Burgkunstadt
100-Tage-Bilanz

Christine Frieß im Gespräch - Den Schreibtisch mag sie nicht

Die dunklen, wuchtigen Möbel im Amtszimmer stehen im Widerspruch zur Persönlichkeit der neuen Burgkunstadter Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU). Doch in den ersten Monaten nach ihrer Wahl gab es wichtigere Themen und andere Orte der Begegnung.
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Noch schnell ein Telefonat per Freisprecheinrichtung entgegennehmen, dann zieht es Bürgermeisterin Christine Frieß schon wieder fort von ihrem Schreibtisch im Rathaus. In den ersten 100 Tagen im Amt war sie viel unterwegs. Fotos: Ramona Popp
Noch schnell ein Telefonat per Freisprecheinrichtung entgegennehmen, dann zieht es Bürgermeisterin Christine Frieß schon wieder fort von ihrem Schreibtisch im Rathaus. In den ersten 100 Tagen im Amt war sie viel unterwegs. Fotos: Ramona Popp
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Der mächtige Sessel und der noch mächtigere Schreibtisch aus dunkel gebeizter Eiche passen so gar nicht zu Christine Frieß. Die schmale, drahtige Frau, die am liebsten Jeans mit modischen Gebrauchsspuren trägt, scheint darin ein wenig unterzugehen. "Es gefällt mir nicht", sagt sie klipp und klar. Wenn dann noch das Telefon klingelt und sie mit fester Stimme das Gespräch führt, steht aber außer Frage, dass hier die Chefin an ihrem Platz ist.

Die im März neu gewählte Bürgermeisterin war bislang mit anderen Dingen beschäftigt, als sich um die Einrichtung ihres Arbeitszimmers zu kümmern. Sie weiß längst, dass für eine große Umgestaltung kein Geld da ist und hält sich deshalb mit ihren Wünschen zurück. Ein paar Bilder habe sie abhängen lassen, merkt sie an, und wenn sie in den Wintermonaten dazukommen sollte, selbst wieder mal künstlerisch tätig zu sein, könnte vielleicht ein eigenes Werk der braunen Holzvertäfelung die Strenge nehmen. Wofür sie sich aber zeitnah einsetzen will, ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch, der dann mit ihr in Bewegung sein wird.


Viel in Bewegung

Die neue Bürgermeisterin ist viel in Bewegung. Privat, weil Sport ihre liebste Freizeitbeschäftigung ist, und dienstlich, weil mindestens die Hälfte der Arbeit nicht vom Schreibtisch aus zu erledigen ist. Lange Abende im Sitzungssaal des Rathauses gehören genauso zu diesem Amt wie Besuche bei Jubilaren, Präsenz bei Festen und anderen Veranstaltungen, Gespräche mit Mitarbeitern an deren Arbeitsplätzen oder die Sitzungsvorbereitung, die Christine Frieß (CSU) schon auch mal zuhause erledigt. "Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, dafür Sitzungsunterlagen durchgearbeitet und Grußworte formuliert", sagt sie. Gänzlich von der Aufgabe vereinnahmen lassen will sie sich jedoch nicht. Persönliche Freiräume gönnt sie sich in der Früh beim Laufen oder ab und an in der Mittagszeit bei ein paar Bahnen im Schwimmbad. "Der Sport ist für mich Ausgleich, daraus schöpfe ich meine Kraft." Laufen, Schwimmen und Golfen sind ihre Favoriten, gefolgt von Inlineskaten und Radfahren. Neue Ideen kämen während so einer Auszeit meistens gleich mit.

Dass sie für Freunde und Bekannte nicht mehr so viel Zeit hat, ist eine Konsequenz der immer noch anhaltenden Reihe von Antrittsbesuchen und der Vielzahl von Terminen in den ersten Wochen. "Ich habe fast alles mitgenommen, weil ich ja alle kennen lernen wollte", räumt sie ein, auf Dauer werde sie das in dieser Intensität wohl nicht weiter so handhaben. "Ich bin froh über meine zwei Stellvertreter und ich werde ihr Angebot auch annehmen, um mich zu entlasten", kündigt sie an. Auf die Umstellung zu ihrem bisherigen Beruf angesprochen, betont Christine Frieß, auch für Lehrer gebe es Tage, an denen man ab 7 Uhr im Dienst sei und abends noch Elternabend habe. Nun müsse sie lernen, flexibel mit Terminen umzugehen.

Gut vorbereitet sah sie sich in ihrem ersten Seminar, das bereits Anfang Mai neu gewählten Bürgermeistern in Bayern Grundlagen für den Start im Amt vermittelte. Hatte sich doch schon am Tag nach der Wahl Burgkunstadts Geschäftsleitender Beamter Sven Dietel telefonisch bei ihr gemeldet und sie zu Gesprächen ins Rathaus eingeladen.


Ernüchternde Situation

Die detaillierte Darlegung der finanziellen Situation der Stadt durch die Kämmerin war für Christine Frieß ernüchternd, wie sie zugibt. Das Landratsamt hatte den vorgelegten Haushaltsplan abgelehnt. Sie habe als Stadträtin wohl gewusst, dass gespart werden muss, doch "so deutlich haben wir das nicht gesehen". Ihr "Lieblingsthema" Cabrio-Bad, die Idee, durch bauliche Veränderungen eine Ganzjahresnutzung des Burgkunstadter Freibades zu ermöglichen, hat Frieß dennoch nicht ad acta gelegt. "Ich habe Gespräche geführt, wie es weitergehen soll."

Einen Experten in Sachen Bäderbau konnte sie bereits im Rathaus empfangen, gemeinsam mit der Nachbargemeinde Altenkunstadt möchte sie das Ziel verwirklichen, dabei natürlich die Fördermöglichkeiten ausschöpfen. Sparen hin oder her. "Man muss auch etwas tun, wir wollen hier doch nicht strukturell ausbluten." Schwimmen sei schließlich eine der gesündesten Sportarten, und dies wäre eine Investition für Jung und Alt, Einheimische und Touristen. Und wenn sich dann noch das angedachte DLRG-Stützpunktzentrum verwirklichen ließe, wäre das "der Hit". Zeitlich einzuordnen vermag sie den möglichen Badumbau nicht, aber sie sagt: "Wenn es nach mir ginge, würden wir nächstes Jahr bauen."

Hier also Zuversicht, in anderen Angelegenheiten hat Christine Frieß dagegen das Gefühl der Machtlosigkeit erleben müssen. Stichwort Rettungswache, die für die Stadt Burgkunstadt zumindest vorerst verloren ist. "Wir haben alles Menschenmögliche getan", unterstreicht sie. "Es ist halt so."

Die Entscheidung, dass die Grundschule in Mainroth keine Zukunft haben wird, fällte der Stadtrat am Dienstag auf Antrag der Freien Wähler mit ihrer Stimme. Eine Entscheidung aus pädagogischen Gesichtspunkten und aus Kostengründen. Leicht gefallen sei sie ihr nicht, sagt Frieß, Verständnis könne sie auch für die andere Haltung aufbringen. Im Stadtrat, so glaubt sie, seien durchaus alle Fraktionen an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert.
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