Burgkunstadt
Kinofilm

Blut und Hexen: Hollywood filmt fränkischen Youtube-Star

Der Gummi spannt sich. Die Kamera surrt. Alle Augen sind auf die 15 Kilo schwere Hexenpanzerfaust gerichtet. Es herrscht Hochspannung im Filmteam, das aus Hollywood an den Obermain gereist ist.
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Fotos: Stephan Stöckel
Fotos: Stephan Stöckel
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Produzent Chris Ivan-Cevic gibt Jörg Sprave die letzten Anweisungen. Ein Klick und das u-förmige Geschoss mit seiner Klinge, schräg wie eine Guillotine, saust mit 120 Stundenkilometern auf die Vogelscheuche zu, die eine Hexe darstellt.

Wumms. Der Kopf ist ab. Und eine Blutfontäne schießt gen Himmel. "Mission Accomplished - Auftrag beendet", hätte der ehemalige amerikanische Präsident Georg W. Bush frohlockt. Aus dem Munde des Burgkunstadters Jörg Sprave, Erbauer ungewöhnlicher Gummiwaffen, klingt das mit tiefer Stimme etwas anders: "Nur eine tote Hexe, ist eine gute Hexe." Der "Wilhelm Tell der ‚You-Tube‘-Generation" wird zum Werbestar für eine 60 Millionen Dollar teure Neuauflage des Märchenklassikers "Hänsel und Gretel."


Zwisteln im XXL-Format

Der 47-jährige, im bürgerlichen Beruf Geschäftsführer eines High-Tech-Unternehmens, ist bekannt. Bekannt wie ein bunter Hund. In "You-Tube"-Kreisen ist der stämmige Burgkunstadter eine Berühmtheit. Vor allem jene klicken ihn an, die ein Stück Nervenkitzel suchen. Der Hobby-Bastler erschafft im Keller seines Hauses gewaltige Schleuderinstrumente. Zwisteln im XXL-Format. Mit furchteinflößenden Namen. Wie ‚Zombiehammer‘ zum Beispiel, die er in kurzen fünf bis zehnminütigen Videos allwöchentlich auf seinen ‚Slingshot Channel‘ - seinem ‚Schleuder-Kanal‘ präsentiert.



"Heute herrschen ganz andere Sehgewohnheiten. Viele Leute wollen sich nicht stundenlang einen Film anschauen, sondern suchen den kurzen Kick." Sprave möchte die Leute mit seinem ungewöhnlichen Hobby unterhalten. Und scheint damit den Nerv von Millionen von Videofreaks zu treffen. Seine unzähligen Filmchen, zumeist gedreht im eigenen Garten, wurden bislang sage und schreibe 24 Millionen Mal angeschaut.


Werbefilmregisseur und Produzent David Shafei

Nicht nur die Internetnutzer lieben ungewöhnliche Waffen. Auch Hollywood. Und so fand zusammen, was zusammengehört. Die Neuauflage von "Hänsel und Gretel" ist kein Kinderfilm. Sondern Action, Blut und Drama pur. "In dem Film gibt es drei Regeln, wie man eine Hexe tötet. Entweder trifft man sie mit einem Pfeil direkte ins Herz, köpft sie oder zündet sie an", erzählt Werbefilmregisseur und Produzent David Shafei. Er ist Teil eines vierköpfigen Filmteams, das aus dem warmen Kalifornien für drei Tage in das kalte Oberfranken gekommen ist. Die Kälte ist nicht gerade nach dem Geschmack der wärmeverwöhnten Amerikaner. "Die Winterjacke musste ich mir extra ausleihen", reibt sich Shafei seine klammen Hände.


Promotionfilm für Kinostreifen "Hänsel und Gretel" mit außergewöhnlichen Waffen

Gemeinsam mit Josh Ferrazano betreibt er die Produktionsfirma "World War Seven" (WW7). Ihr Auftrag: Für den Filmriesen "Paramount" ein fünf bis zehnminütiges Werbevideo drehen. Sein einziger Darsteller: Jörg Sprave. Für Shafei ist er mehr als nur der Held der ‚You-Tube‘-Generation: "Er ist ein Genie. Wenn man ihn über sein Hobby reden hört, dann spürt man sofort die Leidenschaft, mit dem er seinem Steckenpferd nachgeht." Da auch im Hollywood-Streifen jede Menge außergewöhnliche Waffen zum Einsatz kommen, sei für den Promotionfilm nur Mister Sprave in Frage gekommen. Die Tatsache, dass er in der Heimat der Gebrüder Grimm lebe und der Film in Babelsberg gedreht wurde, habe ihr übriges getan, um ihn zu verpflichten, so der Regisseur.


Eine Hexenpanzerfaust

Sprave soll ‚You-Tube‘-Nutzer weltweit in die Kinosäle locken. Stolz präsentiert er dem Filmteam seine neueste Kreation: die 2,10 Meter lange hölzerne "Hexenpanzerfaust", eine überdimensionale Armbrust. Die Minusgrade setzen nicht nur allen Beteiligten, sondern auch den Gummibändern der Waffe ordentlich zu: Sprave muss immer wieder zum Föhn greifen, denn bei Gummi wird Energie in Wärme gespeichert. So mancher Schuss muss wiederholt werden - auch wegen des fehlenden Zielfernrohrs auf der "Panzerfaust". Doch davon lassen sich Sprave und das Filmteam nicht aus ihrem Konzept bringen. Zur Freude der weit angereisten Hollywood-Crew geht der Burgkunstadter in seiner Rolle als Hexenjäger förmlich auf. Der 47-jährige trifft die Hexe mitten ins Herz, trennt ihr den Kopf ab und lässt sie mit einem Brandpfeil in Flammen aufgehen. Getreu den Regeln des Films.


Eine Blutdusche im Garten

Beim Durchtrennen des Kopfes steigt eine Filmblutfontäne in die Höhe und ergießt sich über den Hobbyschauspieler. Dieser nimmt es mit Humor. In fließendem Englisch strahlt er in die Kamera: "I've got a good shower in blood - Das war eine tolle Blutdusche." Auch über Hänsel und Gretel darf er philosophieren - allerdings im Ton der Action-Gemeinde: "Schon als Kind liebte ich dieses Märchen. Es hat alle Zutaten, die ein gutes Drama braucht: ‚Gewalt, Hexen, Kannibalismus und Verrat."

Spraves Augen glänzen. Entspannt sitzt er nach getaner Arbeit im warmen Wohnzimmer, schwärmt von seinem Hobby. Eine Gummiwaffe zu bauen, die den Anforderungen des Filmteams entsprochen habe, sei für ihn eine Riesenherausforderung gewesen. Umso größer ist die Freude über die erfolgreichen Dreharbeiten: "Alles hat funktioniert und die Szenen sehen spektakulär aus." Insgeheim hofft der Burgkunstadter durch seine Mitwirkung an dem Werbestreifen, eine kleine Rolle in einem Film angeboten zu bekommen: "Das wäre ein schöner Nebeneffekt."

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