Klosterlangheim
Verkehrsaufkommen

Auf Klosterlangheim rollt einiges zu

Weil sich bald das Dreifache an Autos und Lastwagen durch den Ort quält, greifen die Bürger zur Selbsthilfe.
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Hannelore Goller und Heidi Gieger haben Spaß bei der Anprobe. Sie stecken erstmalig in den Westen für Schulweghelfer und werden das noch mindestens fünf Wochen lang tun. Foto: Markus Häggberg
Hannelore Goller und Heidi Gieger haben Spaß bei der Anprobe. Sie stecken erstmalig in den Westen für Schulweghelfer und werden das noch mindestens fünf Wochen lang tun. Foto: Markus Häggberg
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Ab Montag sei mit bis zum Dreifachen zu rechnen. Die Rede ist vom Verkehrsaufkommen in Klosterlangheim. Mit der Umsetzung der angekündigten Sperrung der B 173 wird der Verkehr im Landkreis für die Dauer von fünf Wochen umgeleitet. 10 000 Pkw und Lkw werden dann pro Tag durch den Ort fahren.

Die Sicherheit der örtlichen Schulkinder liegt seit Mittwoch in der Hand initiativ gewordener Bürger. Es ist Mittwoch, 16.30 Uhr und Feierabendverkehr. Eine Gruppe Menschen zieht durch Klosterlangheim und sucht sich die schmalste Stelle der Ortsdurchfahrt. Zu finden ist sie nahe der Hausnummer 18, nahe eines Kirchleins. Hier gibt es etwas zu lernen, hier zücken Michael Lang und Alfons Hrubesch zwei Kellen, heben diese an, betreten die Fahrbahn und nehmen Blickkontakt mit Fahrern auf, die jetzt für sie anhalten mussten. Die sieben Frauen und der eine Mann, die dieser Szene am Straßenrand beiwohnen und ab heute Schulweghelfer sind, sollen sich das nur ja gut ansehen. Es geht darum, Präsenz in unmissverständlicher Form zu zeigen.

"Das Zeichen, das ihr gebt, unterliegt der richterlichen Nachprüfung", mahnt Alfons Hrubesch. Dem Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht ist daran gelegen, den neuen Helfern die Bedeutung ihres Tuns zu zeigen, die korrekte Ausführung des Bewegungsablaufs obendrein. Immerhin dürfen nur Polizisten auf diese Weise Verkehr zum Erliegen bringen.

Blickkontakt ist wichtig

"Suchen Sie immer Blickkontakt zum Fahrer", mahnt auch Michael Lang, Sachbearbeiter für Verkehr bei der Polizei Lichtenfels. Es ist erster Anschauungsunterricht und ein Schaulaufen, sozusagen. Hrubesch hüben, Lang drüben der Straße, bringen den Verkehr zum Erliegen, lassen ihn gewähren, halten ihn erneut an, lassen wieder weiterfahren. Die schmale Stelle, an der sie stehen, wird damit zur Überquerungshilfe und liegt unweit einer Gefahrenquelle.

"Das ist uns schon ein Dorn im Auge gewesen", sagt zu der wenige Meter entfernten Stelle auch Thomas Goller, Klosterlangheimer und Unterstützer der Schulweghelfer. Der Schulbus würde hier Kinder absetzen und aufnehmen, aber dann rückwärts in eine Parkbucht stoßen und wenden, und das alles sei bei dreifachem Verkehrsaufkommen bedenklicher als ohnehin schon. Das sehen auch Bürgermeister Andreas Hügerich, Stadtrat Roland Lowig und Teresa Weisser von der Verkehrsbehörde des Landratsamtes so. Auch sie haben sich eingefunden, die neuen Schulweghelfer zu bestärken.

Dass sich die Schulweghelfer überhaupt gefunden haben, liegt auch an der WLJ (Wählervereinigung Leuchsental-Jura) und den neuen Netzwerken. Die Anregung zu ortseigenen Schulweghelfern sei aus der WLJ-Ecke gekommen, erklärt Stadtrat Lowig.

Erst eine Woche vorher sei man beim Bürgermeister vorstellig gewesen und dann sei alles ganz schnell gegangen. Die Streuung der Nachricht, wonach Schulweghelfer gesucht würden, sei über soziale Netzwerke geschehen, habe sich über die Feuerwehr und die Hobbygärtner gestreut. So fanden sich Bereitwillige. "Das wurde innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft", versichert auch Thomas Goller nicht ohne einen leisen aber merklichen Anflug von Stolz. Auch er steckt in einer der auffälligen gelb-grünen Westen, mit denen auch seine sieben Mithelfer heute ausstaffiert wurden.

Arbeitsbeginn: 6.30 Uhr

Was an diesem Tag noch folgte, war theoretischer Unterricht, Belehrungen, Mappenausgabe, Unterschriften. Eine Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses und ein Fahrsicherheitstraining legte Hrubesch den "Neuen" auch ans Herz. Ab Montag werden sie sich täglich und nach interner Absprache in der Praxis beweisen. Ab 6.30 Uhr.

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