Lichtenfels
Lieblingsplatz

Die Linde gehört zu Isling

Roland Lowig kommt aus Isling. Die Linde hat seine Kindheit geprägt, seine Jugend - und jetzt setzt er sich gelegentlich dazu, wenn Radler unter ihr Brotzeitpause machen.
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Die Tanzlinde in Isling ist zwischen 800 und 1000 Jahre alt. Foto: Markus Häggberg
Die Tanzlinde in Isling ist zwischen 800 und 1000 Jahre alt. Foto: Markus Häggberg
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Wenn ein besonderer Baum Anlaufpunkt für Halbstarke ist, dann darf man wohl von einem dörflichen Idyll sprechen. Als Roland Lowig so ein Teenager war, traf er sich sonntags mit anderen Gleichaltrigen an jenem Baum, um den freien Tag zu planen. Aber eigentlich beginnt die Geschichte zwischen Roland Lowig und diesem Baum noch viel früher: in der Kindheit.
Danach befragt, was der erste Eindruck war, den der Baum bei ihm hinterlassen hat, holt Lowig ein wenig aus. "Wir mussten als Kinder - da war es noch Pflege und Brauch -, wenn die Lindenblüten ausgeschlagen haben, die Blüten zupfen", sagt er. Somit ist klar, von welchem Lieblingsort der ehemalige Bahnbeamte und Islinger Stadtrat spricht: von der Tanzlinde. Sie ist Wahrzeichen des Orts.
Das stellt sie irgendwie in eine Reihe mit dem Kolosseum, Big Ben oder dem Eiffelturm. Die gezupften Lindenblüten fanden Verwendung im Tee.
Gegen Fieber und Erkältungen und überhaupt: schöne Erinnerungen und wertvolle dazu.

Modell der Linde nachgebaut

Auf "zwischen 800 und 1000 Jahre", datiert Lowig das Alter der Linde. Sie lebt noch, sie treibt noch Blüten aus und sie ist sommers wie winters eine Erscheinung. Der Oldie hat es auch in das "Deutsche Buch der Bäume" geschafft, bemerkt Lowig, der sich noch sehr gut daran erinnert, wie vor vier oder fünf Jahren Mitarbeiter der Universität Innsbruck vor Ort waren, um das Alter des Baumes zu bestimmen, seinen Umfang zu vermessen und letztlich sogar ein Modell nachzubauen.
Die eigene Verbundenheit zu dem Baum teilt Roland Lowig mit dem gesamten Ort. Isling und der Baum, das gehört zusammen. Die Islinger Musikanten haben sie ihr Vereinswappen aufgenommen, und wenn eine neue Festschrift erscheint, ist der Baum auch auf ihr abgedruckt zu finden.
Roland Lowig genießt den Anblick, den der Baum ihm bietet. Früher wollten die Menschen in seiner Krone tanzen, was gewisser Vorkehrungen bedarf.
Diese Vorkehrungen bestehen in achteckigen Einfassungen, die im Abstand von knapp zwei Metern Höhe liegen. Sie geben dem Baum Struktur, und überdies haben sie ja eine Geschichte zu erzählen. Die Baumkrone selbst besteht aus drei Auswüchsen, die sich zu einem letzten hohen Wipfel fügen.
Lowig hat sich sogar für den Schutz des Riesen stark gemacht. Ab und an sei es vorgekommen, so erzählt er, dass ihm durch landwirtschaftliche Fahrzeuge "Stammäste weggefahren" worden seien. Darum seien durch sein Zutun auch Granitsockel als Abstandhalter gesetzt worden. Kein Fahrzeug berührt nun die Linde in verletzender Weise.

Brotzeit unterm Lindenbaum

Noch heute ist es so, dass der Baum Anlaufstelle junger Menschen ist. Roland Lowig nennt an erster Stelle "die Radtouristen und die Wanderer, die den Frankenweg machen".
Diese Wanderer "machen dort Brotzeit unterm Baum und genießen den Anblick des Marktplatzes", so der geschichtsinteressierte Stadtrat, der auch persönliche Aufzeichnungen zur Ortsgeschichte führt.
Befindet sich Lowig vor Ort und erblickt verschnaufende Wanderer und Radfahrer, kann es sein, dass ihn ein Impuls überkommt: "Dann setzte ich mich dazu und erzähle von Isling."
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