Bad Staffelstein
Naturschutz

Damit die Bienen Futter finden

Die Stadt Bad Staffelstein und der Bayerische Bauernverband starten die Aktion "Unsere Stadt blüht auf" und legen eine Wiese am Lärmschutzwall an.
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Die Autofahrer, die sich dem Kreisel an der Bahnhofsunterführung in Richtung Obermain-Therme nähern, wirken etwas irritiert. Hans-Karl Hertel aus Horsdorf ist mit seinem Traktor unterwegs auf dem Grünstreifen entlang des Lärmschutzwalles in einer großen Wolke aus Staub, so dass man kaum erkennen kann, was er da macht. Auf der gegenüberliegenden Seite steht eine kleine Schar an Menschen, die das Ganze beobachtet.

Hier entsteht eine Blühwiese auf städtischem Grund, Hans-Karl Hertel ist dabei, das Saatgut in den Boden einzubringen.

Keine Bedenken, weil es seit Tagen wieder strohtrocken ist? "Der Samen hält ein paar Wochen im Boden durch", sagt er. Da werde schon noch genug Regen kommen. Kreisobmann Michael Bienlein vom Bauernverband greift anschließend in die Vorratskammer der Drillmaschine und nimmt etwas Saatgut in die Hand. "Riechst Du den Kümmel?", meint er mit Blick zu Heinrich Kunzelmann, Geschäftsführer der Raiffeisen Waren GmbH aus Ebensfeld, der das Saatgut mitgebracht hat. "Es sind sogar zwei Sorten darunter", antwortet der. Insgesamt 16 verschiedene Arten Kräuter und Blumen finden sich in der Mischung, aus der am Bahndamm eine Blühwiese für Insekten entstehen wird, besonders für Bienen.

Idee vom Autofrühling

Die Idee dazu entstand beim Bad Staffelsteiner Autofrühling im März, auf dem der Bayerische Bauernverband mit einem Stand vertreten war. "Da kamen wir mit Bürgermeister Jürgen Kohmann ins Gespräch", sagt Kreisbäuerin Marion Warmuth. Wo könnte man in Bad Staffelstein Blühwiesen anlegen - und wie sollte man dabei vorgehen? "Wir haben viele Baulücken im Stadtgebiet und hoffen, dass Grundstücksbesitzer bei unserer Aktion dabei sind", sagt Jürgen Kohmann (CSU). Das Areal am Bahndamm gehört der Stadt, die mit gutem Beispiel vorangeht. Der Plan: Besitzer stellen die Fläche, durch Spenden wird der Samen bezahlt, Landwirte legen die Flächen kostenlos an. "Wir werden dazu ein Spendenkonto bei der Raiffeisen-Volksbank Bad Staffelstein eröffnen. Für alle Informationen kann man sich an mich wenden."

Das erste Saatgut sponsorte die Raiffeisenbank. So ein kleines Stück Natur anzulegen ist nicht gerade günstig: Zehn Kilogramm kosten 135 Euro. "Das Saatgut muss sehr aufwendig in speziellen Sortiermaschinen gewonnen werden", erläutert Michael Bienlein. Etwa 50 Kilo benötigt man, um einen Hektar Blühwiese anzulegen.

Das Thema war vor allem durch das Volksbegehren "Rettet die Bienen" in den Fokus gerückt. Mitte Februar wurde das Volksbegehren mit 18,4 Prozent in Bayern angenommen und hatte damit nicht nur die Hürde von zehn Prozent deutlich übersprungen, sondern entwickelte sich zum erfolgreichsten Volksbegehren in der bayrischen Geschichte. Es soll in einen Gesetzentwurf münden, der zu mehr Artenschutz führt. Die Bauernverbände kritisierten die Pläne vor allem deshalb , weil sie dabei als einzige Berufsgruppe belastet würden und starteten unter dem Gesichtspunkt einer gesellschaftlichen Solidarität verschiedene Aktionen.

Wenig Resonanz

Die Landwirte Lukas Hatzold und Georg Weiß etwa boten über eine Zeitungsanzeige Blühpatenschaften für einen Euro/Quadratmeter bei Wolfsdorf an. "Die Resonanz fiel gering aus", sagt Marion Warmuth. Die Aktion mit der Stadt Bad Staffelstein soll nun ein weiterer Versuch sein, den Naturschutzgedanken durch aktives Mitwirken Vieler breiter aufzustellen.

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