Fingerzeig in Richtung sozialer Wohnungsbau gab es aus den Fraktionen von SPD und Freien Wählern. Bernhard Christoph (Grüne) erinnerte daran, dass auch Umweltschutz und ein ansprechendes Stadtbild Faktoren für mehr Lebensqualität sind, und es hierbei nicht auf viel Geld ankommt, sondern eher auf das entsprechende Bewusstsein.
Familien- und Gästefreundlichkeit hat sich die Stadt auf ihre Fahnen geschrieben. Ein Projekt, über das sich Jugendliche freuen dürften, ist die neue Skateranlage, die am Schul- und Sportzentrum entstehen wird. Kostenpunkt: zirka 130 000 Euro. Die unterirdischen Gänge sollen Besuchern wieder zugänglich gemacht werden (90 000 Euro), ebenso der Obere Torturm. Die Sanierung des Sanitärgebäudes auf dem Campingplatz schlägt mit 250 000 Euro zu Buche.
Trotz der Vielzahl an Einzelposten mussten einige Vorhaben zurückgestellt werden. Etwa die Klärschlammtrocknung an der Lichtenfelser Kläranlage. Sie sollte schon im Vorjahr angeschafft werden, da eine höhere Restwassermenge auch höhere Entsorgungskosten bedeutet. Spätestens 2019 müssen diesbezüglich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Von mindestens 2,5 Millionen Euro Kosten ist auszugehen. Eine Randnotiz, trotzdem unüberhörbar war der Warnhinweis des Kämmerers: Der finanzielle Spielraum ist klein; weitere Schulden sollte sich die Stadt nicht aufbürden. In den kommenden Jahren werden die Bedingungen weniger günstig sein.


Zahlen und Fakten

Vermögenshaushalt: Er beinhaltet die Investitionen, die eine Kommune tätigen kann. Die stolze Summe: rund 20 Mio. €.

Gewerbesteuer: Wichtige Einnahmequelle, aber schwierig vorhersehbar. Für 2018 hat der Kämmerer 7 Mio. € veranschlagt, das sind 5,4 Mio. weniger als die 2017 tatsächlich eingenommene Gewerbesteuer.

Einkommensteuer: Auch an der guten Beschäftigungslage hat die Stadt Anteil: Man rechnet mit rund 9,2 Mio. €.

Grund-/Umsatzsteuer: Aus der Grundsteuer erwartet sich der Kämmerer 2,25 Mio. € für die Stadtkasse, aus der Umsatzsteuer 2,1 Mio.

Ausgaben Verwaltungshaushalt: Wer einnimmt, muss entsprechend Geld abführen, z. B an den Landkreis. Für die Kreisumlage sind heuer voraussichtlich gut 9 Mio. € fällig. Deutlich gestiegen sind die Personalausgaben - von 9,9 Mio 2016 auf geplant rund 10,72 Mio. Das wird teilweise mit vorübergehenden Doppelbesetzungen zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter begründet.

Verschuldung: 22,86 Mio. € Schulden hat Lichtenfels , davon entfallen 7,64 Mio. auf die Stadtwerke. Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt 1140 €, (Landesdurchschnitt: 901 €).

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