Kloster Banz
Imkerei

Die Bienen sind in Gefahr

Der gelernte Tierwirt Henrik Arndt plädiert für eine nachhaltige Landwirtschaft ohne chemischen Pflanzenschutz und einen Befähigungsnachweis für Imker.
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Henrik Arndt mit einem selbst gefertigten Kasten zur Königinnenaufzucht.                                                                Fotos: Andreas Welz
Henrik Arndt mit einem selbst gefertigten Kasten zur Königinnenaufzucht.                                                                Fotos: Andreas Welz
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Die ersten warmen Sonnenstrahlen locken jetzt die Insekten aus ihren Winterquartieren, erste Bienen suchen Winterling, Krokus und Buschwindröschen. Doch das lustige Gezirpe in Wald und Flur hat einen ernsten Hintergrund: Die Population der Kerbtiere, die artenreichste Klasse der Gliederfüßer, geht seit 25 Jahren drastisch zurück. Summende Bienen bestäuben blühende Obstbäume. Doch die kleinen Tiere sind in Gefahr. In einigen EU-Ländern ist die Zahl der Bienen bereits um 60 Prozent zurückgegangen. Imker beobachten seit langem ein Bienensterben.

Anfang vergangener Woche hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine neue Studie veröffentlicht, nach der einige Insektizide, insbesondere Neonicotinoide, ein Risiko für Wild- und Honigbienen sind. Seit Ende 2013 ist der Einsatz von Neonicotinoiden in Europa beschränkt. Zum Beispiel dürfen die Pestizide nicht auf Rapssaat, Kirschen, Äpfel und Gurken gesprüht werden. Doch die Beschränkung hat Lücken, und für das Aufbringen auf zahlreiche Pflanzen gibt es Sondergenehmigungen. Die Entscheidung über ein Komplettverbot liegt nun bei den EU-Ländern. Es wird spannend, wie sich die neue Bundesregierung dazu positioniert.

Doch nicht nur die chemische Keule macht den Honigsammlern zu schaffen, sondern auch unwissende Imker, die meinen, Bienenhaltung sei einfach. Henrik Arndt von der Bio-Imkerei Banzgau in Schönsreuth nimmt dazu Stellung: "Selbst wenn es noch so sehr und noch so romantisch suggeriert wird - Honigbienen haben eine komplexe Biologie, und die Imker müssen sehr gut ausgebildet sein, um ihre Bienenvölker innerhalb und mit der Bienenbiologie zu pflegen."

Den Hobbyimkern legt der gelernte Tierwirt, Fachrichtung Bienen, ans Herz: "Honigbienen kann man nicht einfach irgendwo hinstellen und sich selber überlassen. Honigbienen sind domestizierte Nutztiere und benötigen einen gut geschulten Imker, der Parasiten, Krankheiten, Hungersnöte oder einen aufkommenden Schwarmtrieb frühzeitig erkennt und entsprechend handelt." Viele Bienenvölker verhungerten aus Unwissenheit des Bienenhalters oder erlägen den Folgekrankheiten der Varroamilbe - auch in der Stadt.

"Es wäre schön, wenn wir mit etwas weniger Idealismus und mehr Fachwissen an diese wirklich wunderbare Tätigkeit herantreten", so Arndt. Gerne unterstütze er Jungimker, wo er nur kann. "Ich versuche, eine traditionelle Tätigkeit nach modernen Gesichtspunkten professionell zu vermitteln", sagt er. Als Beispiel nennt er einen neuen Bienenhalter, der im Schlosspark von Buch am Forst mit der Imkerei begonnen hat.

Die Varroamilbe galt bisher als schlimmster Feind der Bienen. Sie ist eine Hauptursache des in Deutschland seit einigen Jahren immer wieder im Herbst oder dem Winterhalbjahr auftretenden seuchenartigen Bienensterbens. Früher sei die Milbe mit chemischen Mitteln bekämpft worden, die aber eventuell Rückstände im Honig oder Resistenz verursacht hätte. Heute werde natürliche Ameisensäure eingesetzt, so Arndt. Ein weiterer Feind der Bienen sei die Amerikanische Faulbrut. Sie werde durch ein sporenbildendes Bakterium ausgelöst. Dieses befalle ausschließlich den Bienen-Nachwuchs; die Brut stirbt dann ab. Ausgewachsene Bienen können, wie der Imker erklärt, nicht an der Faulbrut erkranken, verbreiten aber die Sporen beispielsweise in ihrem Haarkleid oder als Ammenbienen über das Futter und führen so die Infektionskette fort. Auf Dauer sterben die betroffenen Bienenvölker ganz ab. Im vergangenen Jahr brach an zwei Bienenständen in Rentweinsdorf und Ebern die Amerikanische Faulbrut aus. Um die betroffenen Bienenstände hatte das Landratsamt Haßberge Sperrbezirke mit einem Radius von drei Kilometern eingerichtet.

Ein weiterer gefährlicher Gegner ist im Anmarsch, berichtet Henrik Arndt: Der Kleine Beutenkäfer gehöre zu den gefürchtetsten Bienenparasiten, da bei Massenbefall ein ganzes Volk innerhalb kürzester Zeit vernichtet werden könne. Im Gegensatz zu den afrikanischen Honigbienenunterarten, die sich gegen den Kleinen Beutenkäfer effizient zur Wehr setzen könnten, seien die europäischen Unterarten dazu weniger in der Lage. Die momentan zur Verfügung stehenden chemischen Bekämpfungsmaßnahmen würden das Risiko von Resistenzbildungen, Kontaminationen der Bienenprodukte und Effekten auf die Bienen selbst bergen, so Arndt. Alternative Maßnahmen befänden sich in der Entwicklung. Der Befall mit dem Käfer unterliege in Deutschland der Anzeigepflicht. Auch in den anderen Ländern der EU und der Schweiz werde er als anzeigepflichtige Tierseuche eingeordnet.

Der Betrieb von Henrik Arndt gehört zu einem bayernweiten Warnsystem, das von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau koordiniert wird. Alle teilnehmenden Imker im Freistaat stellen zur gleichen Zeit Fallen auf, die mit Salatöl gefüllt sind. So ist eine Früherkennung möglich und es können entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Besonders gefürchtet als Bienenfeind ist auch die Asiatische Hornisse, die ganze Bienenvölker komplett zerstört. Im Gegensatz zur heimischen Hornisse bringt sie pro Saison 300 Königinnen hervor.

Vita
Henrik Arndt hat vor 20 Jahren im zweiten Bildungsweg den Beruf des Tierfachwirts erlernt. Seit 30 Jahren hält der 55-Jährige Bienen. Seit dem Jahr 2000 widmet er sich der Bio-Imkerei. Als Fachmann ist er bei Vorträgen und Seminaren bundesweit gefragt. An sieben Standorten im Landkreis hat er seine Bienenvölker aufgestellt. In seiner Werkstatt fertigt er Geräte, die es im Handel nicht zu kaufen gibt. Sein Haus, das ehemalige Gemeindehaus in Schönsreuth, krönt ein Glockentürmchen, das als Liegenschaft von der Stadt Lichtenfels gewartet wird. Die Glocke erklingt täglich am Morgen, Mittag und Abend. Sein größter Wunsch ist eine nachhaltige Landwirtschaft ohne chemischen Pflanzenschutz und ein Befähigungsnachweis für Imker, ähnlich der Angel- und Jagdscheine.
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