Burgkunstadt
Projekt

Burgkunstadter Udo Langer auf den Spuren von Jules Vernes

"Klangfeder" ist ein musikalisches Aushängeschild Burgkunstadts. Jetzt erscheint Udo Langers neuestes Werk "Jules Vernes Abenteuer" auf 888 CDs.
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"Jules Vernes Abenteuer" bildeten die Grundlage für Udo Langers neuestes Werk. Foto: Mathias Walther
"Jules Vernes Abenteuer" bildeten die Grundlage für Udo Langers neuestes Werk. Foto: Mathias Walther
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Von einem Werk, "für das man sich 75 Minuten seines Lebens Zeit nehmen sollte" spricht Eroc, einer der begehrtesten Musikproduzenten, Toningenieure und Soundbastler, den die Republik zu bieten hat. Gemeint ist das neueste Musikspektakel aus der Klangfeder des Burgkunstadters Udo Langer. "Jules Vernes Abenteuer", eine Erzählung, die drei Schulfreunde nach 30 Jahren gemeinsam in die Welt des visionären Literaten eintauchen lässt - herausgefordert von Aufgaben, die letztlich zum Weg zu sich selbst führen.

Die jetzt vorliegende CD ist mehr als nur ein Tonträger, mehr als eine Dokumentation kreativen Schaffens. Udo Langer lädt bereits im ersten der 19 Musiktitel - "Kommen Sie mit" - dazu ein, "dieses uferlose Beben in Sekunden traumerfüllt" zu erleben. Eingespielt von der Crew um Langer - er frönt dem Klavierspiel und spielt so ziemlich alles, auf dem sich Tasten drücken lassen - ist eine Produktion von Pop über Klassik bis hin zum Rock entstanden. Und wie es sich für ein echtes Abenteuer gehört, von einem "Felsenbauer" aus dem Fichtelgebirge gesponsert.

Bis zum Instrumentalepos

Andi Herold (Drums), Marco Hofmann (Gitarre) und Gerald Klimke (Bass), alle aus Burgkunstadt und Altenkunstadt, haben Ohrwürmer geschaffen, die von der Ballade bis zum Instrumentalepos reichen. Ergänzt wird das Team technisch durch Daniel Baier, Daniel Petterich und Roland Saar (alle aus Burgkunstadt) sowie nicht zuletzt durch Markus Häggberg, dem durch das Geschehen führenden Erzähler "Monsieur Fiction", und brillanten Gastsängern. So etwa Marko Schiefer aus Berlin, der zu den größten Soulstimmen am deutschen Soul-, Rock- und Pop-Himmel zählt. Leidenschaftlich intoniert das gefragte Joe-Cocker-Double mit seinem außergewöhnlichen, groovigen Organ auf Udo Langers neuem Album den Song "Schöne Helena".

Oder die Schweizerin Susan Schell, die in "Mutter Erde" zu überzeugen weiß und zum Nachdenken anregt: "Wenn schon bald das Meer verdreckt zu sterben scheint, und das Land verdorrt, ertrinkt mein Himmel, weint, ist es vorbei, fang ich neu an ... irgendwann ... ich hab' doch Zeit ..."

Langer hat kein schmusiges Märchen abgeliefert, sich aber auch nicht auf die romantisch verklärte "Gutmensch"-Seite verirrt. Eindrucksvoll durch ein 36-seitiges Booklet zur CD unterstrichen, ist Langer wohl der Mahner, aber auch derjenige, der mit seiner Erzählung versöhnliche Töne findet und seinen Botschaften eine klangvoll überzeugende musikalische Basis gibt. Es ist kein Retro-Gedudel, wenn die Protagonisten der Story sich nach 30 Jahren wieder treffen und beschließen, gemeinsam auf den Spuren Jules Vernes zu reisen. "Ich fahr nach 30 Jahren durch die Gassen meiner Heimatstadt, wo sind all die kleinen Läden hin? Leerstand, wie es amtlich heißt, Leerstand überall", so legt Langer im Song "Gestern war heute Morgen" auch den Finger in die Wunde der kommunalen kleinen Welt allerorten.

Auch wenn sich die Hauptdarsteller der Story - drei Männer um die 50, die sich wie zur Schulzeit bei Rosinenschnecken und Kakao treffen, um ihre Reise zu sich selbst zu starten, durch ein magisches Buch durch die Welt Jules Vernes treiben lassen, sind ihre Erlebnisse zwar abenteuerlich, schräg und visionär, aber dennoch immer hautnah am Puls unserer Zeit. Das gilt für die "Reise zum Mittelpunkt der Erde" ebenso wie für die "80 Tage um die Welt" oder die "Die 500 Millionen der Begum".

Faszinierende Klangerlebnisse

Und immer sind diese Erlebnisse von faszinierenden Klangerlebnissen untermalt. Insbesondere bei den Instrumentalstücken wird das einfühlsame und fantasievolle Können Udo Langers deutlich, etwa bei "Namaste", wenn er durch Trompeten der Elefanten deutlich werden lässt, dass man sich gerade im indischen Dschungel befindet.

Endstation - wie treffend. Udo Langer bringt es auf den Punkt: "Endstation, am Abend deiner Tage stellt sich für dich die Frage, wofür das ganze Tun? Reflektion, im Sprung wird sich erweisen, das Licht bringt dich zum Reisen." Dabei bringt der Weg in Richtung Endstation den Menschen freilich nicht nur in liebens- oder lebenswerte Gefilde, etwa beim Zwischenstopp in der "Stahlstadt" in Vernes "Die 500 Millionen der Begum": Hier ist es ein Instrumentalstück, mit dem Udo Langer apokalyptisch bedrückend Endzeitstimmung aufkommen lässt. Freilich nicht, ohne um eine Auflösung bemüht zu sein, wenn in "Komm, meine Seele" Friede die Gehörgänge des Zuhörers umschmeichelt.

Und wenn Langer bei der imaginären, musikalischen Reise zum Mond - und darüber hinaus in die Ferne des Universums ("Ich bin jetzt schwebend, staunend bei mir, in dieser Schwerelosigkeit, Stille trennt mich von zuhause, verrückt die wahre Wirklichkeit.") - sein Publikum "Liebe, laut oder leise" erfahren lässt, dann ist die Fiktion doch wieder haarscharf an der Realität. Man könnte sagen: schwebend, frei, ohne abgehoben zu wirken. In dieser Sequenz ist "Klangfeder" spacig, aber nicht spaßig.

Udo Langer, der auch für sein neues Werk, das teilweise bereits vor zwei Jahren entstanden ist, mit einem 1. und einem 2. Platz beim Deutschen Rock- und Pop-Preis 2018 ausgezeichnet wurde, ist ein Singer-Songwriter, der in der Tradition der Märchenerzähler zuhause ist. Das neue Album hat er in den "Klangfeder"-Studios Burgkunstadt von Juni bis August eingespielt.

Drei Aufführungen

Live vorgestellt wird das Musikspektakel multimedial am 25. und 26. Oktober jeweils ab 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr) im "Saal München" bei Regens-Wagner in Burgkunstadt (Tickets gibt es im Büromarkt Schulze in Burgkunstadt) und am 8. November ab 19.30 Uhr im Kaisersaal von Kloster Banz (Tickets bei der Kultur-Initiative Bad Staffelstein). Mehr Informationen gibt es unter www.klangfeder.de.

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