Bad Staffelstein
80er-Jahre

Die Obermain-Therme war erfolgreich von Anfang an

Als die Staffelsteiner Obermain-Therme im Januar 1986 eröffnet wurde, übertrafen die Besucherzahlen vom ersten Tag an alle Erwartungen. Bernhard Hübner, der erste Werkleiter, erinnert sich an die Anfangszeit.
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Die Obermain-Therme aus der Luft: Die Bausubstanz des 1986 eröffneten Thermalbades  wurde in den 80ern und 90ern permanent erweitert. Dieses Bild entstand 1999, als der Kurpark (im  Bild oben) gerade angelegt wurde. Archivfoto: Matthias Einwag
Die Obermain-Therme aus der Luft: Die Bausubstanz des 1986 eröffneten Thermalbades wurde in den 80ern und 90ern permanent erweitert. Dieses Bild entstand 1999, als der Kurpark (im Bild oben) gerade angelegt wurde. Archivfoto: Matthias Einwag
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Große Spannung herrschte, wie der Betrieb im Thermalbad anlaufen würde. Die Erwartungshaltung in Stadt und Kreis war sehr hoch, als das neu gebaute Thermalbad am 2. Januar 1986 erstmals seine Pforten öffnete.

"Die Erfolgsgeschichte begann am ersten Tag, als bereits über 800 Besucher kamen", sagt Bernhard Hübner. Der 78-Jährige war von 1986 bis 2004 der erste Werkleiter der Therme, die zu Beginn 20 Mitarbeiter hatte. Schon am zweiten Tag, fährt Hübner fort, seien 1350 Besucher gezählt worden. Und der Rekordtag im Januar 1986 brachte sogar 1787 Badegäste in die Obermain-Therme.

Skepsis in den frühen 80ern

41 860 Menschen besuchten das Thermalbad im ersten Monat seines Bestehens Am 5. Februar wurde bereits der 50 000. Badegast begrüßt, "was einer Sensation gleichkam", sagt Bernhard Hübner. Denn die frühen 80er-Jahre seien in Staffelstein geprägt gewesen von den Fragen "Wann geht's endlich los und wann geht's weiter?" Dabei schwang immer eine gewisse Skepsis mit, die sich in Sprüchen wie den folgenden artikulierte: "Das wird doch nie 'was. Die machen ja bloß Sprüch'." Als es dann anders kam, verstummten die Kritiker schnell.

Doch woher kam dieser Erfolg? Seit 1976 badeten die Staffelsteiner und ihre Gäste in einer provisorisch aufgestellten Badehalle mit winzigem Becken. Im Sommer 1983 war dann Baubeginn für das Thermalbad, dessen Urzelle zum Jahresende 1985 fertiggestellt werden konnte. Am 30. Dezember 1985 wurde das Thermalbad offiziell eingeweiht. Bernhard Hübner freute sich damals besonders, dass Heiner Kohles an der Feier teilnehmen konnte, der in den 70ern Ideengeber für die Suche nach Mineralsole gewesen ist.

800 000 Besucher im Provisorium

Bereits der Betrieb des Provisoriums von 1976 bis 1985 hatte die Staffelsteiner Thermalsole im Umkreis von 70 bis 80 Kilometern bekannt gemacht. In dieser Zeit besuchten immerhin rund 800 000 Menschen dieses provisorische Bad. Außerdem warb die Geschäftsführung mit Josef Grasser an der Spitze bereits kurz nach Eröffnung der Obermain-Therme in allen Zeitungen Nordbayerns, versandte Pressemitteilungen und schaltete Anzeigen. "Wir waren im Raum Erlangen-Nürnberg und im nordöstlichen Oberfranken schnell bekannt, denn die Presse griff das Thema gern auf und berichtete groß über uns."

Wegen der guten Resonanz durch die Anzeigen in den Tageszeitungen im ersten Monat, fährt Bernhard Hübner fort, "bliesen wir die geplanten Rundfunkspots ab und sparten dieses Geld". Seit 1976 war immer mehr Menschen bewusst gemacht worden, dass die Staffelsteiner Mineralsole ein hochwertiges Heilwasser ist, das von Fachleuten hervorgehoben wurde.

Ein weiterer Eckpfeiler für den Erfolg des Thermalbades war wohl die ansprechende Architektur des Neubaus, ergänzt Bernhard Hübner. Die Eingangshalle und die Cafeteria boten den Besuchern die Sicht auf den Badebetrieb, was zu dieser Zeit längst nicht üblich war. "Wir waren nicht auf Wellness ausgerichtet, sondern zum Nutzen der Gesundheit", fügt er an.

Damals waren Busreisen sehr beliebt, berichtet Hübner, und so kamen täglich drei bis vier Reisebusse mit Schaulustigen zur Therme, nachdem sie zuvor Vierzehnheiligen und Banz angesteuert hatten. Dies verstand der Werkleiter als weitere Chance, für das Thermalbad zu werben, deshalb empfing und betreute er solche Gästegruppen meist selbst. So zu reisen war damals, lange vor den Flix-Bussen, stark in Mode. "Im ersten Monat 1986 arrangierten sich 24 Busunternehmer und boten Fahrten zum Staffelsteiner Thermalbad an", sagt Hübner, "aber bald waren es schon 40 Unternehmen, die zu uns fuhren."

Eine Heilquelle, aber kein Jungbrunnen

"Die Erwartungshaltung der Badegäste war sehr groß", erinnert er sich und muss grinsen: "Einmal kam einer mit Kreuzschmerzen zu uns und meinte, nach einmaligem Besuch sei er geheilt." Weil das nicht so war, beschwerte er sich bitterlich beim Werkleiter - doch selbst die stärkste Thermalquelle ist eben kein Jungbrunnen.

Aufgrund des Anfangserfolges wurde 1986 beschlossen, ein Kurmittelhaus zu bauen. Außerdem kamen in den 80ern und 90ern kontinuierlich neue Gebäude dazu - schon um einer etwaigen Negativwerbung vorzubeugen, die entstanden wäre, wenn sich Staus in der Eingangshalle an der Kasse gebildet hätten.

Die besserwisserischen Kritiker verstummten trotzdem nicht. Hatten sie vorher gespottet, dass 700 Besucher täglich utopisch seien, so motzten dieselben Menschen nun: "Die hätten gleich größer bauen sollen."

Eine Autobahn gab es damals hier nicht

Rodach war in den ersten Jahren für Staffelstein eine Konkurrenz, weil das dortige Thermalbad vom Freistaat Bayern stark gefördert werden musste. Durch die Nähe der Zonengrenze fehlte Rodach das Hinterland. "Wir mussten auf die Zuschüsse warten", erinnert sich Bernhard Hübner, "aber wir brauchten sie, denn wir wussten, dass wir ein Bad bauen müssen, das Ausstrahlung hat." Die Autobahn A 73 gab es zu dieser Zeit am Obermain noch nicht, doch über die Bundesstraße 173 konnten Badegäste aus dem Großraum Bamberg-Forchheim-Erlangen-Nürnberg gewonnen werden.

Die Maueröffnung war Mitte der 80er nicht absehbar. Nachdem die innerdeutsche Grenze 1989 gefallen war, kamen erst allmählich Gäste aus Thüringen und Sachsen. Bernhard Hübner: "Im ersten Jahr brachte es wenig, denn die Leute wollten ja die Alpen sehen." 1992 bis 1994 entdeckten die Thüringer und Sachsen dann das Frankenland: "1994 war unser Rekordjahr, wir hatten 984 000 Besucher." Dieser Trend sei schnell vorüber gewesen, denn bald schon seien in den neuen Bundesländern alte Bäder wiederbelebt und ausgebaut worden.

Inzwischen kommen die Leute kaum noch mit dem Bus nach Bad Staffelstein, sondern vor allem mit dem Auto. Oder mit der Bahn. Schon früh erkannte die Thermenführung und der Thermalsolbad-Zweckverband: "Die Nähe zum Bahnhof ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können." Kooperationen mit der Deutschen Bahn wurden geschlossen, und günstige Arrangements sind heute sehr beliebt.

Vergleich mit Bad Füssing

Eines der schönsten Komplimente, die Bernhard Hübner über die Erfolgsgeschichte der Obermain-Therme hörte, kam vor wenigen Jahren bei einem Fachkongress aus dem Mund eines fränkischen Kurdirektors. Dieser sprach anerkennend über die Entwicklung der Obermain-Therme und lobte sie mit den Worten: "Was in Südbayern Bad Füssing ist, das ist in Nordbayern Bad Staffelstein."

Eine kurze Chronologie

1975 Die erste Bohrung bringt aus 1600 Metern Tiefe 52 Grad warmes Wasser mit einer neunprozentigen Mineralisierung

1976 In einem Provisorium entsteht der erste Badebetrieb

1986 Eröffnung der Obermain-Therme

1988 Der millionste Badegast wird gezählt

1989 Eröffnung des Kurmittelhauses

1991 Staatlich anerkannter Heilquellenkurbetrieb

1999 Eröffnung des Kurparks

2001 Staffelstein bekommt das Prädikat "Bad" verliehen

2010 18-millionster Badegast

2014 Erweiterung des Saunalandes

2018 24-millionster Badegast

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