Bad Staffelstein
Verkleidung

Der Fuchs aus der Staffelsteiner Bärengasse

Rafael Schneidawind schlüpft zum Hobby und zur Gaudi anderer in befellte Tierkostüme.
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Sorgfältig pflegt und striegelt Rafael Schneidawind den Fellkopf vom Graufuchs. Foto: Monika Schütz
Sorgfältig pflegt und striegelt Rafael Schneidawind den Fellkopf vom Graufuchs. Foto: Monika Schütz
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"Für manche ist es eine Flucht, eine Realitätsflucht - für andere, so wie für mich, ist es ein Hobby!" Was Rafael Schneidawind als besonderes Hobby hat? Er schlüpft für ein paar Stunden in eine andere Haut beziehungsweise in ein Kostüm.

""Freunde auf 2 Pfoten e.V" heißt der Verein, in dem der junge Staffelsteiner seit drei Jahren aktiv ist. "Wir gehen zu Veranstaltungen, laufen bei Umzügen mit oder sind einfach da, wo Menschen und vor allem Kinder sind", erzählt er. Auf gemeinnützigen Events in Bayern und Thüringen zum Beispiel von "Gemeinsam gegen Krebs e.V. Kronach", bei verschiedenen Tierschutzvereinen, Kinderfest Bad Staffelstein, im Sonneberger Spielzeugmuseum oder auch bei "Horsdorf in Flammen" sieht man Rafael. Aber eigentlich sieht man ihn nicht. Er ist "Rotfuchs Darwin". Sein Kopf steckt in einem kunstfelligen Tierkopf, eine schwarze Sturmhaube darunter verbindet blickdicht den Übergang zum Körper. Um die Arme trägt er Sleeves, farbig abgestimmte Abdeckungen, die Hände stecken in Tatzen, die Füße in Paws, überdimensionalen Plüsch-Pfoten der Schuhgröße 70.

Dazu zieht Rafael an, was gerade zum Thema der Veranstaltung passt: Beim Walk in the Park, beim Spaziergang im Kurpark, hatte er sein Rotfuchs-Kostüm urig mit einer Ledertrachtenhose ergänzt, sonst dürfen es ruhig T-Shirt und Jeans sein. Den langen Plüsch-Schwanz befestigt er mit einem Gürtel an der jeweiligen Hose.

Sein zweites Kostüm, ein Graufuchs mit dem Spitznamen Frank, ist ebenfalls ein Teil-Kostüm, ein Partsuit. Hier ergänzt der 24-Jährige, der im wahren Leben Service-Monteur für Schwimmbad- und Wassertechnik ist, den Fellanzug schon mal mit dunklem Jacket und edler Krawatte.

"Der Auftritt unserer Charaktere ist kostenfrei", informiert Rafael Schneidawind. "Es macht uns Spaß, anderen eine Freude zu bereiten." Alle "Furrys" , so nennen sie sich, sind ehrenamtlich unterwegs. "Wir benötigen lediglich einen veranstaltungsnahen Rückzugsort zum Umziehen und Pausemachen." Das Tragen der Kostüme sei über einen längeren Zeitraum anstrengend und schweißtreibend, sagt der Zwei-Meter- Mann, auch wenn beim Auftritt zwei Wasserkühlpacks für die Handgelenke getragen werden. Mit dabei ist auch immer ein Assistent. Der geht, "normal gekleidet" in der Nähe des "Furrys", passt auf, dass sich niemand von hinten anschleicht, das Kostüm beschmutzt oder beschädigt, und hat in seinem Rucksack auch eine Getränkeflasche dabei - mit Strohhalm.

An ein Ereignis erinnert sich Rafael besonders: Als "Rotfuchs Darwin" war er im März 2019 zuerst nicht durch die Einlasskontrolle der Leipziger Buchmesse gelassen worden: Immerhin sieht er ja vermummt aus. "Hast du Waffen dabei?", wurde er gefragt, und ob er seinen Kostümkopf abnehmen würde. Erst dann durften er und die anderen Tier-Charaktere passieren.

Entstanden ist das "Furry-Fandom" in den 1980er Jahren in den USA, die Ursprünge stammen aus der Comic- und Science-Fiction-Szene. Die Begriffe sind daher alle in Englisch. Das erste europäische Treffen fand 1995 in Schleswig-Holstein, in Kaiser-Wilhelm-Koog statt, es folgten Nürnberg und Berlin.

"Es wird immer populärer, in der Region hier gibt's schon Dutzende Charaktere", freut sich Rafael - und er freut sich auch auf das nächste große interne Treffen im Oktober in Nürnberg: "Da geht's tierisch zu", sagt er und lacht.

Bemerkung am Rande: Rafael wohnt auch noch ausgerechnet in der Bärengasse. Weitere Informationen, auch Kontaktdaten, gibt es auf der Internetseite des eingetragenen Vereins freundeauf2pfoten.de.

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