Hochstadt
Geldgeschäfte

Bald keine Bank mehr in Hochstadt

Die angekündigte Schließung des Sparkassen-Finanzcenters stößt in Hochstadt auf Unverständnis. Die Sparkasse argumentiert mit verändertem Kundenverhalten.
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Die Sparkassenfiliale in der Wolfslocher Straße in Hochstadt Foto: R. Popp
Die Sparkassenfiliale in der Wolfslocher Straße in Hochstadt Foto: R. Popp

Mit Unverständnis hat der CSU-Ortsverband auf die Ankündigung der Sparkasse Coburg-Lichtenfels reagiert, die Filiale in Hochstadt zu schließen. Nachdem auch die Raiffeisenbank inzwischen ihre Niederlassung geschlossen hat, wäre die ganze Gemeinde künftig ohne Zugang zu den klassischen Filialleistungen, gibt CSU-Ortsvorsitzende Stefanie Kneipp zu bedenken. Der Seniorenbeauftragte und Gemeinderat Georg Zethner (CSU) erklärte, insbesondere Senioren, die ihre Geldgeschäfte nicht über die digitalen Wege abwickeln können, wären von dem Wegfall betroffen. Dass nach der Raiffeisenbank nun auch die Sparkasse den Ort verlässt, führe zu großem Unmut unter den Hochstadtern, so die Einschätzung des größten politischen Ortsverbandes.

"Auf Kosten der älteren Bürger"

"Die Bilanzen sollen wohl auf Kosten gerade der älteren Bürger verbessert werden", lautet der Vorwurf von Bürgermeister Thomas Kneipp (CSU). Gerade wegen ihrer kommunalen Eigentümerschaft hat man an die Sparkasse die Erwartung, sie müsse mehr sein, als ein nur am Gewinn orientiertes Unternehmen. Anstatt neue Kunden im Ortsgebiet zu gewinnen, wolle sich die Sparkasse zurückziehen und die örtliche Verankerung, die ihr Alleinstellungsmerkmal gegenüber Privatbanken darstelle, aufs Spiel setzen, heißt es in der Stellungnahme des CSU-Ortsverbandes. Vorsitzende Stefanie Kneipp spricht von einer "selbstzerstörerischen Strategie", die dringend überdacht werden sollte - auch im Interesse der die Sparkasse tragenden Mitglieder im Zweckverband. Dies sind die Städte Coburg, Lichtenfels, Neustadt bei Coburg, Burgkunstadt, Bad Rodach und Bad Staffelstein sowie die Landkreise Lichtenfels und Coburg.

Die Sparkasse hingegen rechtfertigt ihren Schritt mit Veränderungen in der Finanzbranche. "Die Kunden nutzen zunehmend digitale Zugangswege zu Bankdienstleistungen", sagt Pressesprecherin Jana Lindner-Okrusch. "Auf einen Filialbesuch kommen heute zirka 350 Online-Kontakte." Die vergangenen Jahre seien von wirtschaftlich schwierigen Bedingungen wie Niedrigst- bzw. Negativzinspolitik und hohem Regulierungsdruck geprägt gewesen. "Darauf müssen wir uns einstellen, um dauerhaft auf einer betriebswirtschaftlich nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Basis arbeiten zu können." Nur so könne die Sparkasse Coburg-Lichtenfels auch in Zukunft ihren öffentlichen Auftrag erfüllen und weiterhin eine flächendeckende Versorgung mit modernen Finanzdienstleistungen vor Ort sicherstellen. Die Nutzung der Filialen werde daher regelmäßig unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geprüft. Vor diesem Hintergrund sei der Entschluss getroffen worden, das Finanzcenter Hochstadt zu schließen.

"Die Präsenz in der Fläche war und ist für unser Haus nach wie vor sehr wichtig", betont Jana Lindner-Okrusch. "Die Geschäftsstelle hat Zukunft - und zwar als Ort hochwertiger Beratung. Für bloße Abwicklungsaufgaben und Transaktionen wird sie hingegen immer weniger benötigt und frequentiert."

Mit 38 Standorten verfüge die Sparkasse Coburg-Lichtenfels auch künftig über ein dichtes Service- und Vertriebsnetz im Geschäftsgebiet. Für Beratungen befänden sich im näheren Umkreis von Hochstadt das Finanzcenter in Redwitz sowie die Beratungscenter in Michelau, Burgkunstadt und Lichtenfels. Der Geldausgabeautomat und der Kontoauszugsdrucker werden bis auf Weiteres erhalten bleiben. Zusätzlich könnten die Kunden die Sparkasse telefonisch im Servicecenter (Tel. 09571/150) montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr erreichen sowie online unter www.sparkasse-co-lif.de, per E-Mail, Online-Chat und mobil per App. Das Angebot, sich online beraten zu lassen, werde nach mehr als einem Jahr bereits sehr gut angenommen. Der Kunde erhalte persönliche und kompetente Beratung, ohne die Räumlichkeiten der Sparkasse zu besuchen.

Auf die Frage, ob es nicht eine Option wäre, in Orten, in denen eine Filiale als nicht mehr rentabel angesehen wird, eine Art Sprechstunde anzubieten, zum Beispiel im Rathaus oder in einem "Sparkassenbus", also einer mobilen Geschäftsstelle, antwortet die Pressesprecherin, dies sei nicht vorgesehen. Man investiere in zukunftsorientierte Entwicklungen wie die Erweiterung der Internetfiliale, Ausbau der Internetservices, Onlineberater etc.

Die geplante Schließung der Filiale in Hochstadt zum 15. Juni wird heuer nicht der einzige Schritt dieser Art sein. In Coburg werden zum 15. März das Finanzcenter Scheuerfeld sowie die SB-Filiale Lauersgraben aufgegeben. Auch im Landkreis Lichtenfels wird es "im Laufe des Jahres noch Anpassungen" geben, wie die Sparkassen-Sprecherin ankündigte. Darüber wolle man aber zunächst die betroffenen Kunden informieren.

Im vergangenen Jahr hatte die Schließung der Sparkassen-Filiale Weidhausen (Landkreis Coburg) für Empörung beim dortigen Gemeinderat gesorgt. In Lichtenfels konnten Kunden 2013 erreichen, dass der Vorstand die Entscheidung zur Schließung der Filiale in der Bahnhofstraße revidierte. Drei Jahre später wurde dann allerdings auch dieser Anlaufpunkt zu einer Selbstbedienungsstelle.

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