Kloster Banz
Interview

Damit der Patient mitreden kann

Am kommenden Samstag können sich Krebspatienten und Angehörige auf Kloster Banz informieren.
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Interdisziplinäre Zusammenarbeit wie in Videokonferenzen ist für die Behandlung von Krebspatienten immer wichtiger geworden. Foto: Privat
Interdisziplinäre Zusammenarbeit wie in Videokonferenzen ist für die Behandlung von Krebspatienten immer wichtiger geworden. Foto: Privat
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Wer an Krebs erkrankt ist, kann mehr sein als nur Patient, er kann sich aktiv informieren: Zum 16. Mal findet am Samstag, 6. Oktober, auf Kloster Banz eine Vortragsreihe des Tumorzentrums Oberfranken statt, die Betroffenen und Angehörigen Wissen vermitteln soll und bei der Mediziner in einer Fragestunde persönlich Auskunft geben. "Krebs: Fragen und Antworten jenseits der Schulmedizin" heißt das Motto der Veranstaltung, die um 9.30 Uhr beginnt und bis 16 Uhr dauert. Der Eintritt ist frei. Mitorganisator Prof. Dr. Gerhard G. Grabenbauer vom Onkologischen Zentrum des Klinikverbundes Regiomed und Sprecher des Tumorzentrums Oberfranken erklärt, was die Besucher erwarten dürfen.

Was wollen Sie mit dieser Veranstaltung erreichen? Grabenbauer: Einer der zentralen Gründe, warum das Tumorzentrum Oberfranken gegründet wurde, ist die Information der Patienten zum Thema Krebs. Ich denke, dass es da ein starkes Defizit in unserer Region gibt. Im Raum Erlangen etwa finden unzählige Informationsveranstaltungen für Betroffene statt. Das ist auch logisch, weil es eine Universitätsstadt ist. Hier auf dem Land dagegen habe ich das Gefühl, dass die Leute nicht so informiert sind und auch weniger zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Ein informierter Patient ist derjenige, bei dem die Behandlung besser läuft, weil er mitdenken kann. Welche Fragen muss ich stellen? Was interessiert mich am meisten? Das wollen wir in der Veranstaltung angehen.

Fünf Vorträge stehen an diesem Tag auf dem Programm. Was dürfen die Besucher erwarten? Im ersten Vortrage geht es um das Thema "Dr. Internet". Ich erlebe es immer wieder, dass Patienten monatelang sich über ein Symptom, das sie haben, nur dort informieren. Nehmen wir einmal an, jemand hat Blut im Stuhl. Im Internet liest er dann, das ist eine Hämorrhoide. Doch in Wirklichkeit kann es auch Krebs sein. Diese Art der Pseudoinformation aus dem Internet ist eben nicht immer zutreffend. Der Patient wiegt sich aber trotzdem in einer gewissen Sicherheit. Das Thema wird Privatdozent Dr. Jochen Willner vom Klinikum Bayreuth aufgreifen und auch zeigen, dass es gute Informationsquellen im Internet gibt.

Der Titel des zweiten Vortrags klingt für eine medizinisch geprägte Veranstaltung ungewöhnlich: "Spiritualität als Ressource". Ja, hier haben wir zudem auch noch eine evangelische Pfarrerin als Referentin in einem katholisch geprägten ehemaligen Benediktiner-Kloster gewonnen, Susanne Thorwart aus Coburg. Doch das ist auch ein wichtiges Thema für uns. Menschen, die einen spirituellen Hintergrund haben, kommen immer besser durch die Therapie. Sie sind besser fokussiert, besitzen mehr Lebensqualität, haben mehr Vertrauen in die Zukunft.

Mit dem dritten Vortrag widmet man sich auch einem Bereich außerhalb bzw. am Rande der Schulmedizin. Hier geht es um Komplementärmedizin. Diesen Teil übernimmt Prof. Jost Langhorst von der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin aus Essen, der in Kürze nach Bamberg wechseln wird. Er informiert auch, welche Therapie für den Patienten in seiner jeweiligen Situation sinnvoll ist. Diese Frage ist absolut wichtig zu stellen, denn viele Patienten wünschen hier zusätzliche flankierende Therapie-Maßnahmen. Immer gilt hier die Maßgabe: Nütze ich dem Patienten? Oder kostet es nur viel Geld?

Beim vierten Vortrag wird wie beim Thema "Spiritualität" ebenfalls kein Arzt Referent sein. Ja, es geht um "Achtsamkeit und Prävention". Prof. Niko Kohls ist Psychologe an der Hochschule Coburg. Hier geht es darum: Wie nehme ich meinen Körper wahr? Gehe ich achtsam mit ihm um? Oder mute ich ihm einen unregelmäßigen Tagesrhythmus, Stress, Angst etc. zu - oder gar Nikotin und Alkohol? Und: Wie kann ich robust, selbstsicher und vertrauensvoll in die Zukunft gehen?

"Sport und Ernährung bei Krebs" steht am Schluss des Vormittags. Das ist eines der wichtigsten Themen überhaupt. Dazu tragen PD Dr. Christoph Lamberti aus Coburg und Dr. Peer Medau von der Medau-Schule Coburg vor. Dreimal in der Woche eine halbe Stunde Bewegung senkt das Risiko, dass der Patient bei Krebs einen Rückfall bekommt, um etwa fünf bis zehn Prozent. Schon im Kindesalter sollte man keine Chips und Pommes essen, einfach weil da giftige Stoffe drin enthalten sind. Gerade die Leute auf dem Lande sollten wissen, dass man die Lebensmittel primär verarbeiten sollte. Also sie nicht erst 25 industrielle Schritte durchlaufen lassen, bis man sie isst. Eine Kartoffel kann man nach dem Kochen einfach so verzehren, sie muss nicht frittiert werden.

Das hört sich ja an, als würde man sich an die Menschen allgemein wenden, nicht nur an Krebspatienten? Die Menschen, die ich hier sehe und die Krebs haben, die fragen genau nach diesen Dingen. Die wollen auch in ihrem Leben selbst etwas verändern und dazu beitragen, dass sie gesund bleiben.

Und mit so einem Verhalten können sie aktiv dazu beitragen. Das ist sekundäre Prävention. Ansonsten muss der Patient meist die Therapie passiv hinnehmen. 10 000 Schritte am Tag machen, das ist ein Ziel, das er sich selber setzen kann, damit der Krebs nicht mehr kommt.

Gab es in der jüngsten Vergangenheit medizinische Fortschritte, die besonders hervorzuheben sind? Die medizinischen Fortschritte durch neue Medikamente und bessere Bestrahlungstechniken gibt es immer wieder, aber ich möchte etwas anderes hervorheben, was sich in den vergangenen Jahren besonders verändert hat: Das ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Alle an der Krebserkrankung beteiligten Disziplinen setzen sich an einen Tisch und suchen den besten individuellen Weg für den Patienten. Wir machen seit eineinhalb Jahren Videokonferenzen, die sich sehr bewährt haben. Das ist mittlerweile flächendeckend in Oberfranken etabliert.

Das Gespräch führte Tobias Kindermann.



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