Schney
Lehrstellen

Azubis in Lichtenfels über die Schulter geschaut

Reinhard Hühnlein setzt sich seit 30 Jahren für den Nachwuchs im Handwerk ein. Ausbilder wie Lehrlinge brauchen dabei vor allem eines: Stehvermögen. Zu Besuch im Ausbildungszentrum.
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Seit zwei Wochen feilen die neuen Lehrlinge schon am Hammerkopf. Anna-Lena Amon freut sich über jeden tausendstel Millimeter. Ausbildungsleiter Reinhard Hühnlein (hinten links) sorgt für Ordnung.  Foto: Anja Greiner
Seit zwei Wochen feilen die neuen Lehrlinge schon am Hammerkopf. Anna-Lena Amon freut sich über jeden tausendstel Millimeter. Ausbildungsleiter Reinhard Hühnlein (hinten links) sorgt für Ordnung. Foto: Anja Greiner
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Wenn Reinhard Hühnlein lacht, leuchten seine Augen. Er lacht oft, wenn er durch das Ausbildungszentrum der Firma Hofmann in Lichtenfels geht. Und seine Augen leuchten, wenn er sieht wie drei Feilen, ein Schraubenzieher und ein kleiner Imbus-Koffer akkurat nebeneinander liegen. Auf einem grauen Filzquadrat neben dem Schraubstock auf dem Tisch der Azubis. Ordnung, sagt der Ausbildungsleiter, sei für ihn das Wichtigste. Verrückte Stühle im Unterrichtsraum, herumliegende Handtücher im Waschraum, wenn er darüber spricht ist der Glanz in den Augen weg.

Am Anfang, sagt Anna-Lena Amon, habe sie einfach alles liegen gelassen, wenn sie in die Pause ist. Jetzt, nach gut zwei Wochen in ihrer Ausbildung zur Mechatronikerin räumt sie alles automatisch auf. Von 32 Schülern in ihrer Abschlussklasse auf der Realschule haben sieben eine Lehre begonnen.
Anna-Lena sagt, sie wollte erstmal ein Standbein haben, studieren könne sie immer noch.

Ausbilden ist auch Psychologie

Und mit dem Standbein, das hat sie gleich in den ersten Wochen gemerkt, ist das so eine Sache. Eine durchaus wörtlich zu nehmende: seit zweieinhalb Wochen feilt sie an dem Metallblock. Ein paar Wochen wird es noch dauern, bis daraus ein Hammerkopf geworden ist: eben, auf Winkel und parallel auf 27 Millimeter geschruppt.
Die Ausdauer und das Stehen am Anfang, das sei für alle am schwersten, aber eben auch Erziehungssache, sagt Hühnlein, und: Die Schule, die bereite darauf nicht vor, Schule ist Urlaub.

Es gab auch Fälle, da habe er gedacht: Oh Gott, was sollen wir denn mit dem. Und dann gilt eben auch für den Ausbilder: Ausdauer und Stehvermögen. Und ein bisschen Psychologie: Es gebe immer auch die, bei denen daheim nicht alles rund laufe. Da müsse man dann abwägen, nicht ganz so streng sein. Mittlerweile sei das oft der Fall, öfter als früher, wenn er so darüber nachdenke.

Bisher aber, hat jeder seiner Lehrlinge die Prüfung bestanden. Es waren wohl über 300.

Die Werbekampagne für das Handwerk, die vor 15 Jahren bundesweit gestartet wurde, und die Werbung im kleinen, vor Ort, in die Schulen gehen, Praktika anbieten, all das zahle sich jetzt aus, sagt Hühnlein.

17 Lehrlinge haben sie dieses Jahr in vier Berufen eingestellt, 60 Bewerbungen für das nächste Jahr liegen gestapelt neben seinem Schreibtisch. Von freien Lehrstellen keine Spur, aber es gibt eben immer noch Handwerk und Handwerk: Einer, sagt Hühnlein, der hat bei uns angefangen, nachdem er seine Lehre zu Koch aufgehört hatte. Die Arbeitszeiten und die Bezahlung seien oft das Problem.

Hühnlein ist gelernter Maschinenbauschlosser. Er war beim Bundesgrenzschutz, da haben ihm die Menschen gefehlt. Seit über 25 Jahren ist er bei der Werkzeugbaufirma Hofmann für die Ausbildung zuständig. Als Handwerkspate ist ehrenamtlich in den Schulen unterwegs, sitzt im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer.
Autoritär sei er schon ein wenig und auch strenger als sein Kollege, sagt Hühnlein. Eine gewisse Führung müsse eben sein, das sei bei ihm in der Ausbildung nicht anders gewesen.

Und auch sonst habe sich nicht allzuviel verändert, sagt Hühnlein. Außer vielleicht die Einstellung zur Arbeit: Nicht mehr nur Mittel zum Geld verdienen soll sie sein, sondern auch Spaß machen.

Philipp Schmidtlein ist 25, hat sein Maschinenbaustudium geschmissen und ist jetzt im dritten Ausbildungsjahr. Danach möchte er seinen Techniker machen. Die Theorie liege ihm besser als die Praxis, sagt Hühnlein, dann muss er ein wenig grinsen: "das merkt man schon, was manchen nicht so liegt, allein wie sie an die Sache rangehen, der Gesichtsausdruck dabei". Nun sind Lehrjahr schon immer keine Herrenjahre gewesen, der Hammerkopf feilt sich nicht von allein und der Arbeitsbeginn um sieben ist nicht immer leicht.

Aber, am Ende der dreieinhalb Jahre, steht Hühnlein neuen Menschen gegenüber. Die Veränderung sei gewaltig. Übernommen werde grundsätzlich jeder, Hühnlein sorgt dafür, dass sie gut unterkommen. Das Highlight für ihn ist, wenn er ehemalige Lehrlinge als Lehrer an der Mittel- oder der Berufsschule in Lichtenfels wiedertrifft. Dann sieht man, sagt Hühnlein, der hat was aus sich gemacht. Als er lacht, funkelt Stolz in den Augen mit.
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