Lichtenfels
Gericht

Bauer geht mit der Hacke auf Hund los

Ein Landwirt und ein Hundehalter bekommen sich in die Haare. Nicht zum ersten Mal. Jetzt sehen sich die beiden vor Gericht wieder - nicht zum letzten Mal, weil ein Zeuge die Akte studieren konnte...
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Archivfoto: Jan Koch
Archivfoto: Jan Koch
Ein "verrückter Hund", eine städtische Wiese, eine gefährliche Körperverletzung und ein womöglich ungeschicktes Verhalten eines Polizisten - der Amtsgerichtsprozess gegen einen Landwirt aus dem Raum Lichtenfels hatte viele Seiten. So viele, dass es mit einem Prozesstag nicht sein Bewenden haben wird.

War der Fall selbst schon nicht ganz eindeutig, so sorgte der Fauxpas eines Polizeibeamten auf dem Flur des Gerichts für Irritation bei Richter Thomas Pohl und Staatsanwalt Johannes Berg. Sie wurden während des Prozesses gegen den beschuldigten Landwirt von dessen Frau im Zeugenstand darauf hingewiesen, dass ein Polizeibeamter einem Zeugen auf dem Gerichtsflur Akteneinsicht in den Fall gewährt habe. Ein krasses Fehlverhalten, denn das Gelesene könnte dem Zeugen, der immerhin das Opfer einer mit einer Harke verabreichten Tätlichkeit war, als Erinnerungsstütze dienen. Darf es aber nicht.
Bei einem Verfahren zählen nicht die protokollierten Erinnerungen bei der Polizei, sondern nur die aktuellen.

Rückblende: Am 3. Juli 2012 ging ein Mann in einem Lichtenfelser Ortsteil mit seiner Frau und seinem Hund spazieren. Dabei führte er den Hund auf eine Wiese. "Ich hab gedacht, er will mich provozieren", so der Bauer sich an den Vorfall erinnernd. "Er kann nicht ausschließen, dass sein Hund auf die Wiese kackt. Hundekot ist schlecht für Wiederkäuer." Der Bauer nutzt diese Wiese demnach als Futterwiese, der 37-jährige Hundehalter wiederum gab an, dass diese Wiese öffentlich sei und jeder darauf gehen könne. Allerdings hat sich zwischen diesen beiden Männern schon vor vielen Monaten ein Vorfall auf dieser Wiese abgespielt, der ihr Verhältnis zueinander trübte.

"Vor zwei, drei Jahren habe ich ihn schon einmal darauf hingewiesen - da hat er mich umgeschubst", so der 65-jährige Landwirt über den 37-Jährigen. "Du wennst mich anpackst - ich erschlag dich, ich erschlag dich", soll der Beschuldigte noch zu hören bekommen haben. "Ich habe ihm mit der Hacke auf die Hand gehackt", räumte der Senior ein, wobei er aber darauf bestand, dass es keine ausladende Bewegung gewesen sei, sondern ein "Dazwischenstellen" der Hacke zwischen sich und dem Opfer. Das Verhältnis der Männer dürfte sich in Zukunft nicht bessern, hieß der Angeklagte das Opfer doch einen "verrückten Hund", über den das ganze Dorf so denke.

Die Ehefrau des Opfers hatte auch eine Geschichte zu erzählen, nämlich die, wonach der Angeklagte ohne Grund dem angeleinten Hund mit der Hacke zwischen die Beine gefahren sei. Einfach so, absolut ohne Anlass. Dass an diesem Julitag etwas zum Ausbruch kam, was schon lange schwelte, war klar.

Pohl und Berg wechselten Blicke miteinander und Pohl regte an, den Fall "gegen eine hohe, eine sehr hohe Geldauflage" einzustellen. Staatsanwalt Berg war dagegen, er bestand auf einer Verurteilung. Dann betrat als letzte Zeugin die Ehefrau des Angeklagten den Saal 14. Ihr Hinweis auf den Vorfall im Gang zog die Verfahrensaussetzung bis zum kommenden 5. Februar nach sich.




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