Lichtenfels
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Black-Metal-Festival in Lichtenfels: Die Dunkelheit kehrt zurück

Nach sechs Jahren fand das "Way Of Darkness" erstmals wieder in Lichtenfels statt.
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Mit bleicher Schminke und harter Musik: Die deutsche Band "Desaster" stürmte am Freitagabend die Bühne. Fotos: Manuel Stark
Mit bleicher Schminke und harter Musik: Die deutsche Band "Desaster" stürmte am Freitagabend die Bühne. Fotos: Manuel Stark
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"The Way of Darkness" - also der Weg der Dunkelheit - war der Name des Musik Festivals, das am vergangenen Wochenende in der Lichtenfelser Stadthalle zelebriert wurde. Auch wenn die Auftritte der Musikgruppen aus ganz Europa bis in die Nacht andauerten, haben die dunklen Stunden des Tages im Grunde nichts mit dem Namen des Festivals zu tun.

Am Freitag und Samstag spielten dort vor allem Gruppen der Black-Metal-Szene. Black-Metal ist für ein düsteres und dunkles Image bekannt. Manche Bands flechten in die Namenslogos ihrer Gruppe umgedrehte Kreuze ein. Andere spielen mit Schriftzügen, die an Knochenskelett erinnern. Wieder andere ordnen ihre Buchstaben in Form von Fledermausflügeln oder anderen "dunklen" Formen.

Düstere und dunkle Gerüchte

In der Anfangszeit des Black Metal waren die Fans und Angehörige der Szene oft als Satanisten und Kultisten verschrien. Filme, Bücher und Berichte waren gespickt mit Gerüchten. Manche würden sich in der Nacht sammeln, um in dunklen Ritualen Schweine oder Kälber zu schlachten. Von Fruchtbarkeitsritualen und Pentagrammen auf dem Friedhof war die Rede.

Spricht man Besucher auf diese alten Vorurteile an, erntet man Grinsen, wenn nicht Gelächter. "Natürlich! Und wieso alt? Das ist doch immer noch so. Morgen hab ich eine Verabredung auf dem Friedhof", sagt Nathalie Becker voller Ironie. Die 21-jährige Industriekauffrau aus Kulmbach steht rauchend vor der Stadthalle. Ihr Freund Philipp Kreitz wirft ihr gespielt vorwurfsvolle Blicke zu und steigt in die Scherze mit ein, bietet sich als Schlächter für das Opferritual an. "Mal ehrlich", sagt sie, "wir sind beide Veganer. Es gibt so viele Vorurteile auf der Welt. Ich wäre ja völlig bescheuert, würde ich das ernst nehmen." Ihr Freund nickt. "Ehrlich: das sind alles total liebe Menschen hier", sagt er. Eine Frage drängt sich dem Außenstehenden da auf: Wenn alle so lieb sind, weshalb dann das Gehabe um umgedrehte Kreuze, Särge und Dunkelheit? Schulterzucken von Kreitz. Seine Freundin führt mit der Rechten ihre Zigarette an die Lippen, mit der Linken winkt sie ab.

Doch nicht alles ist dunkel an diesem Abend. Fast eine Erleuchtung stellen die beiden Einhörner dar, die Pascal Heymann sich auf die Schultern gebunden hat. Die beiden Plüschtiere tragen die Namen Betty Ingong und Asgar und sind die heimlichen Stars des Festivals.

Vor zwei Jahren tauchte Metal-Fan Heymann das erste Mal bei einem Festival mit dem Tierchen auf und entfachte damit einen kleinen Wirbel um sich und seine "Begleiterin" Betty. Im folgenden Jahr kam dann die kleinere Asgar dazu - und der Hype verstärkte sich. Heymann hat sichtlich Spaß daran, verrückte Geschichten rund um die beiden Plüschtiere zu spinnen und seine Zuhörer zu verwirren. Der Vater von Ansgar? Bisher ein großes Rätsel. Doch in Lichtenfels munkelt man, habe man ein männliches Einhorn gesichtet. "Ein Vaterschaftstest ist bei Einhörnern immer etwas schwierig. Aber wir sind dran", verspricht er.

Verrückter Einhornzüchter

Heymann ist Einhornzüchter und Metal-Mensch mit Bart und Kutte. Wer, wenn nicht er, muss eine Antwort darauf wissen, wie liebe Menschen und der Weg der Dunkelheit zusammenpassen. "Naja, das hier ist wahnsinnig bunt. Die ganze Inszenierung ist eigentlich egal. Hauptsache Mukke und Stimmung sind gut." Währenddessen wummern drinnen die Bässe, wechseln mit einem Gitarrensolo und Gesang, den ungeübtes Ohr nicht verstehen kann.

Die Bands tragen Namen wie "Desaster", "Revel in Flesh" (Schwelgen in Fleisch) und "Soulburn" (Seelenbrand). Sechs Jahre lang fand das "Way Of Darkness" nicht in Lichtenfels statt, nun sind ist die Stadthalle wieder voll. Die Veranstalter hoffen, mit dem "Way of Darkness" ein ähnlich Event wie das Ragnarök-Festival etablieren zu können. Letzteres findet seit 2004 jährlich in Lichtenfels statt.

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