Lichtenfels
Bildung

Biedefeld kritisiert Nachmittagsbetreuung in Lichtenfels

Die SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld kritisiert die Nachmittagsbetreuung im Landkreis Lichtenfels. Kultusministerium und Schulamtsdirektor sehen allerdings keine Probleme.
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Schulkind-Betreuung am Nachmittag ist ein wichtiges Thema für Eltern und Politiker. Foto: Archiv/dpa
Schulkind-Betreuung am Nachmittag ist ein wichtiges Thema für Eltern und Politiker. Foto: Archiv/dpa
Da hat Susann Biedefeld (SPD) zu einem harten Schlag ausgeholt: Die Landtagsabgeordnete hat sich den Ausbau der Ganztagesangebote angeschaut und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis: "Wie das Kultusministerium auf unsere Anfrage hin selber zugibt, sind die Ausbauquoten verheerend", sagt Biedefeld. "Im ganzen Landkreis Lichtenfels gab es im Schuljahr 2012/13 weder eine echte Ganztags-Grundschule noch ein echtes Ganztags-Gymnasium. Das ist ein Armutszeugnis für Bayerns Schulsystem."

Das Betreuungsangebot sei in Bayern unterdurchschnittlich. "Beispielsweise werden im Landkreis Lichtenfels nur 1,5 Prozent der Grundschüler im Rahmen der offenen Mittagsbetreuung betreut", so Biedefeld.
Schulamtsdirektor Norbert Hauck kennt die Sachlage an den Grund- und Mittelschulen gut. "Wir haben momentan noch keine Ganztags-Grundschule", sagt er, betont aber auch, dass bereits welche in der Planung seien. "Zwei bis drei Grundschulen wollen das einführen, allerdings ist das auch abhängig vom Interesse der Eltern."

Entscheidung der Eltern

Er erklärt, dass eine Ganztagesklasse nur dann eingeführt werden kann, wenn Interesse und Rahmenbedingungen stimmen. "Wenn wir 45 Anmeldungen für die erste Klasse haben und nur 15 davon in eine Ganztagesklasse gehen wollen, können wir nicht eine Klasse mit 15 und eine Klasse mit 30 Schülern machen." Trotzdem sieht er keine Grund zur Beunruhigung: "Für die Nachmittagsbetreuung gibt es den Hort. Da haben wir ein durchgängiges Angebot vorzuweisen."

Grundsätzlich müsse man allerdings zwischen gebundenen und offenen Ganztagesschulen unterscheiden, sagt Hauck. Das bayerische Kultusministerium definiert die Unterschiede so: "Schulen mit Angeboten der ganztägigen Förderung und Betreuung im Anschluss an den Vormittagsunterricht werden als Offene Ganztagsschulen bezeichnet. Schulen, an denen ein Ganztageszug mit häufig rhythmisiertem Unterricht eingerichtet ist, werden als Gebundene Ganztagsschulen bezeichnet." Beide Formen werden unter dem Begriff der Ganztagsschule geführt.

Angebot wird nicht immer genutzt

Angesprochen auf die "verheerenden Ausbauquoten" lenkt das Kultusministerium in Person von stellvertrendem Pressesprecher Henning Gießen ein: "Man darf nicht nur darauf schauen, wie viele Schüler das Angebot nutzen, sondern muss auch sehen, wie viele Angebote bestehen."
Dabei sehe er, dass es abhängig von der Region ist: "Besonders im ländlichen Raum werden die vorhandenen Angebote nicht so häufig genutzt."

Wenn alle Angebote zusammen genommen werden, so bieten bayernweit 80 Prozent der Schulen ein Betreuungsangebot an. Im Kreis Lichtenfels gibt es an allen Mittel- und Realschulen Angebote, außerdem an einem der beiden Gymnasien. "Im Grundschulbereich stimmt das schon," sagt Henning Gießen, es gibt in diesem Schuljahr sogar gar keine Grundschule im Landkreis Lichtenfels, die ein solches Angebot bietet. "Das liegt an der mangelnden Nachfrage, da die Mittagsbetreuung hier über Horte geregelt wird", sagt Henning Gießen.
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