Burgkunstadt
Kommunalpolitik

Das Ohr am Puls der Jugend

Ein Jugendparlament "Jura-Kunstadt"soll Zwölf- bis 17-Jährige im östlichen Landkreis an demokratischen Entscheidungsprozessen teilhaben lassen.
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Daumen hoch für ein Jugendparlament. Die drei Jugendsprecher Stephanie Dittrich (Altenkunstadt/Mitte), Janine Brunecker (Weismain) und Marco Hennemann (Burgkunstadt) setzen sich für die Gründung eines solchen Gremiums ein.  Foto: Stephan Stöckel
Daumen hoch für ein Jugendparlament. Die drei Jugendsprecher Stephanie Dittrich (Altenkunstadt/Mitte), Janine Brunecker (Weismain) und Marco Hennemann (Burgkunstadt) setzen sich für die Gründung eines solchen Gremiums ein. Foto: Stephan Stöckel
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Sie sitzen im Altenkunstadter Jugendzentrum "Pins" - doch das Ohr am Puls der Jugendlichen haben für sie andere. Darin sind sich die Altenkunstadterin Stephanie Dittrich (Grüne), die Weismainerin Janine Brunecker von der Gemeindschaft Unabhängiger Bürger (GUB) und der Burgkunstadter Marco Hennemann (CDU) einig. Sie sind die Jugendbeauftragten der drei Nachbarkommunen.

"Abgesehen von meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Musikverein, fehlt mir der Kontakt zu den Jugendlichen", spricht Dittrich ihren beiden Kollegen aus den Nachbarkommunen aus der Seele. Mit einem Jugendparlament "Jura-Kunstadt" wollen sie die Zwölf- bis 17-Jährigen im östlichen Landkreis an demokratischen Entscheidungsprozessen teilhaben lassen. Aus den Reihen des zwölfköpfigen Jugendgremiums sollen drei Jugendsprecher für die drei Kommunen gewählt werden, die Akzeptanz in ihrer Altersklasse hätten. "Sie nehmen beratend, dürfen also nicht abstimmen, an den Gemeinde- oder Stadtratssitzungen teil und sorgen dort für den Draht zur Jugend. Im Unterschied zu einem Ortssprecher, der nur Belange seines Ortes anspricht, dürfen sie sich zu allen Themen äußern", erläutert Hennemann.

Auf einer Wellenlänge

Wenn man die drei reden hört, dann spürt man, dass sie auf einer Wellenlänge liegen. Man verstehe sich gut und stehe schon länger miteinander in Kontakt, so Brunecker. Den Stein ins Rollen gebracht hatte Dittrich, die ihre beiden Freunde im Sommer zu einem gemeinsamen Gedankenaustausch in die Kleinkunstkneipe "Nepomuk" eingeladen hatte. Ein Mittelzentrum mit gemeinsamen Projekten, wie dem Jugendzentrum "Pins", und mit weiterführenden Schulen, die von jungen Leuten aus allen drei Kommunen besucht werden - für das Trio war es naheliegend, ihr Vorhaben auf interkommunale Füße zu stellen. "Drei Stimmen können mehr bewirken als eine", streicht Brunecker heraus. Junge Leute müssten mit Entscheidungen leben, die oftmals Jahrzehnte Bestand hätten. Daher, so Hennemann, sei es auch sinnvoll, dass das Jugendparlament Anträge stellen könne, die innerhalb einer Frist von drei Monaten von den Stadt- und Gemeinderäten behandelt werden müssten. Für Hennemann ist ein Jugendparlament ein Instrument, leichter mit jungen Leuten zu kommunizieren.

Mehr Gehör finden

Die Sprecher bekämen mit, was bei den Teens gerade am Entstehen sei, bildeten sich eine Meinung und stellten einen Antrag. "Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche mehr Gehör finden", sagt Brunecker. Für Dittrich ist es wichtig, dass Jugendliche mehr Verantwortung übernehmen, denn, so die Bündnisgrüne: "Man wächst an seinen Aufgaben."

Für ihr ehrenamtliches Engagement sollen die jungen Leute ein Sitzungsgeld von 20 Euro erhalten. So sieht es die von dem Trio ausgearbeitete Satzung vor. Auch ein Budget von 3000 Euro, über den das Gremium frei verfügen kann, ist vorgesehen. Was könnte mit der Summe gemacht werden? Damit könnten, zählten die drei auf, Anschaffungen für Spielplätze und Skateranlagen getätigt, ein Musikfestival veranstaltet oder das Jugendzentrum umgestaltet werden. Die drei Kommunen teilen sich die Summe von 3000 Euro, so sieht es der Satzungsentwurf vor. Dem Bürgermeister kommt in ihrem Konzept eine entscheidende Rolle zu. "Er ist das Bindeglied zwischen dem Jugendparlament und dem Gemeinde- oder Stadtrat", sagt Dittrich. Er lade zu den Sitzungen ein, leite diese und stelle die Räumlichkeiten zur Verfügung, so die Rednerin. Hennemann sieht das Gremium auch als eine Plattform, Nachwuchs für den Gemeinde- oder Stadtrat zu generieren. Zugleich betonen alle drei, dass das Jugendparlament überparteilich sei. Fraktionen werde es nicht geben

Die Kommunalwahl in Bayern steht vor der Tür. Am 15. März werden im Freistaat die Bürger an die Urnen gerufen. In der Woche vor der Wahl (vom 9. bis 15. März) sollen im östlichen Landkreis Lichtenfels auch die Zwölf- bis 17-Jährigen abstimmen dürfen. "In dem Online-Voting hat jeder Teilnehmer insgesamt zwölf Stimmen. Pro Kommune dürfen jeweils vier Stimmen vergeben werden", erläutert Hennemann.

Benutzername und Kennwort würden im Vorfeld an alle Jugendliche verschickt. Auf den Internetseiten der drei Kommunen gebe es Links zur Wahlseite. Am morgigen Dienstag werden die Gemeinderäte in Altenkunstadt und die Stadträte in Burgkunstadt über das Projekt abstimmen.

Der Weismainer Stadtrat folgt im Januar. Alle drei sind guter Dinge, dass ihr Vorhaben eine Mehrheit findet. "Jugendliche sind die Wähler von morgen!", schreibt Dittrich allen ins Stammbuch, die noch unentschlossen sind.

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