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Bad Staffelstein
Geschäftsergebnis

Baur ist nur bedingt zufrieden

Der Versandhändler bleibt im bald ablaufenden Geschäftsjahr hinter seinen Erwartungen zurück, erreicht aber immerhin einen höheren Umsatz als im Vorjahr. Bei der österreichischen Tochter Unito lief es diesmal nicht rund.
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Baur-Chef Albert Klein (l.) gab gestern bekannt, sich zum 1. Juli in den Ruhestand zu verabschieden. Nachfolger im Vorsitz der Geschäftsführung wird Patrick Boos (2.v.l.). Die Geschäftsführung ergänzen Olaf Röhr (3.v.l.) und der neue Geschäftsführer Hans-Christian Müller. Foto: T. Kindermann
Baur-Chef Albert Klein (l.) gab gestern bekannt, sich zum 1. Juli in den Ruhestand zu verabschieden. Nachfolger im Vorsitz der Geschäftsführung wird Patrick Boos (2.v.l.). Die Geschäftsführung ergänzen Olaf Röhr (3.v.l.) und der neue Geschäftsführer Hans-Christian Müller. Foto: T. Kindermann

Es war gestern Abend das letzte Mal, dass Albert Klein zum Jahresbeginn einen Ausblick auf die Geschäfte der Baur-Gruppe gab. "Es ist an der Zeit, in einen neuen Lebensabschnitt zu starten", sagte der Baur-Chef bei einer Pressekonferenz vor dem Neujahrsempfang, zu dem das Unternehmen alljährlich nach Kloster Banz lädt. Der 61-Jährige wird zum 1. Juli in den Ruhestand treten.

Georg von Waldenfels, Kuratoriumsvorsitzender der Friedrich-Baur-Stiftung und Marcus Ackermann, Vorstandsmitglied der Otto-Gruppe, zur der Baur gehört, präsentierten gestern dann auch gleich Kleins Nachfolger. Es ist Patrick Boos, der seit 2017 in der Baur-Geschäftsführung das Ressort Marke und Vertrieb verantwortet. Nun kommt für den 51-Jährigen noch das Thema Unternehmensentwicklung hinzu.

"Mit Patrick Boos werden wir einen sehr erfahrenen Manager und E-Commerce-Experten an der Spitze der Baur-Gruppe haben, der das Unternehmen in den kommenden Jahren zu einem voll digitalisierten Händler und Dienstleister machen wird", sagte Otto-Vorstandsmitglied Ackermann.

Neben Boos besteht die Geschäftsführung künftig dann aus Olaf Röhr, der weiterhin das Ressort Abwicklung und Dienstleistungen führt, sowie Hans-Christian Müller, neu berufener Geschäftsführer für kaufmännische Steuerung.

"Albert Klein übergibt seinen Nachfolgern eine erfolgreiche Unternehmensgruppe, die sich mit Zukunftspotenzial den anstehenden Herausforderungen und insbesondere der weiteren Digitalisierung der Geschäftsmodelle widmen kann", sagte Ackermann.

Zugpferd Unito schwächelt

Äußerst erfolgreich war für Baur das Geschäftsjahr 2017/2018 gelaufen. Die Gruppe setzte damals neue Maßstäbe bei Umsatz und Ergebnis. "Die Messlatte lag 2018 besonders hoch", wie es Klein dann in seiner Rede beim Neujahrsempfang ausdrückte.

Ende Februar geht das laufende Geschäftsjahr 2018/2019 zu Ende. Der Umsatz werde zwar um ein bis zwei Prozent übertroffen. Aber das zuletzt erfolgsverwöhnte Unternehmen hatte sich mehr erwartet als die rund 810 Millionen Euro Außenumsatz. Klein sprach von einem nur "bedingt zufriedenstellendem Jahr", denn diesmal seien einzelne Bereiche hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

In einem laut Klein "deutlich verschärften Wettbewerbsumfeld" schwächelte diesmal die zuletzt so viel gelobte österreichische Tochter Unito auf dem Weltmarkt. Hinzu komme die Marktschwäche im Textileinzelhandel, die das Wachstum der Baur-Gruppe gebremst habe.

Zwar hätten unter dem Strich auch in diesem Wirtschaftsjahr wieder alle Geschäftsbereiche schwarze Zahlen geschrieben. "Das sehr hohe Gruppenergebnis aus dem Vorjahr werden wir allerdings nicht erreichen. Der wesentliche Grund dafür sind rückläufige Ergebnisbeiträge von Unito, die deutlich unter unseren Erwartungen geblieben sind", sagte Klein.

"Wir stehen vor einer Trendwende. Unternehmen müssen sich auf eine abkühlende Konjunktur einstellen", warnte der zur Jahresmitte scheidende Baur-Chef. Schon 2018 habe sich "die Großwetterlage etwas verdunkelt". Das Textilgeschäft, das gerade für Baur von sehr hoher Bedeutung sei, habe es im vergangenen Jahr hart getroffen. "Größere Ketten meldeten deutliche Umsatzrückgänge und einige bekannte Anbieter sind in eine bedrohliche Schieflage geraten. Experten sprechen von einer anstehenden Marktbereinigung und dem Abbau von Überkapazitäten", berichtete Klein. Vor allem der heiße Sommer 2018 habe der Textilbranche zugesetzt.

Sorgenkind BFS

Neben Unito machte der Baur-Chef auch die Dienstleistungstochter Baur Fulfillment Solutions (BFS) für das schwächere Ergebnis in diesem Geschäftsjahr verantwortlich. "BFS wirft etwas Schatten auf die sonst sehr guten Ergebnisse unserer Dienstleistungssparte", sagte Klein. Man müsse bei BFS einiges organisatorisch und konzeptionell neu justieren, um die operative Exzellenz und notwendige Profitabilität des Geschäfts zukünftig deutlich zu verbessern. Baur werde sich künftig auf den Logistikstandort in Weismain konzentrieren. Vom Vorhaben, für den größten BFS-Kunden, S.Oliver, dauerhaft in Nordrhein-Westfalen einen eigenen Standort zu betreiben, sei die Geschäftsführung inzwischen aus Rentabilitätsgründen abgerückt.

Gewachsen ist im vergangenen Jahr auch wieder die Zahl der Beschäftigten. Sie lag zum Jahresende bei exakt 4200 Mitarbeitern, davon fast 3800 an den oberfränkischen Standorten.

Stolz ist man beim größten Arbeitgeber in der Region auf die Auszeichnung "wertvollster Arbeitgeber der Region Lichtenfels", die die Zeitschrift "Wirtschaftswoche " vor kurzem vergeben hat. Dabei wurden in einer groß anlegten Studie die Menschen vor Ort befragt.

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