Lichtenfels
Wirtschaft

Der Lehrbauhof wird aufgegeben

Die Handwerkskammer strukturiert sich um und konzentriert die überbetriebliche Fortbildung auf drei Standorte. Das hat Folgen für Lichtenfels.
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In dieser Halle im Lichtenfelser Lehrbauhof lernen gerade Maurerlehrlinge, wie man eine Wand hochzieht.
In dieser Halle im Lichtenfelser Lehrbauhof lernen gerade Maurerlehrlinge, wie man eine Wand hochzieht.
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Es ist der erste Tag für zehn neue Lehrlinge im Lehrbauhof in Lichtenfels. Mauerer wollen sie werden, den Tag über haben sie daran gearbeitet, eine Mauer hochzuziehhen. "Im 24er-Verbund", sagt Michael Landfried, Ausbildungsmeister für Bautechnik. Eine Reihe wird längs gesetzt, die nächste quer. Vier Minuten pro Stein haben sie Zeit, um die Steine auszurichten und den Lehm aufzubringen, der sie verbindet. "Später in der Prüfung werden ihnen nur noch zwei Minuten dafür bleiben."

Die jungen Männer werden noch die ganze Woche mauern, in der zweiten steht das Verputzen an. Überbetriebliche Ausbildung heißt das. Sie findet für viele Bauberufe im Lehrbauhof der Handwerkskammer in Lichtenfels statt. Hinter dem Gebäude der Kreishandwerkerschaft stehen von der Straße nicht einsehbar dafür drei Hallen.

"Wir sind gut ausgelastet", sagt Lehrbauhofleiter Heiko Bayer-Oppelt. Die Räumlichkeiten seien in einem guten Zustand, man habe alles was man benötigt. "Wir schreiben schwarze Zahlen." Müssen Lehrlinge übernachten, weil die Anfahrt weiter ist, dann ist das in der Frankenakademie Schney möglich - hierfür hält man keine eigenen Einrichtungen vor.

Doch wie lange es den Lehrbauhof in Lichtenfels noch geben wird, ist nicht sicher. Sicher ist nur, dass es ihn auf Dauer nicht mehr geben soll. Die Handwerkskammer Oberfranken arbeitet an einem Konzept, das eine neue Struktur für solche Bildungseinrichtungen vorsieht. Sie sollen an drei Standorten konzentriert werden: in Bamberg, Bayreuth und Hof. Damit will man Kosten reduzieren und die Einrichtungen besser auslasten. Das führt dazu, dass Einrichtungen in Lichtenfels, Selb und Coburg geschlossen werden sollen. Die Handwerkskammer Coburg war früher eigenständig und hat sich, als sie in der Handwerkskammer Oberfranken aufging, vertraglich zusichern lassen, dass dort ein Standort bleibt. Deshalb ist aktuell noch eine Klage beim Verwaltungsgericht Bayreuth anhängig.

Die Planungen der Handwerkskammer laufen schon länger. Für eine der drei neuen Einrichtungen war auch Lichtenfels eine Option. "Wir hatten dafür das Gelände am Güterbahnhof im Visier, auf dem jetzt Häuser gebaut werden", sagt Kreishandwerksmeister Mathias Söllner. Etwa eineinhalb Jahre sei es her gewesen, dass man sich um das Zentrum beworben habe. Durchgesetzt habe sich aber Bamberg. Auch er ist nicht glücklich über die Entscheidung, den Lehrbauhof aufzugeben.

Bernd Sauer, Geschäftsführer der Handwerkskammer Oberfranken, bestätigt das. In der Summe habe sich Bamberg als die bessere Wahl erwiesen. "Wir haben im Raum Bamberg/Forchheim, Bayreuth und Hof einen Schwerpunkt von Handwerksbetrieben in Oberfranken", sagt er. Dem müsse man Rechnung tragen. Dass es grundsätzlich in Lichtenfels gut laufe, bestätigt auch er. "Für die gute Auslastung sorgen wir mit unserer Planung, teilweise gibt es auch weitere Anreisen." Die Verwaltung und Pflege der Einrichtung in Lichtenfels laufe gut: "Die Kollegen vor Ort kümmern sich mit großem Engagement darum."

Jedoch seien größere Einheiten kostengünstiger zu verwalten und böten deshalb schon von der Auslegung her viele Vorteile.

Dazu komme, dass allgemein viele Einrichtungen der Kammer inzwischen in die Jahre gekommen seien und Neubauten eine Alternative sind.

Doch so schnell wird Lichtenfels nicht geschlossen: "Wir fangen jetzt in Hof an mit dem ersten Zentrum", sagt Sauer. Das Projekt sei über Jahre hin angelegt. Und weil die Substanz der Hallen in Lichtenfels noch gut sei, könne sich das hinziehen: "Ich gehe eher davon aus, dass wir hier über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren reden."

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