Weismain

Baur-Beschäftigte haben Grund zur Hoffnung

Die Umstrukturierung im Otto-Konzern nimmt Formen an. Für die Angestellten bei Baur zeichnet sich ab, dass die Folgen nicht so schlimm sein könnten, wie zunächst befürchtet.
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Dirk Sander (von links), Angelika Schmidt-Kapser, Horst Bergmann, Jutta Fleischmann und Bernd Woelkert verhandelten für Baur bei der Otto-Group in Hamburg. Foto: Tobias Kindermann
Dirk Sander (von links), Angelika Schmidt-Kapser, Horst Bergmann, Jutta Fleischmann und Bernd Woelkert verhandelten für Baur bei der Otto-Group in Hamburg. Foto: Tobias Kindermann
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Als die Mitarbeiter im Verwaltungsgebäude in Weismain am Freitag um 9 Uhr zur Arbeit erschienen, wussten sie noch nicht, dass sie an diesem Tag eine wichtige Versammlung im Sternensaal im vierten Stockwerk haben würden. "Die Einladung ging um 7 Uhr raus", sagt Betriebsratsvorsitzender Horst Bergmann. Erst am Vortag hatte die fünfköpfige Delegation in Hamburg verhandelt. Zusammen mit Kollegen der anderen Einzelgesellschaften Otto und Schwab, und auf der anderen Seite Vertreter der Otto Group.

Es ging um "Fokus", das Programm, mit dem sich die Firmen im Konzern für einen härteren Wettbewerb im Versandhandel rüsten wollen. 500 Mitarbeiter drängten sich in dem großen Raum. "Es herrschte schon so etwas wie Erleichterung", sagt Bergmann auf einer Pressekonferenz gestern Nachmittag. Wenn über Wochen hinweg war keine gute Stimmung im Haus, sagt Bergmann. Seit September stand im Raum, dass bei Baur nur noch die Sparte Schuhe im Bereich Einkauf verbleiben sollte.

Schuhe, das ist der Bereich, mit dem bei Baur im Jahr 1925 alles begann. Der sozial eingestellte Friedrich Baur gründete damals mit seiner Verlobten Katharina Schuh einen Versandhandel für Schuhe. Durch Direktbezug und Ratenzahlungen wollte er den so genannten kleinen Leuten gute Qualität bieten.

Vor allem die Verwaltung ist betroffen

Doch das ist Geschichte - und es geht hier nicht um Geschichte, sondern um Zukunft. Der Bereich der Umgestaltung trifft vor allem die Verwaltung - und in dem Fall die Abteilungen bei Baur möglicherweise deutlich stärker als die Kollegen beim Otto-Versand in Hamburg.

Otto gab zu Beginn des Prozesses im September Zahlen haraus. Grob gesagt, könnte bei Baur jeder dritte Platz im Bereich Verwaltung wegfallen. Rund 650 Menschen arbeiten hier, davon könnten bis zu 250 ihre Arbeit verlieren. Bei Otto in Hamburg sind 3300 Personen beschäftigt, hier ist nur jede sechste Stelle in Gefahr. "Deshalb war bei uns der Aufschrei auch viel größer ", betont Bergmann.

Womit konnte Bergmann die Belegschaft etwas beruhigen? Bisher wollte die Otto-Group fast alle Einkaufsbereiche in Hamburg konzentrieren. Jetzt soll Burgkunstadt voraussichtlich folgende Sortimente behalten: Schuhe und Taschen, Reisegepäck, Schmuck und Uhren (ohne Parfüm), Sport Hartwaren, Musikinstrumente, Spielwaren, Geschenke und Süßwaren. In Hamburg sollen die Sortimente Damenoberbekleidung, Möbel, Leuchten, Haushalt und Parfüm betreut werden. Diese Bereiche wurden für den gesamten Otto-Konzern schon bisher am Obermain betreut. Noch steht die offizielle Zustimmung der entsprechenden Gremien auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite aus, das gilt aber eher als Formsache, wie Bergmann hoffen ließ.

Einkauf ist der wichtigste Bereich

Betriebsrat Dirk Sander aus dem Bereich Einkauf ließ offen, wie sich diese Entscheidung auf die Arbeitsplätze auswirken könnte. "Jede Zahl, die man da nennt, ist falsch. Es stehen ja noch viele weitere Entscheidungen im Umfeld an." Der Bereich Einkauf sei aber der wichtigste.

Dazu gehört zum Beispiel, dass der Baur-Betriebsrat sich dafür einsetzt, den "kreativen Teil" des Einkaufs Damenoberbekleidung am Obermain zu halten, wie Bergmann ausführt. Schließlich kenne man hier den Geschmack der Zielkundschaft besonders gut.

Die Entscheidung, mehr Bereiche im Einkauf, als bisher vorgesehen, bei Baur zu belassen, hat auch Einfluss auf weitere Abteilungen, in denen noch Verhandlungen ausstehen. Das sind die Finanzen, die Werbung, das Marketing und die Fotografie.

Hoepfner: richtungsweisend

Jörg Hoepfner, Pressesprecher von Baur, kommentierte für die Firmenleitung die Entwicklung ebenfalls positiv: "Das ist ein Zwischenstand, der richtungsweisend ist." Damit habe man auch das Ziel des Projektes erreicht, keine Überschneidungen mit dem restlichen Konzern zu besitzen.

Baur soll seinen Umsatz halten, beim Ertrag besser werden, Otto als bekannte Marke soll auf Angriff gehen und jährlich 100 Millionen Euro mehr Umsatz machen. Von diesem Wachstum würde indirekt auch Baur profitieren, hofft Bergmann.

Insgesamt arbeiten bei Baur in der Region Oberfranken 4000 Beschäftigte. Ein großer Teil ist davon in den Bereichen Logistik tätig. Bauer wickelt von Burgkunstadt aus zusammen mit einem weiteren Standort der Otto-Group in Haldensleben den deutschen Markt für alle Firmen der Otto-Group ab. Dieser Bereich wurde 2009 neu gegliedert, vor allem Hamburg war vom Abbau von Arbeitsplätzen betroffen. Von den 7800 Mitarbeitern in der Otto-Group verloren 360 ihren Arbeitsplatz. Bei Baur blieb die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich durch die Neuordnung damals konstant.

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