LKR Lichtenfels
Bestandsaufnahme

Der Klimawandel braucht eine Strategie

Zwei trockene Jahre haben in den Wäldern am Obermain Spuren hinterlassen. Nützt es etwas, Baumarten zu verwenden, die weniger Niederschlag brauchen?
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Unter den großen Buchen im Banzer Wald werden nun Tännchen gepflanzt  -  also Bäume, die den Schatten lieben. Sollten die Buchen  in den kommenden Jahren durch die Trockenheit weiter geschädigt werden, dann ist schon ein kleiner Neuanfang gemacht mit den halbwüchsigen Tannen. Foto: Matthias Einwag
Unter den großen Buchen im Banzer Wald werden nun Tännchen gepflanzt - also Bäume, die den Schatten lieben. Sollten die Buchen in den kommenden Jahren durch die Trockenheit weiter geschädigt werden, dann ist schon ein kleiner Neuanfang gemacht mit den halbwüchsigen Tannen. Foto: Matthias Einwag

Der Waldumbau ist ein Prozess, der viele Jahrzehnte dauert. Nach zwei extrem niederschlagsarmen Jahren ist es erforderlich, auf klimatolerantere Hölzer zu setzen, sagt Förster Sebastian Huth vom Herzoglich Bayerischen Forstgut Banz. Doch bringt das etwas? Schließlich fehlen wissenschaftlich erhobene Basisdaten, auf die sich Förster und Waldbauern stützen könnten.

Vor allem die Buche wurde durch das Klima stark geschädigt, sagt Sebastian Huth. Im Banzer Wald sind viele abgestorbene Buchen zu finden, die an ihrem schütteren Blätterdach erkennbar sind. "Bisher war die Buche absolut vital", erklärt Huth, doch wie es nun weitergehen wird, könne niemand mit Sicherheit sagen. "Das wirkliche Ausmaß der Schädigung werden wir erst im Frühjahr erkennen, wenn wir sehen, was nach den beiden extrem trockenen Jahren austreibt."

Ein Pfeiler der Forstwirtschaft

Die Buche ist ein Pfeiler der Forstwirtschaft im Banzer Wald. Nun komme es darauf an, bei Neupflanzungen breit zu streuen, weil wir nicht wissen, was die Zukunft klimatisch bringt, fährt Huth fort. Der Förster vergleicht das mit einem Gemischtwarenkorb: "Wir versuchen das Sortiment zu erweitern, weil wir nicht wissen, was kommt."

"Edelkastanie und Baumhasel werden wir pflanzen", erläutert er seinen Plan B. Zudem werden versuchsweise Atlas- und Libanonzedern - also trockenheitsresistente Sorten - verwendet. "Im Banzer Wald haben wir schon einige Edelkastanien, die sich gut entwickelt haben."

Wie ist das Wetter in 50 Jahren?

Der Umbau des Waldes und eine breite Streuung der Baumarten sei erforderlich, um gegen möglichst viele Szenarien des Klimawandels gewappnet zu sein. Es sei jedoch unklar, wie lange eine Baumart beobachtet werden muss, um sagen zu können, wie sie mit einem Klima zurechtkommt. "Man darf nicht glauben, dass der komplette Wald ausstirbt und zur Steppe wird", fügt Huth an, "der Wald hilft sich selbst", er vermehre sich durch natürliche Sukzession.

"Der jetzige Klimawandel ist menschengemacht", meint der frühere Staffelsteiner Revierförster Hermann Hacker, der sich in Fachkreisen einen Namen bei der Erforschung von Insekten gemacht hat. Den Fichtenborkenkäfer, sagt er, habe es hierzulande schon immer gegeben. Zum Schädling gestempelt werde der Käfer, weil die Fichte oft in Reinbestand vorkommt - und weil sich das Klima so ändere, dass wärmeliebende Insekten bessere Lebensbedingungen haben.

"Alles geht zu schnell", stellt Hermann Hacker fest. Der Klimawandel lasse der Natur keine Zeit, sich auf die geänderten Bedingungen einzustellen. Seit der jüngsten Eiszeit vor rund 10 000 Jahren zählen wir nur rund 200 Baumgenerationen. Das sei sehr wenig. Der Wald habe also keine Zeit, sich auf den Wandel einzustellen: "Die Entwicklung geht heute zu schnell, da kann der Wald nicht mitkommen - und wir haben zu wenig Sorten, es fehlt die Vielfalt in den Wäldern, es fehlen Baumarten, die auf klimatische Veränderungen reagieren können." Die Buche, die bisher bei uns als eine Hauptbaumart gesehen wurde, sei ein feuchtigkeitsliebender Baum, der ein gemäßigtes, atlantisches Klima brauche. "Man hätte niemals erwartet, dass wir in Oberfranken ein so trockenes Klima kriegen", sagt Hacker. Vorhersagen, prophezeit er, funktionierten bisher nicht, und auch künftig werde es keine Vergleichswerte geben.

Pilze, die schon immer da waren, reagieren auf das veränderte Klima. Manche Arten würden bei Trockenheit aggressiver. Hinzu komme, dass es in den Wäldern am Obermain neue Borkenkäferarten gebe, die als "Fremdländer" zuwanderten. Obgleich kleine Populationen bereits vor rund 20 Jahren festgestellt wurden, entwickelten sich diese Insekten nun unter günstigen Bedingungen explosionsartig. Die Aufforstung werde wegen der Trockenheit schwieriger. Die Waldbrandgefahr steige, fährt er fort. Es könnte sein, dass es hier so wird, wie wir es aus südeuropäischen Ländern kennen, wo es zu aufwändig wäre, die großen Freiflächen aufzuforsten.

Wildverbiss an Jungpflanzen

Wenn jedoch aufgeforstet werden soll, dann müsse das Thema Wildverbiss höchste Priorität haben. Weil vor allem Rehe die zarten Jungpflanzen abknabbern, müsse ein Umdenken einsetzen, sagt Hacker. Ein anderes Jagdsystem wäre wünschenswert, etwa mit staatlich eingesetzten Berufsjägern. Es sei schließlich nicht rentabel, sämtliche Schonungen einzuzäunen.

Zu bemängeln sei zudem, dass trotz des Preisverfalls auf dem Holzmarkt wegen des anfallenden "Käferholzes" weiterhin große Mengen Tropenholz nach Deutschland eingeführt werden.

Was ist richtig, was falsch?

Doch was sind schon Schädlinge? Dieser Begriff sei von Menschen geprägt. Nun werde probiert und experimentiert, wie der Wald zu retten sein könnte. Doch langfristig erhobene Parameter fehlen, urteilt Hermann Hacker. In 50 Jahren werde man vielleicht feststellen, dass man sich doch getäuscht hat. "Alles geht zu schnell. Wir wissen nicht, wie wir reagieren sollen", resümiert er. "Wir bräuchten Bäume, die Trockenheit und Frost vertragen." Solche Bäume gebe es. Das Manko: "Solches Saatgut bietet keiner an."

Die Wälder widerstandsfähiger machen mit einer Mischung aus mehreren Baumarten

Wie ist der Zustand der Wälder am Obermain? Das fragten wir Christoph Hübner, Bereichsleiter Forsten am Coburger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

"Wir haben Ecken, wo die Schäden gravierend sind", antwortet er. Besonders im südlichen Landkreis um Bad Staffelstein und Ebensfeld, in den wärmeren Höhenlagen, seien Schäden häufiger festzustellen. Vor allem Buchen, Fichten und Kiefern fallen hier aus. Eine markante Schädigung der Waldbäume sei um Vierzehnheiligen erkennbar, wo ein großer Teil der Altbuchen abgestorben sei. "Es ist aber nicht alles furchtbar schlimm, es gibt auch Wälder, wo's besser ausschaut."

Der Waldumbau könne auf jeden Fall unterstützende, stabilisierende Elemente bringen. Es komme darauf an, die Waldbesitzer davon zu überzeugen, keine Monokulturen anzupflanzen, sondern ihre Wälder mit vier bis fünf Baumarten auszustatten. Die Naturverjüngung sollte bestmöglich ausgeführt werden, indem Ergänzungspflanzen gesetzt werden. "Jagdrechtliche Änderungen zur Erleichterung der Reduktion von Schalenwildbeständen sind dazu nicht zwingend notwendig", so Hübner. Entscheidend sei der Wille von Jagdberechtigten und Grundstückseigentümern.

Welche Baumarten die Ausfälle durch Trockenheit kompensieren könnten, darauf kann auch er kein Patentrezept nennen: "Wir müssen uns bewusst sein, dass wir Fehler machen. Aber was ist die Alternative? Wir sollten mit unserem heutigen Wissen bestmöglich agieren."

"Alles regeneriert sich irgendwann - die Frage ist nur, ob unsere Gesellschaft die Zeit hat, darauf zu warten", fährt Christoph Hübner fort. Mit Saatgut werde bereits seit vielen Jahren experimentiert, um Sorten zu finden, die den Erwartungen und Anforderungen entsprechen. "Es gibt bereits einzelne gute Erfahrungen beispielsweise mit Zedern, Baumhasel und Esskastanien. Jedoch benötigt es etwas Zeit, bis sich die Saatgutproduktion dem gestiegenen Bedarf anpasst."

Generell werde der Waldbau sicher weiterhin mit den heimischen Baumarten bestritten. Dabei seien längst noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Der Erfolg bestehe vielleicht darin, eine Mischung aus heimischen Bäumen und einigen neuen Arten auszuprobieren. Ganz wichtig sei dabei das Dokumentieren. Denn nur wenn alle Indikatoren genau festgehalten werden, könne man Gesetzmäßigkeiten herausfinden.

Die Evolution macht Christoph Hübner Hoffnung: "Die Bäume haben eine brutal gute Strategie - sie hauen Milliarden von Samen raus." Nicht alle gehen auf, nur die besten kommen durch. Das habe sich schon bei anderen Klimakatastophen bewährt - etwa bei Vulkanausbrüchen. Und da hatten die Bäume weit weniger Zeit zu reagieren als jetzt auf den Klimawandel.

Kommentar von Matthias Einwag

Ist die Menschheit auf dem Holzweg?

Der Kompromiss des einen ist das Spannungsfeld des anderen. Der Wald steht im gesellschaftlichen Fokus. Es gibt Waldbauern, die vom Ertrag des Waldes leben. Auf der anderen Seite gibt es Wanderer, Jogger und Mountainbiker, die Kraft für den Alltag in dieser grünen Lunge schöpfen.

Wie stark der Wald in den beiden niederschlagsarmen Jahren 2018 und 2019 geschädigt wurde, ist regional unterschiedlich. Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, wie sich das Klima entwickelt und welche Antworten die Natur auf den Wandel gibt. Es ist keine ganz neue Erkenntnis, dass der Mensch die Natur braucht und nicht umgekehrt. Richard von Weizsäcker drückte sich so aus: "Der Mensch braucht die Natur, die Natur den Menschen nicht. Der Mensch ist Teil der Natur, er ist ihr nicht übergeordnet. Erst wenn er das begreift, hat er eine Überlebenschance."

Eichen werden weichen, Buchen musst du suchen? Damit es nicht so weit kommt, sollte der Wald behutsam, aber gezielt verjüngt werden. Eine gute Mischung aus heimischen und trockenheitsresistenten Baumarten ist vielversprechend. Ein solcher Umbau geht nicht von heute auf morgen. Doch wer sich jetzt keine Gedanken macht, der wird auf jeden Fall von der Entwicklung überrollt. Denn die Evolution arbeitet unermüdlich. Zwar wird aus einer Buche kein Kaktus. Aber die Natur entwickelt ihre eigene Strategie, ganz ohne auf den Menschen zu achten. Und sie hat Zeit, viel Zeit. Was kümmert es die Natur, wenn die Menschheit verschwindet? Getreu dem alten Witz: Treffen sich zwei Planeten, sagt der eine: "Wie siehst du denn aus, bist du krank?!" - "Ooch, das ist nichts weiter. Ich habe Homo sapiens, das vergeht sehr schnell."

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