Lichtenfels

Bauarbeiter muss fast drei Jahre in Haft

Das Landgericht Coburg schickt einen 31-jährigen Kroaten ins Gefängnis, weil er im Suff einen Kollegen schwer verletzt hatte.
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Zwei Jahre und elf Monate lautete das Urteil des Landgerichts Coburg gegen den angeklagten 31-jährigen Bauarbeiter.Jochen Berger
Zwei Jahre und elf Monate lautete das Urteil des Landgerichts Coburg gegen den angeklagten 31-jährigen Bauarbeiter.Jochen Berger

Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten ist ein osteuropäischer Bauarbeiter von der ersten großen Strafkammer am Landgericht Coburg verurteilt worden. Der 31-jährige Mann hatte am frühen Morgen des Ostersonntags einen Kollegen auf einer Baustelle in Lichtenfels mit Fäusten geschlagen und mit Füßen getreten, bis dieser blutüberströmt und leblos am Boden liegen geblieben war.

Den versuchten Totschlag konnte das Gericht dem Mann aufgrund der dürftigen Beweislage nicht nachweisen. "Wie man es dreht und wendet, es bleibt möglicherweise ein versuchter Totschlag, aber: Im Zweifel für den Angeklagten, deswegen müssen wir von der günstigen Variante ausgehen," so der Vorsitzende Richter Christoph Gillot.

Vorsätzlicher Vollrausch

Das bedeutete konkret, dass der Mann eigentlich nur wegen gefährlicher Körperverletzung belangt werden konnte. Allerding war der Beschuldigte laut Psychiater Christoph Mattern zum Tatzeitpunkt schuldunfähig. Deswegen kam letztendlich nur eine Strafe wegen vorsätzlichen Vollrausch in Frage; der Mann hatte immerhin 2,84 Promille Alkohol im Blut. Gillot: "Es ist tatsächlich so, dass in Deutschland das Saufen strafbar ist, allerdings nur dann, wenn man im Suff eine Strafe begeht."

Laut dem Gutachter Christoph Mattern war der 31-jährige seit Jahren drogen-, alkohol- und medikamentenabhängig. Einige Tage vor der Tat war dem Angeklagten demnach das Medikament Subutex ausgegangen. Es handelt sich dabei um ein Opiat, das er in Kroatien verordnet bekommen hatte. Laut dem Gutachter führt der Entzug dieses Medikamentes zu Unruhe und einer Beeinträchtigung der Wahrnehmung. "Die Stimmung kippt plötzlich. Menschen können sich nicht vom Streit lösen", so Mattern.

Der Streit ereignete sich am frühen Morgen des Ostersonntags: Drei Bauarbeiter aus dem Balkan verbrachten demnach die Osterfeiertage nicht in ihrer Heimat, sondern in einem fremden Land und zwar im Baucontainer beziehungsweise im Lkw. "Es war eine prekäre Ausgangssituation", so Staatsanwalt Michael Koch.

Saufgelage eskalierte

Die beiden Kroaten und ein Bulgare verabredeten sich demnach aus Langeweile zum gemeinsamen Trinken. Was zunächst harmonisch begonnen hatte, entwickelte sich zu einem Saufgelage, das vermutlich wegen einer banalen Bemerkung eskalierte. Das Gericht geht davon aus, dass es zwischen Opfer und Täter bereits im Container zu gegenseitigen Provokationen gekommen sei. Später attackierte der Kroate den Bulgaren im Lkw derart, dass dieser mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus musste.

Der 31-jährige bedauerte seine Tat, er sei nach Deutschland gekommen, um vor den Verhältnissen in Kroatien zu entfliehen. Er habe hier in einem Monat so viel verdient wie seiner Heimat in drei Monaten. "Ich habe nicht daran gedacht, dass ich in Deutschland im Gefängnis landen kann."

Rechtsanwalt Martin Jensch plädierte für ein Strafmaß von höchstens zweieinhalb Jahren. "Es handelt sich hier um keinen skrupellosen Gewalttäter, sondern er hat die schreckliche Tat in einer Ausnahmesituation begangen," so Jensch. Staatsanwalt Michael Koch hielt hingegen eine Strafe von drei Jahren und sechs Monaten für angemessen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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