Lichtenfels
Innenstadtbelebung

Die Nacht, als der Regen nach Lichtenfels kam

Der Kino-Sommer lockte wieder etliche hundert Zuschauer auf den Lichtenfelser Marktplatz.
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Eine typische Kino-Sommer-Impression auf dem Marktplatz. Fotos: Markus Häggberg
Eine typische Kino-Sommer-Impression auf dem Marktplatz. Fotos: Markus Häggberg
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1700 - so Pi mal Daumen. Das ist die Anzahl von Menschen, die es an einem dreitägigen Kino-Wochenende in die Innenstadt zieht. Der "Fränkische Kino-Sommer" kam an diesem Wochenende im sechsten Jahr in Folge in die Korbstadt. Es galt Platz zu nehmen, nicht zu zahlen und zu genießen.

Sandra Klarmann und ihre Schwester Diemut Jakob haben etwas übrig für dieses alljährliche Ereignis. Es ist so ein "Schwesternding" zwischen den beiden und sie kommen vorbereitet: ein Körbchen mit Naschwerk und - falls nötig - regentauglichen Klamotten. Zwar steht auf der Webseite des Veranstalters, dass das Mitbringen von Speisen und Getränken nicht gestattet sei, aber austreiben tut einem das hier kein Kontrolleur, und vielleicht fallen Naschwerke ja auch nicht unter Speisen. "Ich fühle mich eingeladen", erklärt Sandra Klarmann und fügt an: "Wir sind jedes Jahr hier, bei Wind und Wetter und zu allen drei Filmen."

Es goss wie aus Kannen

Am Freitag hatten die Geschwister auf jeden Fall Grund, sich so gegen 21.50 Uhr in regentaugliche Klamotten zu begeben. Es goss wie aus Kannen, Blitze zuckten am Himmel und dann kam, was kommen musste: Menschen verließen den Ort, andere feixten und blieben erst recht, stellten sich in Hauseingängen mit Blick auf die Leinwand unter, bedienten sich umstehender Plastikstühle und handhabten diese wie Regenschirme, indem sie sich diese über den Kopf hielten.

"Es haben auch manche noch bis zum Ende ausgeharrt", erklärte Citymanager Steffen Hofmann zu diesem Freitagsszenario und zeigte sich im Tonfall sogar ein bisschen stolz darauf, dass der Film trotz widriger Umstände auch ordentlich zu Ende gezeigt worden ist. Das Wetter am Samstagabend jedenfalls war stimmig und der Sonntagabend bot mit dem doppelt Oscar prämierten "Three Billboards outside Ebbing, Missouri" das Film-Highlight des von mehreren Sponsoren getragenen Wochenendes.

Steffen Hofmann ist der Citymanager der Korbstadt. Er ist im Regelfall an allen drei Abenden vor Ort, ist in die Organisation eingebunden, ist an der Filmauswahl beteiligt, sieht nach dem Rechten, spricht mit den Leuten, welche den Ausschank betreiben, weiß um die Auflagen rund um Stromanschlüsse etc. An seiner Seite am Freitag auch der Coburger Michael Selzer, dortiger Amtskollege Hofmanns und eingebunden in das Projekt um die große aufblasbare Leinwand und die 400 Sitzplätze, die der Kino-Sommer für drei Tage an oberfränkische Orte bringt.

Weniger blaue Sessel

Doch es fällt auf, dass die Anzahl blauen Plastiksessel gemindert zu sein scheint. Sie waren ein Augenschmaus, nun finden sie durch dunkelblaue Plastikstühle Ergänzung. "So viele blaue Sessel sind schon ausgefallen", erklärt Selzer und gibt zu: "Die blauen Sessel, das ist schon so ein bisschen das Markenzeichen der Veranstaltung." Doch die gibt es jetzt immer weniger, weil die, die kaputt gehen, nicht durch gleiche Modelle ersetzt werden können. Sie werden einfach nicht mehr produziert, das ist der Punkt dabei.

Dennoch sind 400 Sitzplätze immer garantiert und bald nach Einbruch der Dunkelheit auch voll besetzt. Dann passiert das, was in Lichtenfels und anderswo bei diesem Ereignis immer passiert: Die Menschen setzen sich auf den Fußboden oder holen die Stadtmöblierung oder Stühle umliegender Restaurants herbei, begeben sich in Hauseingänge oder gar in den Floriansbrunnen. Das hat so einen Hauch von Anarchie und ist auch witzig. Nicht direkt witzig, aber doch gut, sei auch das, was der Kino-Sommer sonst mit sich bringt: Innenstadtbelebung.

Auf Nachfrage spricht Steffen Hofmann davon, dass diese allabendlichen 600 bis 700 Nachtschwärmer nach Filmschluss auch gerne noch einmal in die Kneipen der Innenstadt gingen. Ob die Schwestern Sandra und Diemut auch darunter sind? Jedenfalls sind sie sich in einem Punkt sicher: Mit der Programmauswahl waren sie noch nie unzufrieden. Und überdies: "Man geht hier auch mal in Filme, für man sich bei einem normalen Kinobesuch vielleicht nicht entschieden hätte."

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