Kloster Banz
Klima

Die Hitze setzt den Bäumen zu

In Nordbayern leidet vor allem die Fichte. Steigenden Temperaturen und fehlender Regen lassen die Bäume absterben. Der Banzer Wald ist in einem alarmierend schlechten Zustand.
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So sieht die Krone einer vom Klima geschädigten, bereits absterbenden Fichte aus.Sebastian Huth
So sieht die Krone einer vom Klima geschädigten, bereits absterbenden Fichte aus.Sebastian Huth

Die Bäume im Banzer Wald leiden unter der anhaltenden Trockenheit. Heuer hat es zwar ein bisschen mehr geregnet als im Vorjahreszeitraum, "aber es ist wieder deutlich zu trocken", sagt Förster Sebastian Huth. Besonders betroffen von der Trockenheit sei in seinem Revier die Fichte - eine Baumart, die hier 40,7 Prozent des Gesamtbestandes ausmache. Für die Fichte sei eine niederschlagslose Periode problematisch, weil sie auch in normalen Jahren hierzulande an ihrem Minimum ist: "Letztes Jahr litt sie unter dem unglaublich wenigen Niederschlag und den hohen Temperaturen", sagt der 40-Jährige, der das Forstgut Banz seit 2008 leitet.

Vom Klima begünstigt versuche der Borkenkäfer, sich in die Fichte einzubohren, sagt Huth. "Normalerweise hat die Fichte einen Abwehrmechanismus: Der Harzfluss drückt in die Bohrlöcher rein und verklebt den Käfer." Doch wenn die Fichte durch Trockenheit geschädigt ist, sei der Harzfluss nicht mehr so stark. Einige hundert Käfer genügten, um einen Baum zum Absterben zu bringen, fährt er fort, denn diese Tiere sorgten für eine Brut von rund 20 000 Käfern pro Baum. Das sei für einen Baum tödlich. "Nur schnelles Entfernen der Bäume hilft", erklärt Sebastian Huth - und am besten entfernt man auch gleich die Nachbarbäume noch mit.

Im Wald liegen lassen kann der Förster die Bäume jedoch nicht. Erkennt er an dem Bohrmehl, das im Wurzelbereich zu finden ist, dass ein Baum von dem Schädling befallen ist, muss er handeln. Die befallenen Bäume müssen entnommen werden. Entweder entrindet man die Stämme oder man bringt sie mindestens 500 Meter aus dem Wald hinaus, denn so weit fliegt der Käfer nicht. Die Baumkronen müssen ebenfalls an den Waldweg herausgerückt werden. "Wir verarbeiten sie zu Hackschnitzeln", sagt Huth.

Zu viel Holz drückt den Preis

Durch den massenhaften Anfall von Schadholz seien die Preise inzwischen stark gesunken - "so sehr, dass nicht einmal mehr die Aufarbeitung finanziell gedeckt wird", ergänzt er. "Derzeit ist so viel Schadholz auf dem Markt, dass der Abtransport aus dem Wald stockt." Konkret: Waldbauern und Förster finden nicht genügend Unternehmer, die das Holz wegbringen. "Es geht rasend schnell", beschreibt Huth die Folgen des Klimawandels, "man kommt nicht hinterher - wir haben zwar in Banz eigenes Personal, aber selbst wir sind schon überfordert."

"Nadelholz wird weiter gebraucht", urteilt er, "aber ich sehe keine Zukunft für die Fichte. Teilweise versuchen wir, ihren Wegfall durch die Douglasie auszugleichen, die ist etwas trockenheitsresistenter."

Doch auch Laubhölzer leiden. Es gebe Probleme mit dem Ahorn (Rußrindenkrankheit), der Eiche (Prozessions- und Schwammspinner) und der Esche (Eschentriebsterben, eine Pilzkrankheit). "Momentan sind wir Förster alle unsicher, was wir pflanzen sollen", sagt er. Bei der Buche, rechnet er vor, dauert es vom Pflanzen bis zum Ernten 100 bis 120 Jahre, bei der Fichte immerhin 70 bis 100 Jahre. "Wir arbeiten immer für die nächste Generation."

Was also tun? "Aus meiner Sicht müsste der Staat privaten Waldbesitzern helfen", etwa mit einer Aufarbeitungsprämie, um zunächst einmal jene Flächen räumen zu können, auf denen abgestorbene oder bereits von Schädlingen befallene Bäume stehen, sagt Sebastian Huth. Wer defizitär arbeiten müsse, könne die Flächen nicht räumen. Eine CO 2-Abgabe wäre seiner Meinung nach ebenfalls eine Möglichkeit, die Waldbesitzer zu unterstützen, "denn wir müssen den Wald umbauen, wir müssen ihn fit machen für die Zukunft". Es gelte, solche Baumarten in die Fläche zu bringen, die klimatoleranter sind. "Wir werden im Banzer Wald mehr Edelkastanien und Kirschbäume pflanzen", sagt er. Es gebe zudem Versuche mit nicht heimischen Gehölzen, zum Beispiel mit der Libanon-Zeder. Doch diese Arten seien nur in einem Mischwald vorstellbar.

Daten zum Forstgut Banz und Wetter-Messwerte

Größe: Das Forstrevier Banz ist insgesamt 866 Hektar groß.

Eigentümerin: Ihre Königliche Hoheit Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein

Höchste Lärche: 42 Meter

Länge des Waldwegenetzes: 42 Kilometer

Baumartenverteilung: 40,7 Prozent Fichte, 10,1 Prozent Lärche, 4,1 Prozent Douglasie = 54,9 Prozent Nadelhölzer. Hinzu kommen 20 Prozent Buche, 15,8 Prozent Eiche, 4,9 Prozent Edellaubhölzer wie Ahorn und Esche, 4,4 Prozent sonstige Laubbäume = 45,1 Prozent Laubholz

Wetter-Messwerte: An der Wetterstation in Unnersdorf liegt die langjährige Jahresdurchnittstemperatur bei 8,3 Grad Celsius; in den vergangenen zehn Jahren (2008 bis 2018) waren es jedoch 9,7 Grad Celsius. Die Jahresniederschlagsmenge 2008 bis 2018 lag bei 653 Millimetern (1 mm = ein Liter pro Quadratmeter); 2018 waren es jedoch nur 360 Millimeter. Eine Niederschlagsmenge von 400 Millimetern wird von Forstexperten als problematisch für die heimischen Baumarten beurteilt - sowohl für Laub- als auch für Nadelhölzer. Die bisherigen Niederschlagswerte für 2019 sind ein wenig besser als jene für den gleichen Zeitraum 2018.

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