Burgstall am Main
Feuerwehr

Das Ende der FFW Burgstall: Es fehlte am Nachwuchs

Im Gemeinderat Hochstadt wurde das Ende der Feuerwehr Burgstall schon beschlossen. Das Aus kam allerdings nicht von heute auf morgen.
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Das Gebäude der Burgstaller Feuerwehr wird bald leer stehen.Stefanie Gleixner
Das Gebäude der Burgstaller Feuerwehr wird bald leer stehen.Stefanie Gleixner

Das Interesse für die Feuerwehr ist sehr stark gesunken. Die jungen Leute machen lieber andere Sachen, und oftmals ist die Zeit auch ein beteiligter Faktor. In Burgstall gibt es jetzt nur noch einen einzigen Verein - den Kapellenbauverein.

1904 wurde die Feuerwehr Burgstall gegründet. 115-jähriges Bestehen hätte sie in diesem Jahr gefeiert, doch das ist nun Geschichte.

"Aus personellen Gründen kann die Feuerwehr Burgstall ihre Aufgaben im abwehrenden Brandschutz nicht mehr erfüllen", sagte Bürgermeister Thomas Kneipp (CSU) im Gemeinderat.

"Die Feuerwehr ist verpflichtet auf die Gemeinde zuzugehen, wenn sie nicht mehr in der Lage ist, den Brandschutz zu leisten", erklärt Kreisbrandrat Timm Vogler.

Die Diskussionen in der Feuerwehr Burgstall gingen schon einige Jahre. "Die Auflösung der Feuerwehr war ein schleichender Prozess", sagt Michaela Fischer, ehemalige stellvertretende Kommandantin der Burgstaller Feuerwehr.

Bereits weit vor ihrer Zeit als Kommandantin gab es personelle Engpässe, die sich nicht nur an der Kommandantenposition bemerkbar machten. 2014 übernahm sie diese zusammen mit Roman Dänner.

Bei einer Versammlung im Juli 2016 wurden die beiden Kommandanten dazu aufgerufen innerhalb eines Jahres einen Kommandantenlehrgang zu absolvieren und eine Leistungsprüfung abzuhalten - aber nicht nur das wurde thematisiert.

"Bereits dort gab es die Diskussion, ob die Feuerwehr Burgstall mit der Feuerwehr in Wolfsloch oder Hochstadt zusammengelegt werden sollte. Ich war für die Zusammenlegung. Das Vereinsleben war zwar gut bei uns, aber die Einsatzübungen waren schon nicht mehr so toll", sagt Michaela Fischer. "Ich hätte mir durchaus vorstellen können, die Einsatzaktivität nach Wolfsloch zu verlegen und das Vereinsleben trotzdem bei uns weiterlaufen zu lassen."

Die Feuerwehrler sprachen sich aber mehrheitlich gegen die Zusammenlegung aus und es wurde verdeutlicht, dass sich etwas verändern muss im bisherigen Verhalten, damit die Arbeit der Feuerwehr funktionieren könnte.

Für den funktionierenden Einsatz einer Feuerwehr sind Prüfungen und Ausbildungen abzulegen und auch regelmäßige Übungen müssen stattfinden. In Burgstall gestaltete sich das aber schwierig.

"Die Bereitschaft der Kameraden an Übungen teilzunehmen, war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr gering. Und das änderte sich auch nicht", sagt Roman Dänner.

"Auf dem Papier waren wir so um die 20 Leute, aber wirklich aktiv dabei waren vielleicht nur fünf bis sieben", sagt Michaela Fischer. "Für die Durchführung einer Übung hätte man aber circa zehn Leute gebraucht", fügt Roman Dänner hinzu.

Leistungsprüfungen, wie sie in der Sitzung gefordert wurden konnten so nicht durchgeführt werden. Und bereits lange bevor Roman Dänner und Michaela Fischer den Komandantenposten übernommen haben, fanden bereits keine Prüfungen mehr statt.

"Es ist nicht möglich, innerhalb kurzer Zeit eine Feuerwehr gegen die Wand zu fahren, das ist ein schleichender Prozess über viele Jahre hinweg", sagt Michaela Fischer.

Im Sommer 2017 traten Roman Dänner und Michaela Fischer von ihrem Kommandantenposten zurück und verließen die Feuerwehr Burgstall. Den Komandantenlehrgang absolvierten sie nicht.

"Jetzt im Nachhinein können wir sagen, dass wir uns die Arbeit leichter vorgestellt hatten, als sie dann wirklich war. Und wir haben bestimmt nicht immer richtig gehandelt und auch Fehler gemacht", sagt Michaela Fischer.

"Das Hauptproblem in Burgstall war der fehlende Nachwuchs und die Bereitschaft im aktiven Dienst zu stehen", meint Roman Dänner. "Wenn sich nur wenige an Übungen oder Lehrgängen beteiligen, dann fragt man sich auch selbst, ob man einen Komandantenlehrgang überhaupt absolvieren soll."

"Auf der Mitgliederliste waren einige Namen, die ich nie gesehen habe und die, die da waren, konnten aus Altersgründen nicht mehr alle an den Einsätzen teilnehmen", sagt Michaela Fischer, "und Nachwuchs ist leider auch keiner da."

Als Nachfolger trat Dieter Wittmann den Posten des Komandanten an. Er absolvierte den Komandantenlehrgang, aber auch das konnte das Ende der Feuerwehr in Burgstall nicht mehr aufhalten.

"Der Schutzbereich von Burgstall wird jetzt Hochstadt zugeordnet. Der dortige Komandant ist jetzt auch für Burgstall zuständig. Die Feuerwehrleute können sich innerhalb der Gemeinde selbst aussuchen, welcher Wehr sie sich anschließen wollen", sagt Kreisbrandrat Vogler.

"Ich bedauere es sehr, dass es die Feuerwehr in Burgstall nicht mehr gibt. Mit jeder Feuerwehr, die sich auflöst, stirbt auch das gesellschaftliche Leben mit. Denn dafür ist die Feuerwehr auch sehr wichtig", sagt Timm Vogler.

"Es ist schade für die Gemeinschaft. Wir haben schöne Feste gefeiert und alle Leute konnten dabei sein, auch die, die keinen Einsatz mehr machen konnten. Das wird es so jetzt nicht mehr geben", sagt Michaela Fischer.



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