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Ützing
Genussregion

Bier wird nicht mehr im Wurstkessel gebraut

Der gelernte Metzger Manfred Reichert aus Uetzing bereichert Franken mit süffigem Bier. Nun hat der "Metzgerbräu" ein Sudhaus mit fünf Gär- und Lagertanks angebaut, um das Bier nicht mehr im Wurstkessel brauen zu müssen.
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Im Untergeschoss des Sudhauses hat der ,Metzgerbräu' zwei neue Räucherkammern eingebaut - denn wer Bier trinkt, braucht auch eine ordentliche Brotzeit dazu. Fotos: Matthias Einwag
Im Untergeschoss des Sudhauses hat der ,Metzgerbräu' zwei neue Räucherkammern eingebaut - denn wer Bier trinkt, braucht auch eine ordentliche Brotzeit dazu. Fotos: Matthias Einwag
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Bier zu brauen hat Manfred Reichert sein Leben lang fasziniert. Vor elf Jahren begann der gelernte Metzger damit, in seinem Wurstkessel ein bernsteinfarbiges, würziges Bier nach eigenem Rezept zu fabrizieren. Im 15 Quadratmeter großem Dorfladen seiner Mutter Barbara wird das Bier seither vertrieben. Lagerbier, Weizen und Bockbier hat Manfred Reichert im Sortiment. Das Stehbier im Dorfladen kostet 1,30 Euro für die Uetzinger und 1,60 Euro "für Fremma". Nur vor dem "Bierpass" sind Einheimische und Außeruetzinger gleich: 18 Euro für zwölf Seidla.

Mit der Zeit wurde der "Metzgerbräu" immer bekannter. Nicht zuletzt durch eine Fernsehreportage, die der Bayerischen Rundfunk drehte und ausstrahlte. Es sprach sich in der Genussregion am Obermain herum, dass der bunte Hund unter den Brauern einen respektablen Gerstensaft auf Einliterflaschen zieht. Bier-Freaks wurden auf seine Produkte aufmerksam, und einige Gaststätten schenken sein Bier inzwischen aus. In einem Bistro in der Bamberger Sandstraße wird das dunkle Uetzinger Bier inzwischen ebenso gezapft wie in Gut Leimershof. Zu haben ist es zudem in der "Fränkischen Botschaft", einem Laden für fränkische Spezialitäten in Berlin-Neukölln.

An Kapazitätsgrenze angelangt

Im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß auf 410 Hektoliter, so dass Manfred Reichert improvisieren musste und all seine technischen Möglichkeiten ausschöpfte. "Ich habe alle Voraussetzungen gehabt, um 300 Hektoliter im Jahr zu brauen", sagt der 42-Jährige, "aber ich wollt' vom Wurstkessel weg - mein Traum war ein richtiges Sudhaus". Diesen Traum hat er sich nun erfüllt: Das Sudhaus steht. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Räucherkammern für Schinken. Das Herzstück, der Raum mit fünf Gär- und Lagertanks, ist über eine Stahltreppe zu erreichen, die in den ersten Stock führt. "Weil wir wenig Platz hatten, haben wir halt in die Höhe gebaut", erzählt Manfred Reichert.
Rund 450.000 Euro habe er investiert, um seinen Traum zu realisieren, sagt der Mann, der als Markenzeichen einen blau-weiß gestreiften Metzgerkittel trägt. "Das Brauen ist eine Leidenschaft, die hat mich total gepackt", fährt er fort. "Die Stunden spielen da gar keine Rolle", die er tagein tagaus investiert, um sein Bier zu brauen.
"Die Tanks sind voll", merkt er ein wenig stolz an. Wie zum Beweis öffnet er das Ventil an einem der Edelstahlkolosse und lässt bierbraunen Sud in ein Glas rinnen. Mit kritischem Blick betrachtet er den naturtrüben Gerstensaft und murmelt zufrieden etwas über dessen Konsistenz. "Zwuickeln" nennt der Brauer dieses Überprüfen des Reifungsgrades beim Bier.
Das Sudhaus ist also bereits in Betrieb, obwohl die offizielle Einweihung des Gebäudes erst irgendwann im Sommer ins Auge gefasst wird. "Ich hab' a Brauerei und a Metzgerei - Bier und Schinken, des ergänzt sich wunderbar", sagt Manfred Reichert über das wirtschaftliche Konzept des Familienunternehmens, das in Lichtenfels eine Filiale betreibt, in der seine 73-jährige Mutter Barbara die Fäden in der Hand hält.

"Der Moo trinkt a Bier und die Fraa kafft ein", vertieft er die einfache Philosophie seines erfolgreichen Unternehmens. "Bier ist ein Lebensmittel in Franken", ergänzt er und grinst verschmitzt. In Frankreich gebe es keine solche Vielfalt wie in Franken. Und in Frankreich kennt er sich aus. Der einzige Urlaub, den er sich gönnt, führt ihn alljährlich auf den Jakobsweg. Mit Freunden wird jeweils eine zehntägige Etappe absolviert. Inzwischen sind sie im Land der Gourmets angelangt - und sie wundern sich manchmal darüber, wie wenig gastronomische Vielfalt dort geboten ist. Umso mehr freut sich Manfred Reichert auf den geplanten Bierwanderweg, der auch Uetzing streifen soll. Mit seiner urigen Dorfladen-Metzgerbräu wird er bestimmt eine touristische Bereicherung für die Strecke sein.

Den winzigen Dorfladen in Uetzing betreut übrigens seine Schwester Martina Weidner. Dort stehen an diesem Vormittag mehrere Kunden und plaudern heiter miteinander. Ein Mann hat sich ins Eck hinter die Tür verdrückt und genießt sein Bier, während Frauen am Tresen stehen und einkaufen. Ganz so, wie Manfred Reichert es kurz zuvor schilderte. Im Sinn der Emanzipation könnte es freilich auch umgekehrt sein.
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