Ebensfeld
Umgangsformen

Bitte, danke und noch mehr

Die Ebensfelder Schule hat mit einer Projektwoche Aufmerksamkeit auf das Thema Sozialkompetenz gelenkt.
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Gordischer Knoten, Spiel und Zusammenhalt Ursula Schüßler
Gordischer Knoten, Spiel und Zusammenhalt Ursula Schüßler
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Bitte und danke sagen, ein "Guten Morgen!" oder "Hallo" gehören dazu. Gute Umgangsformen sind aber noch mehr als das, und sie sind keine Selbstverständlichkeit. "Wir haben festgestellt, dass da ganz viel fehlt bei den Kindern", sagt Ursula Schüßler, Rektorin der Pater-Lunkenbein-Schule. Weil die Grundschule auch einen Erziehungsauftrag hat, kam unter den Lehrern die Idee zu einer Projektwoche auf, in der man sich diesem intensiver widmen wollte als sonst im Unterricht.

Schubsereien, Rennen auf den Fluren, Sachen sind verschwunden oder kaputt gemacht worden: Den Mangel am sozialen Miteinander konnten Schüßler und die anderen Lehrkräfte Tag für Tag beobachten. Der Ton sei rauer geworden in den letzten Jahren, findet die Schulleiterin. "Früher war eher mal Schluss. Da gab es auch ganz klare Anstandsvorgaben, da ging es reglementierter und strenger zu."

Eine Ursache für die Entwicklung ist auch, dass Kinder heute weniger Sozialkontakte haben, ihnen fehlen Möglichkeiten des Einübens. Empathie - nachempfinden können, was einem anderen wehtut, mitfühlen und verstehen, warum Regeln nötig sind, all das sind wichtige Lernfelder für Kinder. Und sie lernen am stärksten von einem Vorbild.

Eltern, die aufs Handy gucken, während sie mit ihrem Kind sprechen, die es Sachen entscheiden lassen wollen, die zu entscheiden Kinder in dem Alter nicht in der Lage sind, oder die aufgestellte Regeln nicht konsequent durchsetzen, tun sich und ihrem Kind keinen Gefallen. "Erziehung ist anstrengend", weiß Ursula Schüßler. Aber wer die Benutzung des Tablets auf eine halbe Stunde begrenze, der müsse auch dafür sorgen, dass danach das Tablet weggelegt - oder eben weggenommen wird. Ein Elternabend mit Vortrag des Psychologen Nikolas Auer von der Erziehungsberatungsstelle in Lichtenfels bildete den Auftakt zur Projektwoche.

Für die Kinder gab es vielerlei Denkanstöße. Was tue ich, wenn ich merke, dass ich gleich ausflippe? In den Garten gehen und eine Runde rennen, das Zimmer verlassen oder zumindest Abstand nehmen von dem, der mich reizt - jedenfalls nicht Türen schlagen oder etwas kaputt machen. Es gab pädagogische Übungen und Spiele zur Förderung sozialer Kompetenzen und Gewaltfreiheit, Beispiele für Hilfsbereitschaft und Höflichkeit vom Türenaufhalten bis zum geordneten in die Klassenräume Gehen. "Das Kollegium hat sich wirklich reingehängt", stellt die Schulleiterin nach der Aktion anerkennend fest.

Der Einsatz hat gefruchtet. Die Stimmung sei ruhiger, es werde mehr gegrüßt. "Ich habe den Eindruck, dass die Kinder es verstehen, dass Regeln wichtig sind. Es geht uns selber und der Gruppe besser, wenn man höflich miteinander umgeht. Es bringt uns zusammen." Ein weißes Plakat, auf das die Kinder jeweils einen Farbabdruck ihrer Hand setzten, wurde zum Gemeinschaftsbild. Es hängt jetzt für alle sichtbar in der Aula.

Externe Unterstützung zu suchen, habe sich gelohnt, findet Schüßler. Für die Lehrer sei es nützlich gewesen, die Kinder während der Aktionen beobachten zu können. Doch für Unterrichtsangebote dieser Art gebe es kein Budget. Ohne die Sponsoren hätte man pro Kind um die 20 Euro verlangen müssen. Deshalb gab es zum Abschluss ein großes Dankeschön an fünf Sponsoren, die das Projekt mit jeweils 500 Euro unterstützt hatten. Eine Investition in die Sozialkompetenz der künftigen Gemeinde- und Landkreisbürger.

An dem Ziel "Wir werden eine bessere Gemeinschaft!" wird auch nach der Projektwoche festgehalten. Einmal im Monat werde es eine Schulversammlung geben und jeden Monat ein Punkt der gemeinsam erarbeiteten Schulordnung wieder aufgegriffen, kündigt die Rektorin an. Damit die guten Vorsätze vom Januar auch im Dezember noch nicht vergessen sind.



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