Weismain
Porträt

Baur: Aliz Tepfenhart ist jünger als ihre Zielgruppe

Mit ihren 38 Jahren ist Aliz Tepfenhart das neue junge Gesicht in der Geschäftsführung von Baur. Der Versandhändler war zuletzt nur von Männern geführt worden, obwohl er mit seinen Produkten Frauen ab 40 anspricht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Baur-Geschäftsführerin Aliz Tepfenhart Foto: Ronald Rinklef
Baur-Geschäftsführerin Aliz Tepfenhart Foto: Ronald Rinklef
+5 Bilder
Schon im Herbst vergangenen Jahres hatte das Unternehmen sie angekündigt. Mittlerweile ist sie da, seit Monatsbeginn greifbar für alle Baur-Mitarbeiter. Aliz Tepfenhart ist angekommen "im Naturparadies", wie sie sagt. Sie kann da arbeiten, wo es "zum Leben am schönsten" ist.

"Ich kenne Baur schon seit langem", sagt die 38-Jährige. Spätestens im Jahr 2009, als sie von Otto abgeworben wurde, wurde ihr Name auch den Verantwortlichen von Baur ein Begriff. Damals hatte gerade Marc Opelt den Geschäftsführungsvorsitz von Richard Krekeler übernommen. Tepfenhart bereitete zu diesem Zeitpunkt wieder einmal einen ihrer Umzüge vor. Diesmal ging es für sie nach Moskau: als alleinige Geschäftsführerin von Quelle Russland. Der Otto-Konzern hatte die Namensrechte am insolventen Fürther Versandriesen gekauft.

Von Rumänien nach Deutschland

Von nun an also Otto. Dabei hatte Aliz Tepfenhart ihr bisheriges Arbeitsleben komplett bei Quelle verbracht, hatte nach dem Abitur 1995 in Kooperation mit dem Unternehmen Betriebswirtschaftslehre studiert und war dann von 1998 bis 2004 für das Versandhaus am Hauptsitz in Fürth tätig, unter anderem als Leiterin Marketing und E-Commerce von Küchen Quelle.
Franken wurde ihr alsbald zur zweiten Heimat. Die erste hatte sie mit ihrer Familie 1990 verlassen: Eine kleine Ortschaft nahe Sathmar in Rumänien. Der Vater gehörte damals zur deutschen Minderheit der Donauschwaben. "Von ihm habe ich meinen deutschen Namen", sagt Tepfenhart. Ihre aus Ungarn stammende Mutter scheint dagegen beim Vornamen Aliz den Ton angegeben zu haben.

Ihre Wurzeln konnte die 1974 geborene Baur-Geschäftsführerin aber auch schon einmal entscheidend nutzen. Das war im Jahr 2005, als es darum ging, die Geschäftsführung von Quelle in Rumänien, Ungarn und Kroatien zu besetzen. Tepfenhart erhielt den Zuschlag, bekam die Chance, sich erstmals ganz oben an der Spitze zu beweisen. "Ich hatte das Glück, immer in Unternehmen zu arbeiten, in denen absolute Chancengleichheit gegeben war", sagt sie rückblickend.
"Sie war und ist meine Wunschkandidatin für meine Nachfolge in der Baur-Gruppe", sagte Marc Opelt, als die Personalie im vergangenen Herbst bekannt wurde. Der ehemalige Baur-Chef ist inzwischen zum Bereichsvorstand im Otto-Konzern aufgestiegen. Am Obermain zurückgelassen hat er mit Albert Klein einen langjährigen Geschäftsführungskollegen, der nun gleichberechtigt mit Tepfenhart den eingeschlagenen Kurs fortführen soll. "Ich sehe große Perspektiven für die Baur-Gruppe", sagt Klein. Der gebürtige Saarländer wird nächstes Jahr 30 Jahre im Otto-Konzern tätig sein, hat unter anderem bei Schwab und bei Witt in Weiden gearbeitet.

Nichts Passendes in Weismain

Der 56-Jährige wohnt in Weismain. In der Stadt befindet sich das Verwaltungszentrum von Baur, der Ort, an dem unter anderem die Geschäftsführer arbeiten. Auch Tepfenhart hatte zunächst vor, direkt dort sesshaft zu werden. Schließlich ist die 38-Jährige seit Dezember Mutter einer Tochter. Die Kleine muss jetzt zwanzig Minuten warten, bis ihre Mama mit dem Auto nach Hause kommt.
Da in Weismain nichts Passendes zu finden war, wohnen Tepfenhart und ihre Familie derzeit in Schederndorf (Landkreis Bamberg).

Ihre kleine Tochter weiß sie tagsüber in guten Händen. "Da ihr Vater und ich berufstätig sind, passt in der Regel meine Mutter auf unsere Tochter auf, teilweise aber auch die zweite Großmutter", erzählt Tepfenhart.
Im Distanzhandel kennt sich die neue Geschäftsführerin, die sich "langfristig bei Baur engagieren möchte", seit langem aus. Und auf die Kunden will sie auch künftig direkt eingehen. "Ich lese Kundenbriefe auch persönlich - egal, ob diese Lob oder eine Beschwerde enthalten", sagt sie.

Mit seinem Profil zielt Baur nach eigenen Angaben auf Frauen zwischen 40 und 55 Jahren ab. Die neue Chefin ist jünger als diese Zielgruppe. Aber das dürfte am Obermain niemanden stören. Im Gegenteil. Die E-Commerce-Branche gibt sich gerne jung und dynamisch.
Und außerdem ist Tepfenhart eine Frau - an der Spitze von Otto und Baur ist das, im Rückblick gesehen, immer noch eine Besonderheit.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren