Kloster Banz
Neuerscheinung

Banz als Tresor für des Herzogs Schätze

Bernhard Graf geht in seinem Bildband "Im Glanz edler Steine" auf die Preziosen der Wittelsbacher ein. In Franken hat vor allem die Linie der Herzöge in Bayern Spuren hinterlassen. Wenngleich das Geschmeide andernorts aufbewahrt wird, befinden sich in Banz doch kostbare Stücke.hinterlassen
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Der bayerische König Ludwig I. im Krönungsornat bei seiner Thronbesteigung 1825 - dieses Gemälde ziert einen Flur in Kloster Banz. Auf der Königskrone sticht  der Blaue Wittelsbacher besonders heraus, der legendäre naturblaue Diamant.Matthias Einwag
Der bayerische König Ludwig I. im Krönungsornat bei seiner Thronbesteigung 1825 - dieses Gemälde ziert einen Flur in Kloster Banz. Auf der Königskrone sticht der Blaue Wittelsbacher besonders heraus, der legendäre naturblaue Diamant.Matthias Einwag
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Der Blaue Wittelsbacher ist der berühmteste Edelstein unter den bayerischen Kronjuwelen. Das Fürstenhaus sammelte über die Jahrhunderte viele weitere Pretiosen an, die sich heute in verschiedenen Museen befinden. Eine Übersicht über all die Schätze stellte der Münchner Historiker und Journalist Bernhard Graf nun in einem Bildband zusammen. Wir sprachen mit dem Autor über die Wittelsbacher in Banz und Bamberg.

"Das Leben der herzoglichen in Bayern-Linie der Wittelsbacher in Banz ist mit dem vergleichbar, wie sich die Nachkommen in Possenhofen und Tegernsee einrichten sollten", sagt Bernhard Graf. Fern vom höfischen Zeremoniell der königlichen Verwandten in München habe sich Herzog Wilhelm in Bayern mit seinem Enkel Max hierher zurückgezogen, um in Sommer und Herbst die Schönheiten der Natur und die Jagden zu genießen.

Natürlich lebte die herzogliche Familie nicht allein im Schloss. Eine umfangreiche Dienerschaft begleitete die Wittelsbacher, vorneweg ein Hofmarschall an der Spitze der Entourage des Herzogs und ein Hofmeister als Vorstand der Dienerschaft der Herzogin. Dazu kamen die Equipage sowie Erzieherinnen und Lehrer für die Zöglinge. In den Wintermonaten zog man sich wieder nach Bamberg in die ehemalige fürstbischöfliche Residenz zurück.

Immer wieder nutzen die Wittelsbacher die ehemalige, fürstbischöfliche Residenz, so König Otto von Griechenland (reg. 1832/35-1862), nachdem er sein Königreich verlassen musste. Hier unterhielt er sich täglich in griechischer Sprache und umgab sich mit einem 50-köpfigen Hofstaat in griechischer Tracht, bis er am 26. Juli 1867 starb. Auch Kronprinz Rupprecht von Bayern (1869-1955) richtete mit seiner Gemahlin Marie Gabriel(l)e (1878-1912), einer geborenen Herzogin in Bayern, hier einen ersten Hausstand ein. So hielt am 23. Oktober 1900 das Kronprinzenpaar seinen feierlichen Einzug. Öfters hielt sich Rupprecht auch zu Abendgesellschaften im Schloss Eyrichshof der Freiherren von Rotenhan auf oder beteiligte sich an Parforcejagden im Umgriff des Schlosses Greifenstein der Grafen Schenk von Stauffenberg.

"In erster Linie war Banz nicht als Ort von höfischen Empfängen und Festen gedacht", sagt Bernhard Graf. Vielmehr habe Herzog Wilhelm in Bayern die ehemalige Benediktinerabtei 1814 gekauft, um hier inmitten seines Jagdreviers seinen Sommersitz einzurichten. Diese Liegenschaft sollte für die Wittelsbacher in-Linie vorwiegend als Rückzugsort dienen. So verbrachte auch Wilhelms Enkelsohn, Herzog Maximilian in Bayern, als Kind seine Freizeit hier.

"Zudem diente das ehemalige Kloster der Wittelsbacher Nebenlinie auch als Tresor ihrer bedeutenden Sammlungen", sagt der Historiker. So habe Herzog Wilhelm die Petrefaktensammlung hier untergebracht und der Enkel Max seine Orientalische Kollektion, die er aus Ägypten, Nubien und dem Heiligen Land mitgebracht hatte. Graf: "Es ist immer wieder zu lesen, dass die herzogliche Familie ihre Verwandten und Freunde hierher einlud, um ihnen diese Sammlungen mit einem gewissen Stolz zu zeigen. Das herzogliche Gästebuch belegt diese Besuche auch noch in späteren Generationen." Die Residenz in Bamberg hingegen diente der herzoglichen Familie als Ort der Repräsentation. Hier wurden hohe Gäste empfangen, wie zum Beispiel Kaiser Napoleon I. mit seinen Marschällen.

Ganz unterschiedlich bewertet Bernhard Graf das dramatische Ereignis, als im Zuge der Säkularisation sakrale Preziosen, Kronjuwelen, Prunkreliquiare und Kirchengeräte - zum Beispiel die Kronen des Kaiserpaars Heinrich II. und Kunigunde oder die Staurothek Kaiser Heinrichs II. aus dem Bamberger Domschatz sowie das fränkische Herzogsschwert aus dem Würzburger Domschatz - entfernt wurden, ergänzt Bernhard Graf. Besonders hoch schätze er die Fürsorge des Kronprinzen Ludwig (nachmals: König Ludwig I.), der die schützende Hand über die fränkischen Kleinodien hielt und sie rettete, indem er sie in die Geheime Kammerkapelle, die Reliquien- und Schatzkammer der Münchner Residenz, in das kurfürstliche Münzkabinett sowie in die kurfürstliche Bibliothek bringen ließ. Bernhard Graf: "Waren doch an vielen Orten rücksichtslose Aufhebungskommissare am Werk, die die Preziosen ihres Edelsteinbesatzes beraubten und das Edelmetall einfach einschmelzen ließen - so müssen die Haltung und Tatkraft des Kronprinzen als Aktion in letzter Not verstanden werden."

Wissenswertes zum Buch "Im Glanz der Steine" und seinen Autor Bernhard Graf

Neuerscheinung Zum 100. Jahrestag des Endes der bayerischen Monarchie entfalten sich in diesem Bildband Glanz und Glorie des ehemaligen Herrschergeschlechts der Wittelsbacher. Aus dem ungewöhnlichen Blickwinkel ihrer Kronjuwelen, ihrer Exponate in den Kunst- und Wunderkammern, ihrer Säkularisationsgüter, ihrer mineralogischen Sammlerstücke, ihres Star-Diamanten, dem "Blauen Wittelsbacher", sowie ihrer Kleinodien ergibt sich eine Zusammenschau von historischen, kunstgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Bernhard Graf zeigt den Werdegang dieser europäischen Herrscherfamilie auf. Die glorreichen Aufstiege und dramatischen Schicksale ihrer Mitglieder spiegeln sich wie in keinem anderen Gegenstand im funkelnden Licht der edlen Steine wider.

Autor Bernhard Graf ist 1962 in Landshut geboren. Er studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistik. Der Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks und Dozent an den Universitäten München und Darmstadt ist durch zahlreiche Buchpublikationen und Features bekannt.

Das Buch "Im Glanz edler Steine - Die Juwelen der Wittelsbacher" ist im Allitera-Verlag erschienen. Der reich illustrierte Bildband hat 216 Seiten und kostet 29,90 Euro (ISBN 978-3-96233-049-1).

Bernhard Graf verfasste ferner die Bildbände "Sisis Vater" und "Sisis Geschwister", die ebenfalls im Allitera-Verlag erschienen sind.

Radiosendung Anlässlich der 100. Wiederkehr des Revolutionstages (7. November 1918) stellt Bernhard Graf mit Hilfe der Moderatorin Hermine Kaiser im Radio (Bayern 2) am 7. November zwischen 10 und 12 Uhr das neue Buch vor.

Die Banzer Hofhaltung der Herzöge in Bayern war wohl nicht von Prunk geprägt

Wie die Zeit der Wittelsbacher in Banz aus heutiger Sicht zu bewerten ist und wie das Hofleben in Schloss Banz ausgesehen hat, fragten wir Oberfrankens Bezirksheimatpfleger, Professor Günter Dippold. Frage:Die Herzöge in Bayern erwarben das aufgehobene Kloster Banz im 19. Jahrhundert und wandelten es zum Schloss um. Wie kann man sich das Hofleben in Banz zu jener Zeit vorstellen?

Günter Dippold: Im Frühling übersiedelte Herzog Wilhelm mit Familie und Hofstaat nach Banz und kehrte im Herbst nach Bamberg zurück. Gemessen an einem regierenden Fürsten - der Wilhelm ja nicht war - dürfte die Hofhaltung eher bescheiden gewesen sein, zumal Prachtentfaltung in diese Zeit der Spätaufklärung generell nicht passte. Aber wir dürfen uns schon kostbar ausgestattete und möblierte Räume, ausreichend Diener in unterschiedlichen Funktionen - einschließlich Köche und Gärtner -, Hofbeamte, eine große Menge an Pferden und Kutschen - dafür spricht der eigens errichtete große Marstall mit angebauter Kutschenhalle - vorstellen.

Auch die Neue Residenz in Bamberg nutzten die Wittelsbacher als Schloss. Gibt es Berichte über das Hofleben von - zum Beispiel - Prinz Rupprecht?

Die Neue Residenz war Herzog Wilhelm, dem Käufer von Banz, als Wohnsitz zugewiesen. Nach seinem Tod 1837 wurde das Schloss nur noch selten genutzt, von kurzen Aufenthalten abgesehen. Ab 1867 lebte hier der griechische König Otto samt Gemahlin und Hofstaat im Exil; zwei griechische Hofdamen heirateten fränkische Adlige. Eine weitere Ausnahme war Prinz Rupprecht, der dort wohnte, als er in Bamberg als Offizier stationiert war. Für ihn und seine Frau wurden zum Beispiel neue Bäder eingerichtet und im Rosengarten ein Tenniscourt angelegt.

Gibt es Quellen, die über einen Empfang in Banz berichten - oder anders herum: War Banz überhaupt unter den Herzögen in Bayern für Repräsentationszwecke gedacht oder hatte es mehr den "Wohnschlosscharakter", war in erster Linie für die Sommerfrische und die Jagd genutzt?

Generell hatte Herzog Wilhelm in seiner Bamberger Zeit ja kaum offizielle Funktionen. Doch empfing er in Banz durchaus Besuch, so 1818 die Zarin von Russland, 1823 und 1831 den König von Bayern. Beim Besuch des bayerischen Kronprinzen Ludwig vom 23. bis 25. September 1821 wird berichtet, der Herzog habe ihn in Unterleiterbach mit einer mit sechs braunen Pferden bespannten Kutsche mit einem in Silber gekleideten Vorreiter abholen lassen. In Unnersdorf wurden dann sechs Schimmel vorgespannt, mit einem golden gewandeten Vorreiter. Am zweiten Abend fuhr die hochadlige Gesellschaft auf dem Main, und Musiker aus Lichtenfels und Staffelstein spielten "Türckische Musick". Der Schlosshof in Banz war mit über 4500 Lichtern beleuchtet bis 4 Uhr morgens.

Wie sind die Ereignisse nach der Säkularisation zu bewerten, als fränkische Klöster aufgelöst und ihre Münzsammlungen und Bibliotheken in alle Winde zerstreut wurden oder in Münchner Magazine wanderten?

Lediglich die Banzer Münzsammlung wanderte nach München. Die Bibliothek und das Naturalienkabinett kamen vielmehr nach Bamberg und bildeten den Grundstock für die heutige Staatsbibliothek und das heutige Naturkundemuseum. Vermutlich kamen auch zumindest Teile der Kunstsammlung vornehmlich nach Bamberg. Die meisten Objekte sind also in der Nähe geblieben und haben die Schaffung öffentlicher Einrichtungen, die der Forschung und Bildung dienen, befördert.

Schlimm ist dabei, dass es an Forschungen fehlt: Es gibt keine Übersicht, welche Bücher genau aus Banz stammen, welche Objekte im Naturkundemuseum, welche Gemälde oder Münzen. Ich finde, dass hier der Freistaat Bayern als Nutznießer der Klosteraufhebungen am Zug wäre, Provenienzforschung zu betreiben. Dabei kann es nicht um Rückerstattungen gehen - dafür würde in Banz die Infrastruktur fehlen -, aber um die Würdigung des Erbes von Kloster Banz.

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