Lichtenfels
Gericht

Betrunken auf Freundin eingetreten - Burgkunstadter wegen Körperverletzung verurteilt

Ein 29 Jahre alter Mann aus Burgkunstadt wurde wegen Körperverletzung an seiner damaligen Lebensgefährtin verurteilt.
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Im Streit hat der Angeklagte seine damalige Lebensgefährtin geschlagen und auf sie eingetreten.  Symbolfoto: Picabay
Im Streit hat der Angeklagte seine damalige Lebensgefährtin geschlagen und auf sie eingetreten. Symbolfoto: Picabay
"Wie geht es Ihnen? Können Sie der Verhandlung folgen?", erkundigte sich Richter Alexander Zenefels bei dem vor ihm sitzenden Angeklagten. Der hatte sich am Donnerstag im Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten und machte einen benebelten Eindruck. Doch auch als er verneinte und erklärte, nichts getrunken zu haben, hakte Zenefels nach: "Sie riechen aber so."

Weshalb man sich im Saal 14 begegnete, hatte mit einem Vorfall am 29. Januar 2018 zu tun. Damals rückte der 29-jährige Burgkunstadter laut Anklage seiner damaligen Freundin zu Leibe. Nach einem Streit soll der Mann mit beschuhtem Fuß auf seine Freundin eingetreten und eingestampft haben. Das wertet die Staatsanwaltschaft als gefährliche Körperverletzung, die Geschädigte trug starke Blessuren davon.

Schuld habe an allem nur ein Trinkgelage zwischen Nachbarn gehabt, das ausuferte. Dabei soll auch die Geschädigte mitgemischt haben, so schilderte es der Angeklagte. Als er sich zum Schlafen hingelegt habe, sei die Lebensgefährtin an ihn herangetreten und hätte ihm ins Gesicht geschlagen. Dass er zurückgeschlagen habe, sei lediglich seine Reaktion darauf gewesen.

Von starker Alkoholisierung sprach der Bluttest, den die Polizei damals beim 29-Jährigen und seiner 42-jährigen Freundin vornahm. Der Mann hatte 2,49 Promille, die Frau immerhin knapp zwei Promille.



"Nur sechs bis acht Biere"

"Ich habe ihn geschüttelt, er lag im Bett. Ich wollte sehen, wie es ihm geht. Ich habe ihm eine Schelle gegeben", berichtete die 42-Jährige gegenüber Richter Zenefels und Staatsanwalt René Waldmann. Dann fuhr sie mit ihrem Blick auf den Angeklagten gewandt, zu ihm fort: "Wenn er sauer ist, kann er schon zulangen - es ist ja nicht das erste Mal." Eine das Wesen des Beschuldigenden freundlichere Skizzierung konnte eine Polizeibeamtin geben, die ihn in der Nacht des 29. Januar zur Blutentnahme zwecks Alkoholtest beförderte. Er blieb der Frau als ruhig im Gedächtnis. Über sein Trinkverhalten hatte sich der Angeklagte auch zu äußern.

Mit glasig wirkenden Augen sprach er davon, "nur sechs bis acht Biere" zu trinken. "Pro Tag?", erkundigte sich Richter Zenefels. "Nein, nur dreimal pro Woche", antwortete der Angeklagte. Dem widersprach die einstige Freundin vehement, sprach von sechs bis acht Bieren schon zum Frühstück.

Schon zweimal trat der 29-Jährige wegen Alkohol in Erscheinung, beide Male wegen Trunkenheit im Straßenverkehr. Waldmann hielt ihm zugute, dass er bei seiner Tat alkoholbedingt vermindert schuldfähig gewesen sei und dass es sich um seine erste Gewalttat handelte. Eine Therapie als Auflage hielt er in seinem Plädoyer für unerlässlich.

Waldmann plädierte auf vier Monate Haft zur Bewährung, inklusive 40 Arbeitsstunden. Diesem Plädoyer entsprach Zenefels nahezu: Zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilte er den 29-Jährigen, überdies unter der Auflage einer dreijährigen Betreuung durch einen Bewährungshelfer sowie 40 Arbeitsstunden. Vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung rückte er zugunsten einer einfachen Körperverletzung ab. Hintergrund: Nicht mit einem schweren Schuh, sondern in Badelatschen steckend, trat der Mann zu.

Nun aber wird er überdies zwingend auch noch Suchttherapiegespräche zu führen und einen Betreuungshelfer über seine Angelegenheiten zu verständigen haben. "Die 40 Stunden habe ich verhängt, damit Sie aus dem Trott aus Alkohol und Arbeitslosigkeit herauskommen", erklärte Zenefels abschließend.


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