Lichtenfels
Aktion

Book-Slam am Lichtenfelser Meranier-Gymnasium: zwölf Bücher - zwölf Szenen

Drei Minuten hatten Gymnasiasten Zeit, ihr Publikum durch Schauspielerei zum Lesen zu animieren.
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Auch das ist Demokratie - Abstimmung über Literatur.  Fotos: Markus Häggberg
Auch das ist Demokratie - Abstimmung über Literatur. Fotos: Markus Häggberg
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Eigentlich bedeutet das englische Wort "to slam" so viel wie zuschlagen. Taucht es in Verbindung mit Poesie und Literatur auf, kann es aber bühnenreif und appetitanregend ausgehen. Am Meranier-Gymnasium war das die Folge eines Book-Slams am Freitag.

Es geht um das Vermuten. Vielleicht sogar um das Vermutendürfen. Am Ende wohl gar um das Vermutenwollen. Schüler sollen einem Buch zugutehalten, dass es faszinierend sein kann und etwas zu sagen hat. Erst recht im Alter von zwölf, 13 Jahren, denn da setzt nämlich der "zweite Leseknick" ein, eine zweite Unlust zu lesen, die Teenager überkommt und gegen die man etwas unternehmen sollte.

Nische für sich entdeckt

Unternehmerin und unternehmend auf diesem Gebiet ist die Kölnerin Stefanie Boor. Die Frau hat eine Nische für sich entdeckt und bringt das Rüstzeug mit, u. a. ein Studium der Literaturwissenschaften und eine Ausbildung zur Lesepädagogin. So stand Stefanie Boor auf dem Podium der Aula, etwas abseits versetzt vom Lichtkegel eines Scheinwerfers, vor sich die Jahrgangsstufen der siebten und achten Klassen, begrüßt von Direktor Stefan Völker und mit Komplimenten für das hiesige Gymnasium nicht sparend. "Tolle Schüler, tolles Kollegium, tolle Baulichkeit", schwärmte die Kölnerin, die beruflich auch schon in den USA und Kanada tätig wurde und sich unter Textpiraten (www.textpiraten.de) Literaturprojekte und ein Schreibatelier auf die Fahnen schrieb. Selbst im ARD-Morgenmagazin war die Frau schon zu Gast, und ihre Komplimente müssen keine Floskeln gewesen sein, denn es war schon Boors dritter Termin bzw. Kontakt mit dem Haus und seinen Schülern. Der von ihr vertretene Book-Slam steht nämlich auf drei Sockeln, beginnend ab dem vergangenen Januar. Da gab es Blinddates, eine Art Rendezvous der Schüler mit einer Auswahl an Jugendbüchern. "Die Bücher waren aber blickdicht verpackt", verrät Boor dazu. Hintergrund: Die Aufmachung sollte nicht ablenken, sollte dem Inhalt gegenüber nicht voreingenommen machen. So nahmen sich die Schüler in Gruppen jeweils eines der insgesamt zwölf Bücher an und überlegten zwischen einer Folgesitzung im Dezember und der Aufführung am Freitag, wie sich der Inhalt ohne Pointe und Ausgang zu nennen, für ein Publikum Interesse weckend szenisch anreißen lässt.

Doch das pädagogische Konzept, welches nicht nur von der Schule, der Universität Bamberg und dem Elternbeirat nebst schulischem Förderverein gestützt wurde, geht noch weiter. "Die Großen lernen von den Kleinen", erläutert Boor eine Konzeptfacette und spricht auch von basisdemokratischen Elementen. Eben weil es die Siebtklässler sind, die zu den Aufführungen der jahrgangshöheren Achtklässler Noten verteilen, soll sich die Leselust wiederum auch in ihr Herz pflanzen, und das brächte im Regelfall mit sich, dass es bei diesem für weiterführende Schulen gedachten Projekt im Folgejahr zu einer Wiederholung kommt.

Der 13-Jährige und Karl Marx

Wenn es nach Fabian Schütz und Tim Hammel aus der 8 a geht, steht einer solchen nichts im Wege. "Uns hat das Projekt gefallen, wir würden auf jeden Fall wieder teilnehmen", erklärt Tim Hammel rückblickend. Zwölf Jugendbücher - zwölf Szenen, gestaltet durch Schüler und am Vortag sogar mittels Generalprobe aufgeführt.

So war da beispielsweise dieser 13-Jährige, der für drei Minuten mit sich auf der Bühne spazierend Fragen zum Leben von Karl Marx aufwarf, so waren da auch Aufführungen mit Videoeinspielungen auf Leinwand, so kam es auch zur gespielten gewalttätigen Jugendkriminalität mit Aussicht auf Läuterung. Solche Themen hält Jugendliteratur bereit, ist somit aktuell, politisch und unterhaltend. Man muss eben lesen. Nach drei Minuten Aufführung erscholl der Pfiff, das gnadenlose Signal dazu, dass die Szene ihr Ende habe und ab nun bewertet würde. Zwischen 1 bis 10 lauteten die Benotungen, durch hochgehaltene Schilder im Publikum kenntlich gemacht. Am Ende addierte Boor die Punkte, darauf hinweisend, dass es eigentlich auch das Buch selbst war, welches den ersten, zweiten oder dritten Preis gewann. "Anscheinend gibt es hier genug Krimi-Fans", resümierte sie zu der Begeisterung, die vor allem dieses Genre bei der Buchauswahl hervorrief.

Die Bücher selbst waren auch gekommen, greifbar auf einem Tisch.



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