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Bad Staffelstein
Wirtschaft

Corona-Krise: Moll muss die Produktion einstellen - Werk in Bad Staffelstein wird geschlossen

320 Beschäftigte gehen in Kurzarbeit. Firmenchefin Gertrud Moll-Möhrstedt lobt die Umsicht, mit der alle Betroffenen mit der Situation umgehen.
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Da die europäischen Automobilwerke ihre Produktion einstellen, muss auch Moll seine Fertigung herunterfahren. Fotos: Matthias Einwag
Da die europäischen Automobilwerke ihre Produktion einstellen, muss auch Moll seine Fertigung herunterfahren. Fotos: Matthias Einwag
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Ab der kommenden Woche werden nach und nach europäische Produktionsstätten vieler Automobilhersteller herunter gefahren, dazu gehören der VW-Konzern mit all seinen Marken, also Volkswagen, Audi, Porsche und Seat und weitere, Daimler-Benz und BMW. Auch in den USA schließen General Motors und Ford inzwischen Werke. Die Mitarbeiter sollen geschützt werden.

Das hat Folgen für die Zulieferer vor Ort: Ab Montag wird auch bei Moll-Batterien das Werk in Bad Staffelstein geschlossen. Seit Mittwoch bereitet man sich darauf vor, die etwa 320 Mitarbeiter werden Kurzarbeitergeld bekommen, vor Ort ist nur noch eine kleine Besatzung, um restliche Warenlieferungen anzunehmen, Teile der Produktionsanlagen zu betreuen und Auslieferungen aus Lagerbeständen vorzunehmen. Zudem wird eine Herstellungsline in Betrieb gehalten, um in geringen Stückzahlen Batterien für Abnehmer außerhalb der Autoindustrie herzustellen.

Unübersichtliche Lage

Die Lage bei den Automobilwerken ist unübersichtlich, wie lange tatsächlich geschlossen werden muss, ist noch nicht zu übersehen. "Da kommen unterschiedliche Aussagen", sagt Geschäftsführerin Gertrud Moll-Möhrstedt. "Wir befinden uns in einer dramatischen Situation."

Die Materiallieferanten sind schon informiert, der Notdienst ist nur noch da, falls doch noch ein Laster vor den Toren steht. Zudem hält man natürlich Auslieferungen an Kunden außerhalb der Autoindustrie, die Moll-Batterien einsetzen, aufrecht. "Aber auch hier wissen wir nicht, wie lange diese Firmen noch fertigen können."

Moll ist nicht der einzige Autozulieferer, der nun vor großen Problemen steht, das sei auch in einer Telefonkonferenz mit Vertretern weiterer Unternehmen deutlich geworden, die der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch organisierte und an der auch Gertrud Moll-Möhrstedt teilnahm. Sie soll künftig wöchentlich stattfinden, mit dabei sind Vertreter aus den obersten Management-Ebenen. Am vergangenen Mittwoch etwa wurde der VW-Konzern von Porsche-Chef Oliver Blume vertreten. Porsche und Audi gehören zu großen Abnehmern der Batterien aus Bad Staffelstein.

Die Politik hat verstanden

Zwar liefen schon Förderprogramme an, sagt Gertrud Moll-Möhrstedt. "Doch das sind nicht die Liquiditätshilfen, die wir benötigen." Viele Firmen, auch Moll, hätten die Lager voll mit Material, das nun nicht verarbeitet werden könne. "Das bindet unser Kapital. Hier muss etwas geändert werden." Sie habe aber den Eindruck, dass dies verstanden worden sei: "Aus der Politik kamen bisher viele positive Impulse. Es ist klar, dass das noch nicht alles durchdacht sein kann."

Denn man müsse schon jetzt die Zeit betrachten, wenn die Werke ihre Arbeit wieder aufnehmen: "Fehlen dann Teile von Zulieferern, weil sie insolvent gegangen sind, wird das zu weiteren großen Schwierigkeiten führen." Deshalb müsse es auch im Insolvenzrecht befristete Ausnahmeregelungen geben, die die Corona-Krise berücksichtigen.

Die Beschäftigten bei Moll erhalten Kurzarbeitergeld, gearbeitet wird aber nicht. Für sie bedeutet das, dass sie weiterhin Lohn bekommen, etwa zwei Drittel des normalen Gehaltes, Unverheiratete etwas weniger (60 Prozent).

Personal zieht mit

"Wir treten von übervollen Auftragsbüchern auf die Vollbremse", sagt Moll-Möhrstedt. Es sei ein schönes Gefühl, wie alle mitziehen würden. "Sie machen gut mit und denken auch selbstständig an die vielen Kleinigkeiten, die es nun zu beachten gilt. Es gibt großes Verständnis für die Situation unter den Mitarbeitern. Ich hoffe, dass die Menschen draußen auch so vernünftig reagieren."

Konsequent handeln

Persönliche Befindlichkeiten müssten in der aktuellen Lage in allen Bereichen zurückstehen. "Rumeiern hilft nicht, und wir müssen konsequent handeln."

Man solle mit gutem Beispiel vorangehen und sich auch klar äußern, sei es bei Nachlässigkeiten im Umgang mit der aktuellen Situation oder Hysterie. "Jetzt ist Klarheit nötig." Wenige Worte deutlich ausgesprochen würden mehr Ruhe schaffen als Floskeln, die nebulös blieben.

"Für uns ist das ein Novum in der 75-jährigen Firmengeschichte", sagt sie. Schon vorher hatte man begonnen, Mitarbeitern aus der Verwaltung die Möglichkeit zu geben, von zuhause aus zu arbeiten.

"Aus jeder Abteilung ist inzwischen mindestens ein Mitarbeiter in der Lage, im Homeoffice zu sein." Bislang gibt es keinen Fall einer Corona-Infektion unter den Beschäftigen bei Moll.

Gute Kontakte nach China

Moll besitzt seit dem Jahr 2014 wirtschaftliche Verflechtungen mit mit der chinesischen Chaowei-Gruppe, die Minderheitsgesellschafter bei Moll geworden ist. Das Joint-Venture ermöglichte Moll Investitionen am Standort in Bad Staffelstein, gleichzeitig verbesserten sich Zugangsmöglichkeiten auf dem chinesischen Markt. Der Coronavirus habe auch dort zu hohen wirtschaftlichen Einbußen geführt. "Die Werke für die Batterieproduktion standen mehrere Wochen still", sagt Gertrud Moll-Möhrstedt.

Projekt zurückgestellt

Die Werksschließung in Bad Staffelstein führt auch dazu, dass Moll den anlaufenden Handel mit Lithium-Ionen-Batterien des chinesischen Partners und weiterer Lieferanten verschieben muss, obwohl China wieder lieferfähig ist. "Wir sind gerade dabei, ein neues Geschäftsfeld aufzubauen."

Moll möchte die Angebotspalette für seine Kunden erweitern und als Lieferant aus einer Hand auftreten. "Wir haben dafür ein großeres Interesse bemerkt."

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