Unterneuses
Heimatforschung

Detektivarbeit an lapidaren Inschriften

Alfons und Anton Zenk aus Unterneuses ermittelten in den vergangenen Jahrzehnten, welcher Steinmetz welche Sandsteinmartern in den Dörfern des Staffelsteiner Landes schuf.
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Anton Zenk an seinem Computer: Hier setzt er all die Puzzleteilchen zusammen, die sein Sohn Alfons und er in den vergangenen Jahrzehnten über Martern am Obermain  zusammengetragen haben.Matthias Einwag
Anton Zenk an seinem Computer: Hier setzt er all die Puzzleteilchen zusammen, die sein Sohn Alfons und er in den vergangenen Jahrzehnten über Martern am Obermain zusammengetragen haben.Matthias Einwag
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Sandsteinmartern prägen die Region am Obermain. Etwa 130 dieser Bildstöcke sind im Staffelsteiner Stadt- und Ebensfelder Gemeindegebiet zu finden, schätzt Anton Zenk. Zusammen mit seinem Sohn Alfons hat er seit Mitte der 1980er-Jahre die Geschichte dieser religiösen Flurdenkmale erforscht. Vor allem die Arbeit von vier Barocksteinmetzen untersuchten die beiden intensiv. Etwa 90 Werke von Georg Burckhart, Johannes Absalon Burckhart, Johannes Georg Burckhart und Johannes Schwartzmann sind heute im südlichen Landkreis Lichtenfels erhalten.

Anton Zenk ist der klassische Heimatforscher. Der 76-Jährige widmet sich bereits seit Jahrzehnten der Familien- und Hausnamenforschung. Das Registrieren und Dokumentieren der religiösen Flurdenkmale kam eher nebenbei hinzu, als sein Sohn Alfons (Jahrgang 1971) als Jugendlicher damit begann, die Martern, Bildstöcke und "Kreuzschlafer" zu fotografieren und zu vermessen.

"Die Leute erzählen, da und dort sei einer erschlagen worden, an den man erinnern will - das stimmt nicht", sagt Anton Zenk. Durch die Erkenntnisse aus der Familienforschung konnten Alfons und Anton Zenk manches Rätsel lösen, die Initiatoren der Martern herausfinden und die Sandsteinskulpturen bestimmten Steinmetzen zuordnen. Sie fanden heraus, dass die Initialen GB für Georg Burckhardt stehen und dass Hans Schwartzmann seine Werke mit HSM zeichnete.

Beim Durchforsten von Lehensbüchern sowie Hauschroniken und -katastern im Staatsarchiv ermittelten sie manchen Stifter. All diese Daten und Fakten fasste Alfons Zenk bereits Mitte der 1990er-Jahre in einem Aufsatz zusammen. Inzwischen haben Vater und Sohn jedoch weitere Details herausfinden können. "Des is' wie a Fass ohne Boden", kommentiert Anton Zenk diese Sisyphosarbeit. Wie viele Dias und Schwarzweißfotos sie in den vergangenen Jahren anfertigten, kann er nur schätzen: "Von 600 bis 800 Flurdenkmalen vielleicht."

Die schönsten dieser Martern entstanden im 18. Jahrhundert", fährt er fort, "in Unterbrunn steht die beste." Doch auch in Horsdorf, Loffeld und Kümmel seien wundervolle Exemplare zu finden, die künstlerisch hochinteressant seien durch einen weinlaubumrankten Schaft oder geflügelte Engelsköpfchen. Der vierseitige Aufsatz in Form einer Laterne sei in der Regel einst mit bunten Blechbildtäfelchen geschmückt gewesen. Davon wurden jedoch viele über die Jahrhunderte hinweg durch Verwitterung und Korrosion zerstört, etliche seien durch Rekonstruktionen ersetzt.

Im Relief, ergänzt er, finde man oft den Namenspatron des Stifters und im Gesims die Steinmetzzeichen und Initialen - das sind aussagekräftige Puzzleteilchen bei der Ermittlungsarbeit. Oft thematisierten die Steinbildhauer die Marter Jesu am Kreuz. Häufig fänden sich zudem bildliche Darstellungen der 14 Nothelfer oder der Muttergottes.

Nach und nach konnten die Zenks zahlreiche Sandsteinmartern den vier genannten Steinmetzen zuschreiben. "Der Alfons hat die Bilder im Wohnzimmer nach vier Gruppen geordnet auf den Boden gelegt", beschreibt Anton das detektivische Ermitteln. Aufgrund des Stils verglichen sie die noch nicht identifizierten Martern mit jenen, deren Urheber bekannt war. Erkenntnisse aus Archiven und der Familienforschung flossen ein und vervollständigten das Puzzle zum Gesamtbild.

Beim Lesen der Inschriften ist oft kriminalistisches Gespür erforderlich. Anton Zenk: "Die meisten kannst' nicht mehr entziffern", denn viele Details seien durch Umwelteinflüsse oder Renovierungen verloren gegangen. Durch die Flurbereinigung seien zudem viele Martern nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort. Sie wurden versetzt und stehen heute entweder auf Gemeindegrund oder in Vorgärten.

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