Lichtenfels
Ausstellung

Die Kreativität schläft nie

Der Bildhauer Ulf Eggert stellt seine bunt gemischten Skulpturen aus acht Jahren Arbeit dauerhaft in Lichtenfels aus.
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In diesen Käse sollte man besser nicht beißen - Bildhauer Ulf Eggert hat auch humorvolle Stücke in seiner Dauerausstellung. Jutta Rudel
In diesen Käse sollte man besser nicht beißen - Bildhauer Ulf Eggert hat auch humorvolle Stücke in seiner Dauerausstellung. Jutta Rudel
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Steinskulpturen hat Ulf Eggert schon vielerorts ausgestellt, unter anderem in Berlin, Florenz und Innsbruck. Seit drei Jahren stehen sie nun dauerhaft und vollständig in Lichtenfels-Seubelsdorf. "Die Logistik, eine Ausstellung zu bestücken, ist aufwendig. Deshalb habe ich den Schwerpunkt hierher gesetzt."

Die Werke erstrecken sich über einen Freibereich, einen überdachten Zwischenbereich und vier Räumen. Angrenzend dazu die Werkstadt und das Lager. Neben seinen Arbeiten hängen auch Bilder von den Landschaftsmalern Christine Hirschberg und Wieland Prechtl aus.
"Acht Jahre Arbeit stecken hier bei mir in dieser Ausstellung", sagt Eggert. Daher wundert es nicht, dass die Skulpturen "bunt gemischt" sind. "Wenn ich nur eine Richtung hätte, würde ich mich langweilen", erklärt er.

Von körperlichen, reliefartigen über abstrakt fantastische bis hin zu humorvollen Werken ist alles dabei. So beschäftigen sich manche Statuen mit der Mythologie und lassen viel Platz zur eigenen Interpretation - andere wiederum bringen einen zum Schmunzeln, wie der geschmolzene Käse "Überreif". Das ist dem Bildhauer wichtig. "Ein bisschen witzig muss es schon auch sein, sonst wird man ja schwermütig, wenn man sich nur mit tiefgründigen Themen beschäftigt."


Frei aus dem Kopf heraus

Egal wie unterschiedlich die Arbeiten sind, für jede gilt dasselbe: "Mein Anliegen ist es immer, dem Stein eine Anmutung zu geben, dass er nicht mehr wie ein Stein aussieht." Zudem versucht er, die Form des Steines im Werk aufzugreifen und möglichst wenig davon wegzumeißeln.
Modelle fertigt er nur bei Auftragsarbeiten, wie dem Gedenkstein in Roth oder der Schafsskulptur für die Schäferei Wunderlich, an. Ansonsten beginnt er direkt am Stein zu arbeiten. Wenn etwas nicht klappt, "wird eben umgedacht".

Zum Beispiel wollte er einen Dinosaurier in einem Stück machen, doch dann musste er ihn in Einzelteile zerlegen. Diese hat der Bildhauer dann an der Wand befestigt. "Das war auch kein Problem, ich habe ihn dann quasi aus der Wand kommen lassen", sagt er lachend.
Es passiere aber ganz selten, dass etwas schief gehe. "Es fordert mich, alles aus dem Kopf in den Stein zuübertragen. Manchmal denke ich nachts daran, was ich morgen mache. Aber ich nenne das eine positive Quälerei." Trotzdem ist die Arbeit auch mühsam, staubig und schmutzig - und das Material hart.

An den meisten Werken arbeitet der Lichtenfelser monatelang. Etwa 200 Kilo bringt eine Figur auf die Waage. Das schwere Material besorgt er selbst, so beispielsweise Kalkstein, Sandstein, Granit und als zentrales Element den Marmor - vorzugsweise italienischen. "Der Marmor kommt hier im Tageslicht besonders gut zur Geltung", schwärmt er. Die meisten seiner Werke sind nicht bemalt, wenige sind mit LED-Lichtern für besondere Effekte versehen. Kontraste erzielt er vorzugsweise damit, verschiedene Techniken anzuwenden. "Wenn ich den Stein schleife und poliere, sieht er wieder ganz anders aus", sagt er am Beispiel der Statue "Kleiner Pegasus".


Verkaufen ist nebensächlich

Mit einem Sockel kosten die Arbeiten etwa 100 bis 14 000 Euro. "Leben kann man davon nicht", sagt der 62-Jährige. Darauf kommt es ihm aber auch nicht an. "Ich habe mir ein bisschen Geld erarbeitet", erklärt er. Mit 45 hat er sich dazu entschlossen, seinen Job als Diplomkaufmann aufzugeben und sich der Bildhauerei gewidmet. "Es war eine super Entscheidung", sagt Eggert.

"Es ist wunderbar, wenn ich früh hier rein komme, freue ich mich, wenn ich meine Arbeiten sehe und wenn ich gehe, freue ich mich immer noch. Wer kann das schon von seiner Arbeit behaupten?" Würde also jemand kommen und seine gesamten Skulpturen auf einen Schlag aufkaufen, so wäre das für ihn kein Grund zur Freude. Außerdem, klagt er, könne er mit seinen 62 Jahren nicht mehr dieselbe Menge an Statuen herstellen. "Aber natürlich bin ich froh, wenn jemand ein Werk von mir kaufen möchte", fügt er hinzu. Mit seiner Dauerausstellung stehe er nun vor der Aufgabe, nicht die Skulpturen zu den Menschen, sondern die Menschen zu den Skulpturen zu bringen. Das ist, so der Bildhauer, gar nicht so einfach: "Leute, die sich ernsthaft für sowas interessieren, sind hier leider Mangelware."

Auf seiner Homepage bietet Eggert einen Einblick in die Ausstellung, um das Interesse der Bevölkerung zu wecken. Dort sind auch Gedichte zu den Werken von Cornelia Stößel zu lesen.
Doch der Bildhauer ist überzeugt, dass ein virtueller Rundgang auf keinen Fall einen realen Besuch ersetzen kann. Skulpturen würden von der Dreidimensionalität leben: "Eine Skulptur auf dem Foto ist uninteressant, man muss darum herumlaufen können, damit sie auf einen wirkt."


Zur Ausstellung


Öffnungszeiten Montag bis Freitag am Vormittag
Terminvereinbarung erwünscht unter 0171/6253758 oder kontakt@ulf-eggert.de
Kosten gratis
Angebot unverbindliche und ungestörte Besichtigung, bei Wunsch ausführliche Erklärungen zu den einzelnen Arbeiten
Ausstellungsort Wiesenstraße 4, Lichtenfels
Parkplätze vorhanden


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