Kloster Banz

Baur geht zuversichtlich ins neue Geschäftsjahr

Die Baur-Gruppe hatte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Neujahrsempfang nach Banz eingeladen. Dabei wurden Ziele der nächsten Monate vorgestellt und die ökonomische Situation wurde beleuchtet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eine Modenschau bildete erstmals  einen zentralen Programmpunkt des Baur-Neujahrsempfangs. Mehr als ein Dutzend Baur-Mitarbeiterinnen zeigten die neuesten Kreationen der Kollektion "Ariston" auf einem Laufsteg im Kaisersaal von Kloster Banz. Foto: Matthias Einwag
Eine Modenschau bildete erstmals einen zentralen Programmpunkt des Baur-Neujahrsempfangs. Mehr als ein Dutzend Baur-Mitarbeiterinnen zeigten die neuesten Kreationen der Kollektion "Ariston" auf einem Laufsteg im Kaisersaal von Kloster Banz. Foto: Matthias Einwag
+31 Bilder

Ein wenig nervös waren sie schon, die Baur-Mitarbeiterinnen, bevor sie auf den Laufsteg gingen, um die neuesten Kreationen der Kollektion "Aniston" zu zeigen. Beim Neujahrsempfang im Banzer Kaisersaal ging die Baur-Gruppe damit neue Wege, was beim geladenen Publikum gut ankam. Zu den beschwingten Melodien vom Hamburger "Chor Young ClassX" präsentierten die Amateur-Models Modisches für Frühjahr und Sommer.

Zuvor hatten die bayerische Staatsministerin Judith Gerlach und Patrick Boos, der Vorsitzende der Baur-Geschäftsführung (siehe Info-Box unten) gesprochen. Die Ministerin lobte die Baur-Gruppe: "Es fällt auf, dass man hier bei den Machern und Schaffern ist. Jeden Tag, sagte sie, jage eine technische Innovation die nächste. Die Digitalisierung dürfe jedoch nicht zum Selbstzweck werden. Vielmehr müssten innovative Prozesse in der Industrie zur Wertschöpfung führen. Am Ende der Digitalisierung dürfe jedenfalls nicht der Roboter stehen, der als letzter aus der Metzgerei geht und noch das Licht ausschaltet.

Daten sind das Gold unserer Zeit

Wenngleich der Bestellkatalog von Baur sicher noch beim einen oder anderen Kunden vorhanden sei, habe inzwischen der Online-Handel den Siegeszug angetreten, fuhr die Ministerin fort. "Die Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts", und wer über solche verfüge, habe mittlerweile eine Monopolstellung. Wohin diese Entwicklung führe und wie die Wertschöpfungsketten der Zukunft aussehen, könne man nicht genau sagen. Sicher sei jedoch, dass die Unternehmen europaweit gut aufgestellt sein müssen, um im Konkurrenzkampf gegen Konzerne aus Übersee zu bestehen. "Es fehlt uns an Nachwuchs - und zwar überall." Das gelte es zu ändern.

Auszüge aus der Rede von Patrick Boos, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Baur-Gruppe

Momentaufnahme "Die Baur-Gruppe hat Kurs gehalten und wächst weiterhin profitabel. Wir haben schwierigen Rahmenbedingungen getrotzt und uns in einem überaus wettbewerbsintensiven und aggressiven Marktumfeld behauptet." Insgesamt zeigte die Baur-Gruppe 2019 eine solide und zufriedenstellende Geschäftsentwicklung. Sehr erfreulich entwickelte sich das Geschäftsfeld Dienstleistungen, während der Online-Handel die Erwartungen nicht ganz erfüllen, im Weihnachtsgeschäft allerdings ordentlich zulegen konnte. Die erfolgreiche digitale Transformation und der Kulturwandel bilden das tragende Fundament für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.

Prognose "Wir verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr - Geschäftsjahr 2018/2019: plus 1,3 Prozent - wieder ein höheres Wachstumstempo. Für das bis Ende Februar laufende Geschäftsjahr erwarten wir ein Umsatzplus von zwei bis drei Prozent. Der Nettoumsatz der Baur-Gruppe wächst damit auf über 830 Millionen Euro nach 817 Millionen Euro im Vorjahr. Wachstumsträger sind insbesondere das Dienstleistungsgeschäft und unser Online-Shop baur.de."

Beurteilung "Erfolgreiches Wirtschaften stärkt unmittelbar unsere Region." Die Baur-Gruppe sei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor als Kunde und von regionalen Unternehmen. "Unser expandierendes Dienstleistungsgeschäft und insbesondere der erhöhte Personalbedarf in der Logistik sorgen dafür, dass wir unsere Position als größter Arbeitgeber am Obermain in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut haben. Zum 31. Dezember 2019 beschäftigte die Baur-Gruppe exakt 4353 Mitarbeiter, davon mehr als 3900 an unseren oberfränkischen Standorten." Die Mitarbeiter kommen aus 50 Ländern. 2019 kamen rund 150 neue Kollegen dazu. Seit Anfang 2016 habe die Baur-Gruppe insgesamt mehr als 550 Arbeitsplätze geschaffen.

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen "Erfolgreiches Wirtschaften hängt ganz wesentlich von stabilen politischen, wirtschaftlichen und von klimatischen Rahmenbedingungen ab." 2019 nahmen jedoch die Unsicherheiten zu. "Die Exportnation Deutschland ist ein Verlierer der zunehmend protektionistischen Tendenzen im Welthandel." Immer deutlicher werde, dass die Vorteile der Digitalisierung in Deutschland bislang nur unzureichend genutzt werden. Die Konsequenz laute: Wir brauchen mehr Innovationen, sowie Investitionen in Bildung und gerade in Digitalisierung und Infrastruktur, um das Wachstumspotenzial der deutschen Volkswirtschaft wieder zu stärken. Digitalisierung bedeute Veränderung in allen Baur-Geschäftsmodellen, insbesondere auch in der Art, wie künftig zusammengearbeitet werden soll. "Wir spüren deutlich, dass unser Geschäftsmodell unter der Marke Baur immer stärker unter Druck gerät. Dabei wird unser Online-Geschäft mit den Kernsortimenten Fashion und Home gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen. Plattform-Ökonomie und die zunehmende Amazonisierung im Einzelhandel, überbesetzte Märkte, Preisdruck und sinkende Margen im Warengeschäft machen auch uns zu schaffen. Der Wettbewerb wird immer schärfer und aggressiver." Erfreulich sei: "Wir haben uns in diesem schwierigen Umfeld behauptet: Baur wächst auch im laufenden Geschäftsjahr." Dabei zeigten die Warengruppen eine unterschiedliche Entwicklung: "Zufrieden sind wir mit unserem Möbel- und Technikgeschäft, während der Anteil des Kernsortiments Fashion rückläufig ist."

Struktur Die meisten Baur-Mitarbeiter - rund zwei Drittel - sind in der Baur-Logistik und bei BFS (Baur Fulfillment Solutions) beschäftigt. Es sei geschafft worden, das hohe Mengenwachstum des neuen Kunden "About you" erfolgreich zu bewältigen. Der Standort Altenkunstadt wickle exklusiv die Ausgangslogistik für diesen im Jahr 2014 in Hamburg gegründeten Fashion- und Technologie-Anbieter ab. "About you" sei eines der am schnellsten wachsenden E-Commerce-Unternehmen Europas mit 60 Prozent Umsatzplus im laufenden Geschäftsjahr. Aber was passiert mit den bislang in Altenkunstadt bearbeiteten Paketmengen für die Otto-Group? "Wir werden 2020 in Sonnefeld einen zusätzlichen Standort für die Paketabwicklung innerhalb der Konzernlogistik hochfahren. Mitte März geht es los" - mit rund 150 Kollegen. Im Lauf des Jahres werde dann auf rund 500 Mitarbeiter aufgestockt. "Bis Jahresende werden von Sonnefeld aus rund 25 Millionen Artikel u. a. an Otto- und Baur-Kunden in ganz Deutschland gehen. Im nächsten Jahr werden wir die Kapazität auf 40 Millionen Artikel erhöhen." Um diese Mengen abwickeln zu können, bedürfe es moderner Infrastruktur. Dazu werde ein zweistelliger Millionenbetrag in die technische Ausstattung des Standorts investiert.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren