Bad Staffelstein
Sport

Damit die Jugend nicht baden geht

Eine Aktion des Bad Staffelsteiner Aqua Riese wirft ein Licht auf den Wandel im Schwimmsport.
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Schüler aus den Klassen 2 und 3 aus Frauendorf und Uetzing toben sich im Aqua Riese aus. Mit einer Aktion will das Hallenbad für das Schwimmen werben.Tobias Kindermann
Schüler aus den Klassen 2 und 3 aus Frauendorf und Uetzing toben sich im Aqua Riese aus. Mit einer Aktion will das Hallenbad für das Schwimmen werben.Tobias Kindermann
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Es ist eine ungewöhnliche Aktion. Das Aqua Riese in Bad Staffelstein lädt alle Grundschüler im Landkreis Lichtenfels zu einem kostenlosen Besuch ein - zusammen mit dem Klassenlehrer in der Freizeit. Ein entsprechendes Schreiben ging vor kurzem an alle Schulen raus. Die Resonanz ist gut.

"Unser Fax steht kaum still", sagt René Michel, stellvertretender Betriebsleiter in dem Freizeitbad. Etwa ein Viertel der Schüler haben schon Interesse bekundet, bis jetzt 700 Mädchen und Jungen.

Das ist eine positive Meldung in Zeiten, in denen das Schwimmen als Sportart etwas ins Abseits geraten ist. Die Szene ist im Wandel - und die Aktion des Bad Staffelsteiner Hallenbades ein Ausdruck dieser Veränderungen. Denn im organisierten Schwimmsport hat ein radikaler Wandel eingesetzt. Die Zahl der Schwimmvereine und Schwimmabteilungen in Vereinen und ihrer Mitglieder ist in den vergangenen Jahren bundesweit drastisch zurückgegangen, auch im Landkreis Lichtenfels. Das zeigt die Statistik des Bayerischen Landes-Sportverbands. 2006 gab es im Landkreis Lichtenfels noch vier Vereine/Abteilungen mit 206 Mitgliedern, zum Jahresende 2017 nur noch drei mit 84 Mitgliedern.

"Wir unterstützen die Vereine wo wir können, aber dort werden nicht mehr alle Menschen erreicht", sagt Martin Lüders, Geschäftsführer des Aqua Riese. Denn Vereine, Schwimmbadbesitzer und Betreiber sitzen in einem Boot - sozusagen. Um eine so kostenintensive Einrichtung auszulassen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen.

Hallenbäder befinden sich an vielen Orten noch in kommunaler Trägerschaft oder werden von einer kommunalen Gesellschaft betrieben, wie etwa das Bambados in der Stadt Bamberg, dessen Träger die Stadtwerke Bamberg sind. In Bad Staffelstein ist das Hallenbad von der Stadt verpachtet worden und es gibt einen Zuschuss, denn diese Einrichtungen erwirtschaften aus eigener Kraft keinen Gewinn. Der Gedanke dahinter: Eine Firma mit Know-How betreibt so eine Einrichtung besser - und dank der Effizienz auch für die Kommunen günstiger. Denn die benötigen ihre Schwimmbäder für den Schulsport, am Vormittag ist das 25-Meter-Becken des Aqua-Riese mit den Schulen aus den Kommunen Bad Staffelstein und Ebensfeld gut gebucht. Man braucht aber dort auch die Vereine. Und auch die Freizeitschwimmer. Hier gibt es ebenfalls Konkurrenz: Als das Bambados in Bamberg eröffnete, gingen die Besucherzahlen in Bad Staffelstein um rund 15 Prozent zurück. Inzwischen liegt man sogar wieder über dem Niveau vor der Eröffnung des Bamberger Spaßbades, bei rund 102 000 Gästen im Jahr, sagt Martin Lüders.

Abstieg einer Sportart

Erst vor wenigen Tagen fand sich auf dem Kanal der ARD-Sportschau auf Facebook ein Video, in dem das Thema unter dem Aspekt Sportförderung betrachtet wird. Deutschland, so heißt es da, habe eine stolze Vergangenheit als Schwimmsportnation. Doch die sei vorbei. Mit Berufung auf Quellen der DLRG wird dort auch thematisiert: Die Hälfte der 10-Jährigen heute seien Nichtschwimmer, 2005 seien es ein Drittel gewesen und in den 1990er-Jahren nur zehn Prozent.

Wo liegt das Problem: "Es genügt nicht, das Seepferdchen zu machen. Man muss das Schwimmen weiter üben und vertiefen, mindestens einmal die Woche", sagt Martin Lüders. Deshalb gibt es auch entsprechende Angebote im Aqua Riese.

Wer als junger Mensch richtig schwimmen gelernt habe, könne es als Erwachsener auch noch. Dann ginge es eher um Dinge wie Kondition. "Und natürlich empfehlen wir Schwimmen als einen Sport, der die Gelenke nur wenig belastet."

Doch wie will man das Schwimmen dem Nachwuchs schmackhaft machen. "Mit Spaß", sagt Lüders. Man hoffe so, das Interesse zu wecken - und dass die Jugendlichen besser schwimmen lernen wollen.



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