Schönsreuth

Das Geheimnis der Wintertraube

Wie die Bienen des Schönreuther Imkers Henrik Arndt über den Winter kommen.
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Wichtig ist die ständige Kontrolle der Stöcke auf Brut, damit die Bekämpfung der Varroamilbe Erfolg hat. Foto: Andreas Welz
Wichtig ist die ständige Kontrolle der Stöcke auf Brut, damit die Bekämpfung der Varroamilbe Erfolg hat. Foto: Andreas Welz
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Menschen verkriechen sich im eisigen Winter gern in der wohlig-warmen Wohnung - um ausreichend Nahrung brauchen wir uns in der Regel keine Sorgen zu machen. Doch wie machen es die Honigbienen? Schließlich finden sie in der Winterlandschaft keine Nahrung.

Die intelligenten Nutztiere haben ihre ganz eigenen Überwinterungsstrategien entwickelt, zum Beispiel mit Kuscheln und Warmzittern. Henrik Arndt aus Schönsreuth erklärte unserer Zeitung, wie das funktioniert. "In den kalten Wintermonaten rücken die Schwestern ganz eng zusammen und wärmen sich gegenseitig. Dadurch bilden sie die sogenannte Wintertraube", erläuterte der Bienenfachwart.

Um Wärme zu erzeugen, klinken sie ihre Flügel gewissermaßen aus, damit sie nicht abheben, und erzeugen mit ihrer Flugmuskulatur ein Muskelzittern. Diese Fähigkeit, aktiv Wärme zu produzieren, ermöglicht es den Honigsammlern auch einen Winter bei zweistelligen Minusgraden zu überstehen, ohne in eine Kältestarre zu verfallen oder zu verhungern.

Alle 22 Stunden ein Heizsprung

Bienen aus dem kühlen Außenbereich der Wintertraube werden immer wieder von den aufgewärmten Bienen im Innenbereich abgelöst. "Alle 22 Stunden machen sie einen Heizsprung, um Futter nachrücken zu können", erläuterte Arndt. Das Futter besteht aus dem letzten Honig, den sie gesammelt haben, und umgearbeitetes Zuckerwasser. Da diese Mischung bei Minusgraden zäh werde, müsse sie aufgeheizt werden "Sobald der Honig durch die Wärme wieder flüssig geworden ist, stecken die Bienen ihren Rüssel rein und laden ordentlich Energie auf", beschreibt er die Nahrungsaufnahme.

Rund 24 Kilo Futter verzehre ein großes Volk im Winter, Jungvölker kämen mit 17 Kilogramm aus. Zum Saisonbeginn müsse das restliche Futter entfernt werden, damit es sich nicht mit dem frischen Honig vermische. Die "Unterbringung" in Holzkisten ist denkbar einfach. Je nach Größe des Volkes ist sie mit drei Abteilungen, der Fachmann nennt es Zargen, ausgestattet. Die Kisten müssen nur durch eine Haube abgedeckt werden, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann, die das Futter verderben könnte. Das Flugloch am Boden der Kiste wird mit einem Gitter gesichert, damit die gefräßige Spitzmaus nicht den Proviant verzehrt. Die Winterbienen haben eine Lebenserwartung von bis zu sechs Monaten, im Gegensatz zu den Sommerbienen die nur vier bis sechs Wochen am Leben bleiben.

Ein wichtige Handlung des Imkers in der kalten Jahreszeit ist die Bekämpfung der Varroamilbe. Die Milbe schädigt die Brut und gilt als eine Hauptursache des in Deutschland seit einigen Jahren immer wieder im Herbst oder dem Winterhalbjahr auftretenden seuchenartigen Bienensterbens. Früher wurde die Milbe mit chemischen Mitteln bekämpft. Durch moderne Messtechnik sind Rückstände im Honig nachgewiesen worden, und der Einsatz chemischer Mittel ist in Verruf geraten. "Heute setzen wir Milchsäure oder Oxalsäure ein", so der Imker. Das führe aber nur zum Erfolg, wenn keine Brut im Bienenstock vorhanden ist, da die Milbe in der verdeckelten Brut geschützt ist und überlebt. Daher muss der Imker vor der Behandlung sicher sein, dass der Stock brutlos ist. Viele unerfahrene Imker tun das nicht, da sie glauben, die Bienen werden bei der Kontrolle in ihrer Ruhe gestört. Wenn Bienen den Stock in den Wintermonaten nicht verlassen - wie sieht es dann eigentlich mit der Hygiene aus? Schließlich leben einige Tausend von ihnen auf engstem Raum. "Sie gehen einige Monate lang nicht auf Toilette. Sie sammeln ihre Extremente in einer Kotblase. So gibt es keinen Schmutz im Nest", stellte Imker Arndt zu dieser Frage fest. Die Kotblase wird beim ersten Reinigungsflug im freien entfernt. "Da wissen sie sich auch zu helfen", erläuterte er. Auch der zunehmende Klimawandel kann Insekten gehörig aus dem Gleichgewicht bringen. Vorgezogene Blütenphasen, lange Wärmeperioden im Winter oder starke plötzliche Temperaturveränderungen zehren an den Bienen ,machen sie anfälliger für die Varroamilbe und bringen ihren gesamten Kreislauf ins Wanken. "Diese Faktoren können es unseren Bienen ebenfalls schwer machen, in Zukunft gut zu überleben", befürchtete der Bienenfachwart.

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