Vierzehnheiligen
Berufswelt

Bildung in ruhiger Atmosphäre

Ein gutes Miteinander in schöner Lernatmosphäre- das wissen viele Schüler in Vierzehnheiligen zu schätzen. Rund um die Berufsschulen hat sich in den vergangenen vier Jahren ein Bildungszentrum entwickelt.
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In Vierzehnheiligen ist seit der Übernahme der Gemeinnützigen Gesellschaft für Soziale Dienste ein Bildungszentrum entstanden. Jutta Rudel
In Vierzehnheiligen ist seit der Übernahme der Gemeinnützigen Gesellschaft für Soziale Dienste ein Bildungszentrum entstanden. Jutta Rudel
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Zum Tag der offenen Tür am Samstag, 28. April, kann sich das Bildungszentrum stolz präsentieren: Durch die Übernahme der Gemeinnützigen Gesellschaft für Soziale Dienste (GGSD) vor vier Jahren hat sich einiges getan. "Seit der Übernahme gibt es eine positive Entwicklung, was die Schülerzahlen und die Schulqualität betrifft", sagt die Schulleiterin der Berufsfachschulen, Elvira Berkel. Die beiden Berufsfachschulen für Ernährung- und Versorgung sowie für Kinderpflege bestehen nach wie vor. Hinzugekommen ist ein breitgefächertes Fort- und Weiterbildungsangebot, das stetig wächst. Besonders Maßnahmen für Flüchtlinge, aber auch für Arbeitssuchende, sind neu - und Weiteres ist bereits in Planung.


Steigende Schülerzahlen

Schon unter der Leitung der Kongregation der Franziskusschwestern gab es die beiden Berufsfachschulen in Vierzehnheiligen. Während das Ausbildungsangebot für Kinderpflege kontinuierlich stark nachgefragt wird, sah es für die Berufsschule für Versorgung- und Ernährung vor vier Jahren schlecht aus. "Mittlerweile steigen die Schülerzahlen wieder", freut sich die Berufsschulleiterin. Und zwar so gut, dass im kommenden Schuljahr ein drittes Ausbildungsjahr, also eine zwölfte Klasse, für Versorgung- und Ernährung realisiert werden kann.
Im ersten Ausbildungsjahr befinden sich derzeit 19 Schüler, im zweiten elf. Bisher wurde der Berufsschulgang "unterschätzt, weil viele denken das wäre ja nur Kochen und Putzen". Mittlerweile sei den Menschen bewusst, wie vielseitig die Ausbildung ist, so Berkel. Durch den Abschluss der zwölften Klasse haben die Schüler später eine größere Jobauswahl.
Nach dem zweiten Ausbildungsjahr erhalten sie ihren Berufsabschluss und den mittleren Schulabschluss. Durch das dritte Ausbildungsjahr könne diese die Prüfung zum staatlich geprüften Assistenten und Hauswirtschaftler ablegen, wodurch sich weitere berufliche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten erschließen.


Zwei Integrationsklassen

Seit dem Schuljahr 2016/2017 wurden zudem zwei Berufsintegrationsklassen für minderjährige Flüchtlinge etabliert. "Das ist eine gute Sache", sagt die Berufsschulleiterin. Insgesamt 23 Migranten besuchen die zwei Klassen momentan. Untereinander, führt Berkel fort, gebe es keine Probleme, die Schule habe dadurch an kultureller Vielfalt gewonnen. Nur hin und wieder werde die Schulatmosphäre durch drohende Abschiebungen gestört. Dies sei die Kehrseite der Medaille, denn "das beeinflusst dann alle mit".
Durch die Übernahme der GGSD kam ein umfangreiches Fort- und Weiterbildungsangebot hinzu. Dieses bestehe, laut Andrea Zanker, Leiterin der Fort- und Weiterbildung, aus drei Säulen. Die methodisch-didaktische Fortbildung für Lehrkräfte, den pädagogischen Bereich und den Bereich Pflege. "Die Kernbereiche werden sich weiterentwickeln, Stillstand ist nicht", sagt Zanker mit einem Lachen. Neben den Zertifikatskursen werden stetig neue Angebote entwickelt: "Das Angebot ist sehr flexibel, wir reagieren auf Bedarfe, die aus der Gesellschaft kommen, Zurufe aus der Praxis und auf Gesetzesänderungen."
So soll zum Beispiel eine Fortbildung zur Ganztags- und Hortbetreuung angeboten werden, denn "immer mehr Kindern bleiben auch nachmittags in den Einrichtungen". Die Hausaufgaben- und Freizeitbegleitung will, vor allem für Nichtfachkräfte, gelernt sein. Neben der Vorbereitung auf die Erzieherprüfung, die stets gut angenommen wird, soll als größeres Projekt auch ein solcher Kurs für die Externenprüfung zum Kinderpfleger eingeführt werden.
Ebenfalls besteht ein Fortbildungsbedarf im Bezug auf Inklusion von Migranten. Denn in den Kindertagesstätten und Kitas gibt es immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund. Neben Sprachbarrieren weisen manche Kinder auch Verhaltensauffälligkeiten, insbesondere durch die Fluchterfahrungen, auf. Auch die Eltern müssen sich an die neuen Strukturen erst gewöhnen. Daher soll ab Januar 2019 ein Lehrgang zur Inklusionsfachkraft eingerichtet werden. Wie die Fachkräfte mit bestimmten Situationen umgehen, sei immer ein wichtiges Thema. In der Pflege wird beispielsweise der Umgang mit Patienten, die unter Trauma-Erfahrungen leiden, ab Herbst 2018 angeboten.
Das sind nur einige Beispiele aus dem riesigen Angebot. Auch außerhalb der Lehralltags gibt es ein Angebot, das in Kooperation mit dem Jobcenter entwickelt wurde - die Initiative Vierzehnheiligen. "Menschen kommen her, um sich zu stabilisieren", erklärt Andrea Zanker. In Teams vollbringen sie gemeinnützige Arbeiten, wie zum Beispiel Garten- und Landschaftspflege, Holz- und Näharbeiten.


Besondere Atmosphäre

Ein Grund für die steigende Nachfrage sei, laut Berkel, der Standort. Andrea Zanker bestätigt das: "Ich hab zum Beispiel von vielen Erziehern gehört, dass sie erst jetzt die Ausbildung machen, seitdem es das Angebot hier gibt." Auf dem Land ist es günstiger, die Menschen müssen nicht extra in eine teure Stadt fahren, um sich dort weiterzubilden.
Das positive Feedback motiviere sie und ihre Kollegen natürlich, das Angebot stetig zu erweitern. Vierzehnheiligen habe ein Alleinstellungsmerkmal zu bieten, wie die Schulleiterin Berkel anmerkt: "Wir haben hier eine Atmosphäre, in der man in Ruhe lernen kann." Das wissen nicht nur die Lehrer, sondern auch die Schüler zu schätzen. "Sie fühlen sich hier wohl", sagt Berkel.
Abbrecher gebe es daher kaum. Wenn es von den Noten nicht passe, so müssen die Schüler gehen. Freiwillig steige so gut wie niemand aus, denn alle ziehen an einem Strang: "Die Schulgemeinschaft ist sehr gut. Schüler, Flüchtlinge und Lehrer verstehen sich in Vierzehnheiligen als Gemeinschaft."
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