LKR Lichtenfels
Naturschutz

Die Bienen sollen gerettet werden - was tut man im Landkreis?

Seit dem Bürgerbegehren "Rettet die Bienen" ist einige Zeit vergangen. Was hat sich seitdem im Landkreis getan? Wie setzen Landwirte und Privatleute die Forderung der Naturschützer in die Tat um?
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Blühflächen sind nicht nur gut für die Bienen, auch das menschliche Auge kann sie genießen. Foto: Matthias Einwag
Blühflächen sind nicht nur gut für die Bienen, auch das menschliche Auge kann sie genießen. Foto: Matthias Einwag

Was hat das Volksbegehren zur Rettung der Bienen gebracht, das im Frühjahr stattfand? Augenscheinlich sind viele Blühflächen am Obermain entstanden, die vor allem an den Randstreifen von Feldern oder normalerweise brachliegenden Grundstücken angesät wurden.

Einer, der um sein Maisfeld am Staffelsteiner Frankenring eine solche Blühfläche angelegt hat, ist der Horsdorfer Landwirt Hans-Karl Hertel. Seine Bilanz: "Ich habe zu viel Phacelia ausgesät." Im nächsten Jahr möchte er deshalb die Pflanzmischung ändern, indem er weniger Phacelia beimengt und die Erbse weglässt. Lupinen, Weißklee und nektartragende Sonnenblumen will er beibehalten. Gerade diese spezielle Sonnenblumenart sei für die Nahrungssuche der Insekten gut geeignet, denn diese Art sei anders als jene Sonnenblumen, die zur Ölgewinnung angebaut werden. "Ich habe das auf eigene Kosten gemacht", sagt er. Immerhin kostet ein Kilogramm des Sonnenblumensamens rund elf Euro im Fachhandel. Unterm Strich bereut es Hans-Karl Hertel nicht, die Blühflächen angelegt zu haben. Links und rechts des Frankenrings säte er auf rund einem Hektar die Blühmischung aus. "Wenn jeder eine kleine Fläche bepflanzen würde, hätten alle etwas davon", sagt er.

Alle Bürger sollten sich beteiligen

Ein Staffelsteiner Landwirt, der namentlich nicht genannt werden möchte, sieht das Volksbegehren kritisch. Aber nicht wegen der Naturschutzforderungen, sondern wegen der Art und Weise wie es stattgefunden hat: "Die Leute, die unterschrieben haben, kennen gar nicht den Status quo." Die Forderungen nach mehr Naturschutz gebe es nicht erst seit dem Volksbegehren, sie seien vorher schon vorhanden gewesen. Es habe zudem auch zuvor schon staatliche Förderungen zur Umstellung auf Ökolandwirtschaft gegeben, etwa das bayerische Kulturlandschaftsprogramm. Der Staffelsteiner Landwirt sieht durch das Volksbegehren eine Pflicht allein auf die Bauern abgewälzt, die damit alleingelassen würden. Auf einer Blühfläche, die er im Frühjahr anlegte, konnten Bürger Anteile kaufen, um sie mitzufinanzieren. Er wollte einen Akzent zur Eigeninitiative setzen. "Fordert nicht nur", sagt er, "sondern tut auch was!" Denn entscheidend sei der Verbraucher. "Wenn der Markt da ist, steigen viele Leute um." In der Verantwortung dafür sei aber weniger die Politik als vielmehr der Bürger selbst. Der Kunde müsse die Nachfrage herstellen.

Bauern fühlen sich unter Zwang

Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Michael Bienlein, sagt: "Naturschutz machten unsere Landwirte seit vielen Jahren schon freiwillig." Das Volksbegehren sei dafür nicht ausschlaggebend gewesen. Viele Bauern seien sogar verärgert darüber, weil sie nun das, was sie ohnehin schon seit vielen Jahren freiwillige leisteten, nun als Pflicht auferlegt bekamen. So seien Obstbäume mit einem Stammumfang von 50 Zentimentern nun unter Naturschutz gestellt worden, sagt Bienlein und fügt hinzu: "Ich jedenfalls werde jetzt keine neuen Bäume mehr pflanzen, weil ich aufgrund des neuen Gesetzes nicht mehr Herr meines Eigentum bleibe."

Der Lichtenfelser Gartenexperte und frühere Kreisfachberater Josef Schröder stellt fest, dass das Volksbegehren in privaten Gärten nichts geändert hat. Während ältere Menschen ihre Gärten schätzen und pflegen, "ziehen junge Leute wenig mit". Immer wieder sehe er, dass lebensfeindliche Schottergärten entstehen und englischer Zierrasen angesät wird - "das schaudert mich jedes Mal".

In der Landschaft, fährt er fort, sei in diesem Jahr schon einiges geschehen. Mancherorts seien Brachflächen belassen und Wildblumen angesät worden. Er selbst besitzt bei Burgstall ein Grundstück, auf dem 84 verschiedene Pflanzenarten wachsen. Seit 40 Jahren werde die einen Hektar große Fläche von ihm konsequent abgemagert: "Sogar der Herbstenzian wächst da." Tun müsse er dafür gar nicht so sehr viel. Wenn man die Flächen sich selbst überlasse, übernehme die Natur die Regie: Die Pflanzensamen haften an den Fellen von Hasen und Rehen und werden von den Tieren des Waldes verbreitet. Josef Schröders Resümee: "Ich denke schon, dass sich insgesamt betrachtet etwas getan hat."

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