Lichtenfels
Tag der offenen Tür

Die Lichtenfelser Werkstatt der besonderen Menschen

Beim Blick hinter die Kulissen von St. Joseph konnte man die Vielfältigkeit der Aufgaben sehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hier werden Kinderwagenräder im Team zusammengesetzt. Fotos: Karin Strässner
Hier werden Kinderwagenräder im Team zusammengesetzt. Fotos: Karin Strässner
+4 Bilder

Die beiden Werkstätten St. Joseph in Lichtenfels hatten am Samstagnachmittag zum Tag der offenen Tür eingeladen. Beim Blick hinter die Kulissen der Werkstatt konnte man engagierte Mitarbeiter bei ihrer Tätigkeit beobachten.

Da werden beispielsweise Räder für Kinderwagen montiert. Oder Gefache, so nennt man die Abtrennungen in Kartons für Getränkedosen oder Visitenkarten, gefaltet. Pfeffermühlen werden zusammengesetzt. Für die heimische Solarindustrie werden Schienen für die Solarmodule mit Polstern versehen.

Stärken und Schwächen

Nach vollendeter Schullaufbahn werden Menschen, die dem normalen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen, ausgebildet. Das sind geistig, körperlich oder chronisch psychisch Erkrankte. Rund drei Monate wird getestet, wo die Stärken der behinderten Menschen liegen. Bei der Aufnahme und Integration wird jeder Einzelfall geprüft und anhand seiner Fähigkeiten gefördert und gefordert. So stehen Metallbearbeitung, Verpackung, Industriemontage sowie Korbflechterei, Wäscherei, Näherei und Hauswirtschaft zur Auswahl.

Was viele nicht wissen: Auch Garten- und Anlagengestaltung, etwa Heckenschneiden und Rasenmähen, wird unter Leitung eines Landschaftsgärtners angeboten. Bei einer Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt unterstützen die Werkstätten St. Joseph die Mitarbeitenden. So setzt sich der Arbeitslohn eines Beschäftigten aus dem Grundlohn und einem Steigerungsbetrag zusammen. Letzterer wird durch differenzierte Arbeiten berechnet. Die Gruppenleiter kommen meist aus der Industrie oder haben eine Handwerkerlehre hinter sich.

Für 200 behinderte Menschen

Um Menschen mit Handicap führen zu können, absolvieren sie noch eine sonderpädagogische Zusatzausbildung. In den einzelnen Gruppen arbeiten zwölf bis 14 Beschäftige unter einem Gruppenleiter.Bei besonders hohem Unterstützungsbedarf fördert ein Betreuer nur bis zu sechs Angestellte. Etwa 200 behinderte Menschen arbeiten in den beiden Werkstätten in Lichtenfels. Von 18 bis 65 Jahren sind alle Altersklassen vertreten.

Die Werkstätten ermöglichen Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf die Teilhabe am Arbeitsleben. Die Maschinen, an denen die Menschen mit Behinderung arbeiten, sind mit besonderen Schutzvorrichtungen ausgestattet. Und die Beschäftigen sind mit Freude und Eifer bei der Arbeit. Das fördert ihr Selbstwertgefühl und die Persönlichkeitsentwicklung.

Yvonne Wilde, Leiterin Vertrieb, stellt fest: "Bei uns steht der Mensch im Vordergrund!" Und das merkt man auch. Der respektvolle Umgang miteinander ist überall spürbar. "Die Menschen hier sind sehr ehrlich", meint Uwe Wohner, Mitarbeiter der Gartengestaltung. "Die tragen ihr Herz auf der Zunge, man darf keine Berührungsängste haben", sagt Dunja Kosok, Auftragskoordinatorin.

Neben Einblicken in die vielfältige Arbeitswelt der Beschäftigten wurde ein unterhaltsames Rahmenprogramm geboten.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren