Michelau
Musik

Chor würdigt das Leben von Luthers "Herrn Käthe"

Katharina von Bora widmete der Chor "Cantica Nova" in der Michelauer Johanneskirche ein Kirchenkonzert zum Lutherjahr.
Artikel drucken Artikel einbetten
In ihrem Kirchenkonzert würdigten die Sängerinnen von "Cantica Nova" die Persönlichkeit der Ehefrau Luthers, Katharina von Bora. Rechts  die Leiterin Monika SchilkowskiFoto: Klaus Gagel
In ihrem Kirchenkonzert würdigten die Sängerinnen von "Cantica Nova" die Persönlichkeit der Ehefrau Luthers, Katharina von Bora. Rechts die Leiterin Monika SchilkowskiFoto: Klaus Gagel
Man musste ihn schon zu nehmen wissen, diesen Martin Luther. Er war nicht nur der ehemalige Augustinermönch, bedeutende Theologieprofessor und Kirchenrebell, sondern auch ein Genussmensch, beheimatet in der teilweise recht derben Sprache seiner Zeit. Keine kannte ihn wohl besser in all seinen Facetten, als seine Ehefrau Katharina von Bora.

Ihr widmete der Chor Cantica Nova am Freitagabend in der Michelauer Johanneskirche sein Kirchenkonzert zum Lutherjahr. Schon in ihrer Begrüßung der zahlreichen Gottesdienstbesucher würdigte die Chorleiterin Monika Schilkowski die Persönlichkeit und die Leistungen des "Herrn Käthe", wie Luther seine Käthe liebevoll nannte.


Bei Lucas Cranach gearbeitet


Katharina hatte im Kloster und im Haushalt des Malers Lucas Cranach Kochen, Backen und sogar das Brauen gelernt. Sie verfügte über Erfahrung und ein großes Organisationstalent, was sie wohl auch brauchte angesichts der sechs Kinder, die sie Luther schenkte. Vor allem konnte sie besser mit Geld umgehen als ihr 16 Jahre älterer, sehr großzügiger Mann. Um die vielen Menschen im Hause Luther zu verköstigen, bewirtschaftete sie Ländereien, betrieb Viehzucht und braute Bier.


Eine unentbehrliche Gefährtin


Sie war eben eine starke und außergewöhnliche Frau an der Seite des Reformators, der lange Zeit sogar für "vogelfrei" erklärt worden war. Für Luther war sie eine unentbehrliche Gefährtin und Beraterin. Somit war es längst an der Zeit, Katharina von Bora musikalisch zu würdigen. Wer wäre besser dazu geeignet als ein Chor aus lauter Frauen.

Musikalisch und in kurzen Texten zeichnete der Chor ein Bild der Lutherin. Ihr Gottvertrauen kam zum Ausdruck im rockigen "Jesus my salvation" und im getragenen "Herr, wir beten dich an". "Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe", lautete das Zitat das man Katharina in den Mund gelegt hatte, musikalisch ausgedrückt im "Hosianna - wir wollen dir danken".

Ihre Sorge um das Wohlergehen aller Tischgenossen wurde deutlich in dem Lied "Ein freundlicher Blick" und dem Lobpreis "Come let us sing". Hinweise auf die Probleme unserer Zeit lieferten Katharinas Gebete um das Gedeihen der Früchte auf dem Feld.


Mensch gleich Mann


Kritisch, fast schon ironisch charakterisierte Katharina von Bora den Unterschied zwischen Mann und Frau. "Der Mensch sei von Natur aus ein Nachbedenker und kein Vorbedenker", so hatte ihr Mann Martin gesagt. Süffisant merkt Katharina an, dass Luther mit Mensch eigentlich den Mann gemeint habe. Frauen seien anders, die blicken voraus und weniger zurück. "Du wirst aus Schaden klüger und ich aus Vorsicht", gab sie ihrem Ehemann zu bedenken.


"Hier stehe ich in der Kraft, die Christus mir gibt"


"Hier stehe ich in der Kraft, die Christus mir gibt", verkündete Katharina von Barbara, der Barbara Nehling eindrucksvoll Stimme verlieh. Und diese Kraft benötigte sie auch angesichts von nicht weniger als 37 hungrigen Mäulern am Tisch und eines selbstbezogenen Ehemanns, der nur von "mein Sohn" und "mein Gott" redete.

Saltatorisch leitete das frohgelaunte Lied "Lobtanzen und Lobsingen" zum positiven Ausblick über. "Wieso sollten wir Frieden nicht schon zu Lebzeiten finden, sondern erst im Grabe? Frieden muss man stiften. Um Frieden muss man kämpfen und ringen. Wenn Frieden in jedem Haus ist, ist Frieden im ganzen Land," lautete das Schlusswort von Katharina von Bora am Ende eines einfühlsamen Kirchenkonzerts, für das sich die Besucher mit lang anhaltenden stehenden Ovationen bedankten.

Mit dem Wunsch auf eine gute Heimkehr stellte der Chor "Cantica Nova" als Zugabe mit dem "Bewana, U sehemu Yangu" die Verbindung zum Partnerdekanat in Tansania her und schloss mit dem Lobpreis "Come on let's celebrate!"

Ein Lob auch dem Pianisten Eduard Herold und dem Mann an der Technik, Ullrich Nehling.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren