Lichtenfels
Unterschriftenaktion

Die Coburger Straße meldet sich zu Wort

Schöner soll sie werden, die Coburger Straße in Lichtenfels, eine gute Verbindung zum Stadtkern. Vorher aber kommt die Bauphase, wohl über viele Monate lang, und die macht den Geschäftsleuten hier Angst.
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In der Coburger Straße haben Jennifer Hartmann (Reisebüro), Helmut Standke ("Die Modelleisenbahn") und Erika Thielert-Keil (Naturkostladen; von rechts) ihre Geschäfte. Und sie möchten auch während der Bauphase dort für ihre Kunden gut erreichbar sein. Dafür haben sie unter diesen Unterschriften gesammelt, die sie morgen ins Rathaus bringen werden. Foto: Ramona Popp
In der Coburger Straße haben Jennifer Hartmann (Reisebüro), Helmut Standke ("Die Modelleisenbahn") und Erika Thielert-Keil (Naturkostladen; von rechts) ihre Geschäfte. Und sie möchten auch während der Bauphase dort für ihre Kunden gut erreichbar sein. Dafür haben sie unter diesen Unterschriften gesammelt, die sie morgen ins Rathaus bringen werden. Foto: Ramona Popp
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Das Schreckgespenst einer neunmonatigen Vollsperrung machte die Runde. Was das für ihre Geschäfte bedeuten würde, davon hatten Erika Thielert-Keil, Jennifer Hartmann, Helmut Standke und ihre Nachbarn eine sehr konkrete Vorstellung, hatten sie doch erst im Frühsommer eine mehrmonatige Baustelle wegen Arbeiten an Wasser- und Gasleitungen vor ihren Eingangstüren. Mit nicht optimaler Abstimmung, entnervten Kunden und mit gravierenden Einbußen, wie sie schildern. Eine nochmalige und noch längere Sperrung sehen sie als Existenzbedrohung. Eine präzise Auskunft, die dieses Szenario hätte abmildern können, vermochte Stadtbaumeister Jürgen Graßinger in der Oktober-Sitzung des Stadtrates nicht zu geben.

Mit der Bitte um eine konkrete Schilderung des Ablaufs der Umgestaltung wandte sich die FT-Redaktion vor einer Woche an das zuständige Büro für Landschaftsarchitektur in Bonn. Muss es wirklich über einen so langen Zeitraum Beeinträchtigungen in der Coburger Straße geben - und wie lange genau? - "Sie können davon ausgehen, dass die Baumaßnahme so durchgeführt wird, dass ein akzeptabler Kompromiss zwischen Baukosten, Bauzeit und Anliegerinteressen gewahrt wird", ließ Geschäftsführer Gunter Ulrichs-Fischer wissen. Eine Antwort auf unsere Frage, wer die Arbeiten koordiniert, blieb er schuldig. Und was hat man unter einem "akzeptablen Kompromiss" zu verstehen?

Diese Formulierung kann den Betroffenen ihre Sorgen nicht nehmen. Schließlich gab eine Kundin im Naturkostladen den Anstoß, die Interessen zu formulieren und mit Nachdruck zu vertreten: "Macht doch eine Unterschriftenaktion!" In gerade einmal drei Wochen haben nun schon rund 400 unterzeichnet. "Die Kunden stehen hinter uns", das ist die positive Erkenntnis, die Jennifer Hartmann, Inhaberin des Reisebüros, daraus zieht. Das Gefühl von Verständnis ist den Geschäftsleuten der Coburger Straße seitens der Stadt bislang nicht vermittelt worden. Im Gegenteil. Wenn ein Betrieb keine Reserven für neun Monate habe, stimme doch schon davor etwas nicht - diese Äußerung des Stadtbaumeisters gegenüber einer besorgten Anruferin im Rathaus sorgte für Empörung.

Enttäuschung und Sorge auch bei Alexander Flohr, der eine Privatpraxis für Physiotherapie im Haus Nummer 31 betreibt. Sein Brief vom Mai an das Stadtbauamt blieb unbeantwortet. Er hatte bei der Vorstellung der Umgestaltungspläne im Stadtschloss just vor seiner Praxis eine Bushaltestelle ausgemacht und seine Einwände vorgebracht. Seine Patienten, da runter Gehbehinderte und frisch Operierte, können ohne Parkmöglichkeit vor der Tür nicht zu ihm kommen. Die Bushaltestelle war angeblich ein Missverständnis, wie ihm auf persönliches Nachhaken über Andreas Hügerich ("Der hat sich gleich gekümmert.") mitgeteilt wurde. Aber eine schriftliche Antwort auf sein Schreiben hat er bis heute nicht erhalten. Seine Schlussfolgerung daraus: Es herrsche bei den Verantwortlichen wohl eine Gleichgültigkeit demgegenüber, ob Geschäfte schließen müssen. Sie gehen nicht auf die Betroffenen zu, sondern zeigen ihnen die kalte Schulter.

Wunsch: Gespräch auf Augenhöhe

Dass diese Einschätzung nicht so stehen bleibt, ist ein Anliegen der Geschäftsleute, von denen manche schon seit Jahrzehnten in der Coburger Straße ihre Existenz haben. Am morgigen Mittwoch haben sie einen Termin bei der Bürgermeisterin vereinbart - zur Übergabe der Listen und zu einem Gespräch. Sie betonen, dass sie nichts gegen die Umgestaltung haben. Es wird sogar positiv vermerkt, dass in ihre Straße investiert und sie optisch besser eingebunden wird. Auch wenn da Zweifel bestehen, was den Effekt einer schöneren fußläufigen Anbindung Innenstadt-Fachmarktzentrum angeht. Ihre Wünsche haben sie klar formuliert: Sie möchten, dass die Bauarbeiten so schnell wie möglich über die Bühne gebracht werden.

Dass in dieser Zeit eine Anfahr- und Kurzparkmöglichkeit, zumindest auf einer Straßenseite, gewährleistet bleibt. Dass kein oder kaum Parkraum der Umgestaltung geopfert wird. Und vor allem: "Dass man mit uns auf Augenhöhe spricht, uns rechtzeitig informiert und unsere Probleme ernst nimmt", wie es Erika Thielert-Keil zusammenfasst. Während ihre Nachbarn von den Plänen aus der Zeitung erfahren hatten, waren für die Inhaberin des Naturkostladens, die selbst im Landkreis Coburg wohnt, bislang oft ihre Kunden erste Informationsquelle.

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