Lichtenfels
Gericht

Bitcoins und Darknet überführen Burgkunstadter Dealer

Ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Drogenhändler spielte sich am Freitag im Amtsgericht Lichtenfels ab.
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Im Darknet hat der Verurteilte Drogen bestellt. Foto: Silas Stein, dpa
Im Darknet hat der Verurteilte Drogen bestellt. Foto: Silas Stein, dpa
Sekunden nach dem Urteilsspruch senkte der Angeklagte kurz die Lider: Das Schöffengericht unter Vorsitz von Ulrike Barausch befand ihn am Freitag für schuldig, versucht zu haben, sich unerlaubt in den Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu bringen. Es ging um 100 Gramm Amphetamin.
"Das wird ein Indizienprozess", erklärte Staatsanwältin Franziska Winkler gegenüber unserer Zeitung. Am Ende aber sollte "die Gesamtschau aller Gesichtspunkte" ein Mosaik ergeben, wie Richterin Ulrike Barausch es nannte. Tatsächlich gab es Unwägbarkeiten, durch die hindurch sich das Gericht an mehreren Verhandlungstagen eine Meinung bilden musste. Denn war das Paket, welches über Internetbestellung Anfang Juni 2016 bei einem nicht näher bekannten Verkäufer startete und für die Adresse des 32-jährigen Burgkunstadters gedacht war, wirklich für ihn oder eventuell für seinen Bruder?
Ein Indiz dafür, dass es sich bei dem Angeklagten des vor seiner Zustellung polizeilich beschlagnahmten Päckchens um den eigentlichen Adressaten handelte, sah das Gericht in einem virtuellen Zahlungsmittel. Die Rede war von Bitcoins, einer digitalen Geldwährung, die bei Abwicklung von Internet-Geschäften zum Einsatz kommt.
Allerdings eben häufig bei Geschäften im Darknet, jenem Winkel des Internets, welcher für dunkle Machenschaften genutzt wird. Und eben im Darknet bestellte der 32-Jährige wohl auch, was einen weiteren Schluss zuließ. Denn da sein Handy und Laptop ausgewertet wurden, stießen Ermittler auf einen Browser, der typischerweise für das Betreten des Darknets genutzt wird.


Poststempel aus Aachen

Ein weiterer genannter ausschlaggebender Grund für die Triftigkeit des Verdachts gegen den Burgkunstadter, der bislang noch keinen Eintrag in seinem Führungszeugnis aufwies, lag in dem, was auf der beschlagnahmten Post zu lesen stand: Poststempel Aachen zu einer Sendung, die vorgaukelte, von einer Bamberger Adresse aus nach Burgkunstadt gestartet zu sein. "Aachen liegt nahe Holland", so Ulrike Barausch auf dieses weitere Indiz anspielend.
Holland aber ist eines jener Länder, die als Bezugsquelle für allerlei Opiate und sonstige Drogen in Erscheinung treten. Doch nur auf Schlussfolgerungen verließ sich das Schöffengericht nicht. Zumindest am Freitag sollten noch einmal drei Personen in den Zeugenstand treten, zwei unter ihnen waren im Polizeidienst tätig. Von Interesse waren aber besonders die Ausführungen eines "Cybercops", eines ehemaligen Informatikstudenten in Polizeidienst.
Zwar zeigte auch er zu manchen Vorgängen Wissenslücken, schien aber mit seinen Einschätzungen zu Bitcoins und Darknet-Browsern für die Stützung des Urteils zu sorgen. Ein Jahr und drei Monate Haft bei dreijähriger Bewährungszeit sprach Ulrike Barausch gegen den Burgkunstadter aus. Zudem wird der 32-Jährige 80 Arbeitsstunden abzuleisten haben. Das Schöffengericht folgte dabei im Wesentlichen den Forderungen von Staatsanwältin Franziska Winkler.
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