Lichtenfels
Fasching

Die Narren haben wieder das Sagen

Weil gute Worte nicht halfen, stürmten die Reundorfer "Maapiraten" das Lichtenfelser Rathaus mit Waffengewalt.
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Das Stadtoberhaupt und seine Stellvertreterin werden mit Säbelgewalt überwältigt.Gerda Völk
Das Stadtoberhaupt und seine Stellvertreterin werden mit Säbelgewalt überwältigt.Gerda Völk
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Noch hatte Bürgermeister Andreas Hügerich die besseren Karten. Mit seinen Stadträten stand er im ersten Stock des Lichtenfelser Rathauses am geöffneten Fenster und winkte mit dem Rathausschlüssel. "Es wäre besser, wenn ihr uns den Schlüssel runterlassen würdet", erklärte Klauß Fischer, Captain des Reundorfer Faschingsvereins "Maapiraten". Doch kampflos wollten der Rathauschef und seine Stadträte, die sich im Sitzungssaal verschanzt hatten, das Feld nicht räumen.

Seit gut einer halben Stunde wurde das Rathaus nun schon belagert. Am Marktplatz tobten die Sprüche der Verkäufer des Hamburger Fischmarkts, vor der Rathaustür die Mannschaft des Faschingsvereins aus Reundorf. Aus den Lautsprechern am Rathauseingang dröhnte Faschingsmusik, während sich die Piraten schon mal warm tanzten. Auch der Wettergott meinte es gut mit den "Maapiraten". Hatte es in den Morgenstunden noch geregnet, klarte der Himmel pünktlich zum Beginn des Rathaussturms auf.

"Sonst werdet ihr beschossen"

Noch einmal versuchte es der Captain mit Worten. Es wäre doch besser, den Schlüssel des Rathauses gleich aus dem Fenster zu werfen, oder an einer Schnur herunter zu lassen. Widerstand sei zwecklos. Hinter den Maapiraten stünden nicht nur die kräftigen Jungs vom Fischmarkt, sondern auch ganz Lichtenfels. In diesem Jahr waren deutlich mehr Leute zum Rathaussturm gekommen. Besucher, die gespannt die Szenerie verfolgten. Auch gutes Zureden halft nichts.

Dabei hätte Bürgermeister Hügerich doch bloß seine Vertretung fragen müssen. Im letzten Jahr musste sich zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner am Ende auch der Übermacht der wilden Horde geschlagen geben. "Gebt den Schlüssel raus, sonst werdet ihr beschossen", forderten die Freibeuter des Reundorfer Faschingsvereins. Zur Untermauerung ihrer Forderung schwangen sie ihre Krummsäbel und Pistolen.

Böllerschuss und Nebelschwaden

Pünktlich um 11 Uhr 11 donnerte ein Böllerschuss über den Marktplatz, Nebelschwaden zogen auf, und ein Teil der Freibeuter stürmte das Rathaus und damit auch den Rathaussaal. "Wir haben gesiegt, wir haben den Schlüssel", verkündete ihr Captain den wartenden Zuschauer auf dem Rathausplatz - während sich der Bürgermeister, seine Vertreterin und ein Teil seiner Stadträte geschlagen gaben. Das Handgemenge dauerte nur kurz und schon wurden die "Gefangenen" mit einem dicken Seil ins Freie geschleppt. Als sichtbares Zeichen ihrer Machtübernehme hissten die "Maapiraten" die weithin sichtbare Totenkopfflagge.

Dass von nun an andere Gesetze in der Kreisstadt gelten, wurde alsbald vom Rathausfenster aus proklamiert: "Ab dem 11. 11. bis zum 6. März gelten ausschließlich die Gesetze der Narren", die mit diesem Paragraphen auch gleichzeitig das gesamte Stadtgebiet und die dazugehörigen Dörfer unter eine Feiertagsregelung stellten. Als Zeichen der Verbundenheit zum oberfränkischen Fasching sollte sich jeder kostümieren. Dafür kommen Miesmacher, Nörgler, Langweiler ab sofort in Gewahrsam und werden im nächstliegenden Gewässer versenkt.

Zumindest dieser Paragraph dürfte angesichts des historischen Tiefstands des Mains kaum umzusetzen sein. Dann schon eher der Paragraph, der das Feiern in der Innenstadt auch nach 20 Uhr gestattet. Am Aschermittwoch ist ohnehin alles vorbei.

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