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Erziehung

Die Füchse des Waldkindergartens in Ebensfeld sind immer im Wald zu finden

Seit 2016 gibt es im Ebensfelder Kindergarten St. Michael eine Waldgruppe. Die Füchse leben in ihrem Fuchsbau und erkunden die Welt im Wald.
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Gut eingepackt, kann bei jedem Wetter draußen gespielt werden.Foto: Stefanie Gleixner
Gut eingepackt, kann bei jedem Wetter draußen gespielt werden.Foto: Stefanie Gleixner
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Es wird gesägt, gehämmert, geschnitzt und Nägel werden gezogen. Nein, wir sind nicht auf einer Baustelle, sondern im Waldkindergarten bei den Füchsen des Kindergartens St. Michael in Ebensfeld.

Das Arbeiten mit den Werkzeugen wie Säge, Hammer und Zange ist hier ganz normal bei den Kindern. Wichtig ist aber: Sie wissen, wie sie damit umzugehen haben. "Für jedes Werkzeug, das die Kinder benutzen möchten, müssen sie vorher einen Führerschein machen. "Wir schauen darauf, ob sie das Werkzeug richtig tragen, gut aufräumen und auch damit umgehen können. Ob sie stark genug sind, damit beispielsweise einen Ast zu sägen", erklärt Josefine Hornung, die Gruppenleiterin des Waldkindergartens.

Wer nicht gerade einen Ast sägen will, kann sich beim Freispiel nach Herzenslust im Wald bewegen. "Wir haben ein paar Grundregeln, an die sich die Kinder halten müssen. Sie dürfen sich nicht außerhalb der rot markierten Bäume aufhalten", sagt Josefine Hornung.

Aber auch innerhalb dieser Fläche gibt es genug Möglichkeiten. Das Zentrum des Waldkindergartens bildet der "Fuchsbau", wie der Wohnwagen der Gruppe heißt. Hier gibt es die Möglichkeit, sich drinnen aufzuhalten oder sich aufzuwärmen, denn im Wagen befindet sich ein Ofen, der jeden Tag angefeuert wird, damit die Gruppe warmes Wasser hat. Vor dem "Fuchsbau" gibt es eine überdachte Sitzgruppe, an der gemeinsam gegessen oder gespielt wird. Ein Tipi bietet den Kindern genug Platz für Kreativität beim Spielen.

Seit September 2016 stehen Wohnwagen und Tipi dort, und seitdem gibt es auch die Gruppe. "Es ist aber noch einiges dazugekommen, wo sich die Kinder selbst beteiligen konnten. Zum Beispiel haben wir jetzt auch eine Werkbank und eine Leseecke", sagt Josefine Hornung.

21 Kinder sind derzeit im Waldkindergarten. "Recht viel mehr können wir nicht aufnehmen. 22 ist die absolute Höchstgrenze", sagt Hornung. Und die Nachfrage war von Anfang an sehr groß. "Die Eltern entscheiden sich bewusst für den Waldkindergarten, denn sie wollen, dass ihre Kinder in der Natur sind und sich draußen aufhalten."

Und die Überzeugung der Eltern zeigt sich auch im Alltag. Viele bringen ihre Ideen mit ein. "Die Vorschulkinder haben ein Spiel gebastelt, das Eltern bei einem Mittelalterfest entdeckt hatten, und ein Opa hat mit uns schon Steckenpferde gebaut. Das ist wirklich sehr schön, wie die Zusammenarbeit funktioniert", sagt Hornung.

Die Eltern waren auch bei der Wahl des Waldstückes beteiligt. Es gab am Anfang die Wahl zwischen zwei Waldstücken; die Eltern hätten sich beide Grundstücke angeschaut und sich dann für das entschieden, das mehr ihrer Vorstellung des Waldes entsprochen hat - auch wenn der Fahrtweg dorthin weiter sei, sagt Renate Nüsslein, pädagogische Ergänzungskraft und Naturpädagogin.

Außerdem gibt es ein paar organisatorische Dinge für die Eltern zu beachten: "Die Kinder brauchen gleich zu Beginn eine gute Ausstattung an Kleidung für alle Witterungsbedingungen. Von Regen-, über Schneeklamotten bis Ausrüstung für den Sommer. Und das in doppelter Ausführung zum Wechseln", erklärt Renate Nüsslein. Denn es komme durchaus vor, dass die Kinder dreckig oder nass werden im Wald, aber das störe hier niemanden. "Für mich war es persönlich keine große Umstellung. Ich war schon immer gerne in der Natur, deswegen passt das hier sehr gut zu mir", sagt Josefine Hornung.

Die Kinder sind ebenso gerne draußen. Sie kochen sich ein Birnenkompott und Pfannkuchen aus Erde, gemischt mit Wasser, was sie allerdings nur im Spiel essen. Und sie bereiten Eispralinen vor. Da sind sie allerdings vom Wetter abhängig. Wenn es nachts gefriert, dann klappt das.

"Das Schöne im Wald ist, dass die Kinder lernen sich selbst zu beschäftigen und sehr kreativ eigene Spiele entwickeln. Sie entdecken auch gerne neue Sachen und erforschen Tiere mit der Taschenlupe", sagt Renate Nüsslein.

Je nach Jahreszeit gestalten sich die Spiele unterschiedlich. Im Winter werde selbstverständlich Schlitten gefahren, wenn genügend Schnee liegt. Bei Wind und Wetter draußen zu sein stärke auch die Abwehrkräfte der Kinder.

"Am Anfang merkt man das noch nicht so sehr. Aber mit der Zeit kann man das schon erkennen, dass sich das immer besser entwickelt und sie weniger anfällig sind", sagt Renate Nüsslein.

"Im Wald können die Kinder viel erleben, weil sie es selber tun. Das ist das Wichtigste, was sie hier lernen können", sagt Josefine Hornung.

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