Lichtenfels
Filmvorführung

Lichtenfelser Kinosommer: Die Hartmanns laufen im Regen

Der Lichtenfelser Kinosommer startete wenig verheißungsvoll und traf dennoch auf Pragmatismus.
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Elke Schramm ist sich noch etwas unsicher über den Verlauf des Abends. Sie wird bleiben, genießen und wiederkommen. Fotos: Markus Häggberg
Elke Schramm ist sich noch etwas unsicher über den Verlauf des Abends. Sie wird bleiben, genießen und wiederkommen. Fotos: Markus Häggberg
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Dunkle Wolken und Regen über dem Marktplatz. Wirt Benjamin Apel schaut argwöhnisch gen Himmel und Steffen Hofmann vom Amt für Wirtschaft, Tourismus und Kultur trägt Kapuze. Der Open-Air-Kinosommer, getragen vom Stadtmarketing und Sponsoren, drohte am Eröffnungstag Freitag ins Wasser zu fallen. Drohte er?
Henrik Derra ist Filmvorführer. Szenarien wie dieses am Freitagabend sind ihm schon aus anderen Städten bekannt. Es regnete, und das Regenwasser sammelte sich in den wohl rund 200 bläulich durchschimmernden Plastiksesseln. Aber dass sie aufgebaut wurden, zeugte schon von hoher Bereitschaft für ein Stattfindenlassen. Um 19.33 Uhr dann sein Statement gegenüber unserer Zeitung: "Wenn es nicht schlimmer wird, werden wir spielen."
Um diese Uhrzeit hatten sich gerade mal drei oder vier Besucher vor der aufblasbaren Leinwand mit rund 60 Quadratmetern Fläche eingefunden. Die aufgebaute Technik selbst, so der Filmvorführer, sei ohnehin nicht regenanfällig. "Ich habe schon an anderen Orten mit schlechterem Wetter vor zwei Leuten gespielt", so Derra gegen 19.38 Uhr, ein Werbebanner in eine Vorrichtung steckend. Ab jetzt sollten mehr und mehr Lichtenfelser auf den Marktplatz kommen. Wetter hin, Regen her.
Rückblende, Minuten vorher: Elke Schramm kommt aus Kösten. Wie sie vom Kinosommer gelesen hat, habe sie gedacht: "Ach, da gehe ich rein." Nun, gegen 19.33 Uhr, sitzt sie als erste und einzige Zuschauerin in ihrem blauen Sessel, schaut zum Himmel und meint: "Es sieht nicht rosig aus." Doch selbst wenn es heute regnen sollte, so die Köstenerin, würde sie das für die kommenden zwei Tage und Filme nicht ins Bockshorn jagen. "Ich werde wahrscheinlich wiederkommen." Doch sie erlebt, wie sich der Marktplatz füllt. Zu denen, die herbeiströmen, gehört auch Ronja Scholl aus Pfaffendorf. Sie ist mit ihrer Freundinnen-Clique hier. Vier Regenschirme für fünf Mädchen. Das Quintett wird das Wasser aus den Einbuchtungen der Sessel kippen, seine Regenschirme aufspannen und den Filmbeginn abwarten. Ganz unaufgeregt. Unaufgeregt sind auch Sabine und Sina Ahles. Ihre Stühle haben sie sich selbst mitgebracht, sagt Mutter Sabine, die wie ihre Tochter gut eingehüllt Platz genommen hat. Es sind Stühle, die leicht ein- und ausklappbar sind. "Wir sind Camper", verrät die Frau strahlend. So wie das Mutter-Tochter-Gespann werden sich an diesem Abend noch weitere Besucher zu helfen wissen.


Flucht in den Hauseingang

Nicht wenige werden sich Hauseingangsfluchten mit Blick auf die Leinwand suchen und sich dort auf den Treppen niederlassen, gut versorgt mit Decken, Getränken, Gebäck und Snacks. Pragmatismus in Lichtenfels.
Anika Urban-Teriaca ist "Versorgerin". Sie steht neben ihrem Freund im Pizza-Wagen und steht wie der einen Ausschank betreibende Wirt Apel, die Wurstbude oder der Bäckerfachverein bereit, Kinogäste zu versorgen. Sie erzählt von den Pizzen, die vorab vorbereitet und belegt werden mussten. "Die wären zu schade zum Wegschmeißen, die hätten dann Freunde bekommen, wenn keiner gekommen wäre", erklärt sie. Aber dann, auch so gegen 19.33 Uhr schöpfte sie Mut. "Als die ersten beiden Besucher saßen, hatte ich Hoffnung." Was dann ab 21 Uhr folgen sollte, war der Film "Willkommen bei den Hartmanns", gesehen im Wechselspiel zwischen zugeklappten und aufgespannten Regenschirmen. Vorzeitig gegangen ist aber niemand.
Samstag. Erneut Kinosommer, erneut Pragmatismus auf dem Marktplatz. Doch diesmal in die andere Richtung gehend, denn es blieb trocken. Trocken genug, dass mehr Leute kamen als Sessel da waren. Also schnappten sich die Besucher Stadtmobiliar wie Sitzbänke und Sitzbankreihen und stellten sie so, dass sie Sicht auf die Leinwand hatten. Der Kinosommer scheint Institution geworden.
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